[Klimalinks 8.8.2019] 17 Staaten unter extremen Wasserstress; IPCC-Bericht über „Land and Climate Change“; Wissenschaftlicher Dienst des Bundestages über die CO2-Steuer

• Schöner Artikel über die Luftaufnahmen des Piloten und Architekten Alex MacLean, der durch ansteigende Meeresspiegel gefährdete Infrastruktur fotografiert: What the Seas Will Swallow.

• Der Schutz von US-Gemeinden und Städten in Küstennähe vor ansteigenden Meeresspiegeln wird ungefähr genauso teuer, wie der Aufbau des US-Highway-Systems, was 40 Jahre in Anspruch nahm und 500 Millarden Dollar kostete. Und das ist nur einer von vielen Kostenfaktoren, die auf jeden einzelnen Staat der Erde durch den Klimawandel zukommen: Who Will Pay for the Huge Costs of Holding Back Rising Seas? The center recently issued a study concluding that by 2040, building sea walls for storm surge protection for U.S. coastal cities with more than 25,000 residents will require at least $42 billion. Expand that to include communities under 25,000 people and the cost skyrockets to $400 billion. That’s nearly the price of building the 47,000 miles of the interstate highway system, which took four decades and cost more than $500 billion in today’s dollars.

• Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat die rechtlichen Rahmenbedingungen einer CO2-Steuer untersucht und schließt einerseits, dass eine neuartige Steuer nur durch eine Grundgesetzänderung auf den Weg gebracht werden könnte, da der Bund nicht einfach eine neue Steuerart neben Ertrags-, Verkehrs-, Aufwands- oder Verbrauchssteuer erfinden darf. Allerdings schließen sie auch aus den bislang diskutierten CO2-Steuer-Varianten, dass diese sich sehr wohl unter den Steuertypen des Art. 106 GG einordnen ließen, hier das PDF.

Die Wirtschaftswoche bastelt daraus übrigens irreführend vereinfachte Headline CO2-Steuer ist verfassungswidrig und betreibt im Artikel aktive Irreführung ihrer Leser, indem sie die direkte Besteuerung der CO2-Emissionen benennen, die tatsächlich diskutierten und keinesfalls verfassungswidrigen Varianten unterschlagen.

• Der Bericht des IPCC über die Auswirkungen des Klimawandels auf Landmassen und die Nutzung des Bodens war vor ein paar Tagen bereits geleakt, heute wurde er nun offiziell vorgestellt. Zusammengefasst besagt der Report, dass der Mensch praktisch alle seine Lebensgrundlagen zuerstört, neben den Ozeanen nämlich auch „Böden, Wälder und damit auch die Landwirtschaft. Der Weltklimarat warnt vor Gefahren für die Lebensmittelversorgung und mahnt zu einem Wandel unserer Ernährung.“

Übersichten auf spOnline und der Zeit, hier der Bericht der IPCC als Download.

In Europa wird das Wasser knapp: Ein Viertel der Menschheit lebt in Staaten, die von akutem Wassermangel bedroht sind. Das geht aus dem Wasserrisiko-Atlas des World Resources Institut (WRI) hervor, den die Organisation am Dienstag in Washington vorstellte. Laut den Forschern leiden heute bereits 17 Staaten unter “extrem hohem Wasserstress”.

How the world’s dirtiest industries have learned to pollute our politics: Because the dirtiest industries attract the least public support, they have the greatest incentive to spend money on politics, to get the results they want and we don’t. They fund political parties, lobby groups and thinktanks, fake grassroots organisations and dark ads on social media. As a result, politics comes to be dominated by the dirtiest industries.

Oil built Saudi Arabia – will a lack of water destroy it? Was passiert, wenn einem der reichsten Länder der Welt gleichzeitig die Haupteinnahme (Öl) und das Wasser ausgehen?

• London Review of Books reviewt David Wallace-Wells: All the News Is Bad: The old certainties no longer apply. We are on an alien planet.

in a new study, researchers say that global warming will lead to tens of thousands of additional heat-related deaths every year in China. But limiting warming to 1.5C (2.7F) above preindustrial levels rather than 2C (3.6F) – a difference of less than 1 degree F – could save about 30,000 lives per year in the Asian nation alone. The discovery highlights the need for global cooperation to reduce the impacts of climate change.

Alaska records warmest month ever in July with coastline barren of sea ice: Average temperature for month amid Arctic heatwave was 58.1F (14.5C), nearly 1F above previous high set in July 2004

Protestierende Klimaforscher: Weil die US-Regierung ihre Arbeit behindert, werfen sie hin

Amazon Deforestation Shot Up by 278% Last Month, Satellite Data Show

‘Fight for our lives’: Fiji calls world leaders ‘selfish’ as it lays out climate crisis blueprint

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Verlassene, verrottende Ski-Ressorts in den Bergen: The New Ruins of the Melting Alps

7. August 2019 16:34 | #Klimawandel

Ich verreiste in meinem Leben ungefähr 30 mal zum Skilaufen in die Berge Österreichs und verbrachte die Winter meiner Kindheit an jedem Wochenende am Hang im Odenwald, meine ersten Paar eigene Skier bekam ich, als ich 4 Jahre alt war. Ich kann Schneebretter richtig gut.

Meinen ersten schneefreien Winterurlaub verbrachte ich irgendwann in den 90ern, als wir mit den Skiern auf dünnen Ski-Rinnsalen auf ansonsten grünen Hängen entlangfuhren, als uns damals langsam bewusst wurde, dass sich unsere Umwelt verändert und die Winter schon lange nicht mehr so schneereich waren, wie in den Jahren zuvor. In den 80ern baute ich im April einen Schneehasen zu Ostern, Ende der 90ern betrachtete ich grasbewachsene, ehemalige Skihänge in Österreich und 2019 verlinke ich eine Fotoserie über die verlassenen Ruinen ehemaliger Ski-Hotels in den Alpen.

Tomaso Clavarino fotografiert verrottende Wintersport-Hotels und verlassene Ski-Lifte, die in Italien dem Klimawandel zum Opfer fallen. Schlechtes Ressourcen-Management und die Erderwärmung sorgen nicht nur dort für das Ende des Massentourismus und damit für den Verfall ganzer Infrastrukturen: The New Ruins of the Melting Alps.

Photographer Tomaso Clavarino has been traveling to Italy’s Alpine glaciers to ski since he was three years old. “It’s a place I know very well,” he told me over the phone. “It’s how I knew it was changing.” About five or six years ago, he started noticing that small ski resorts were shutting down, and the big ones were getting more expensive. Artificial snow, once a last-ditch solution for an unlucky ski season, was starting to become common. And the people whom Clavarino used to see every year—whether they were tourists, or locals operating small businesses in the area—were slowly vanishing.

Seeking answers, the photographer started to speak with researchers across northern Italy. “They all said the same thing,” he said. “Climate change is affecting the Alps more harshly than other places.” While the planet as a whole has warmed about 1° Celsius because of greenhouse gas emissions, average temperatures the Alps have risen just under 2° Celsius. Since 1960—when the Alps first began to be exploited by ski-oriented tourism—the average snow season there has shortened by 38 days.

Because of this warming and other factors, there are now almost 200 abandoned ski resorts in the Italian Alps: cemeteries of steel cables, concrete, parking lots, abandoned hotels, and deforested slopes. That number stands to rise. If greenhouse gas emissions continue unchecked, the Alps will lose 90 percent of their remaining glaciers by 2100, according to a recent study published in The Cryosphere.

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[Klimalinks 6.8.2019] Wer bezahlt Anpassungen an den Klimawandel?; Klimaaktivisten besetzen Tagebau Schleenhain; Energieberatung Wood Mackenzie sieht +3°C; in der Arktis brechen Eisplatten von Grönland ab

The El Paso Shooter Embraced Eco-Fascism. We Can’t Let the Far Right Co-Opt the Environmental Struggle.: It is beholden on those of us fighting for climate justice to ensure that not an inch is given to those who would use the fact of environmental degradation as grounds for racist nationalism and, as the El Paso and Christchurch shooters encouraged, genocide. This means maintaining a vigilance against not only the most explicit eco-fascists and their “blood and soil” sentiments, but also against arguments (which have emerged, too, in some parts of the so-called left) around population control and the threat of mass migration to resources both economic and environmental.

• „soeben wurde ein bagger im tagebau vereinigtes schleenhain besetzt. wir fordern einen sofortigen kohleausstieg und eine energiewende hin zu den erneuerbaren!“

• Die Energie-Beratungsagentur Wood Mackenzie sieht unter derzeitigen Bedingungen eine Erderwärmung von +3°C: @WoodMackenzie emerged with a conservative outlook: * Current pathway more consistent with 3°C * A carbon constrained pathway leading to 2.5°C could conceivably happen * Very low confidence that 2°C achievable

• Die Klimareporter über die neuen Modelle, die für den sechsten Bericht der IPCC zum Einsatz kommen und deren Berechnungen einen schnelleren Temperatur-Anstieg anzeigen, was zur Folge hat, dass die Klimaziele (die derzeit schon nicht eingehalten werden), noch einmal massiv verschärft werden müssten: Klimakrise noch gefährlicher als bislang angenommen:

Sollte sich die höhere Klimasensitivität bestätigen, dann hätte das “wichtige Folgen für die CO2-Budgets”, schreiben drei Forscher in einem Gastbeitrag für das britische Klimaportal Carbon Brief. Der IPCC sagt derzeit, dass die Menschheit ihre Emissionen bis 2030 halbieren und bis 2050 auf netto null senken muss, damit eine Chance von 50 Prozent besteht, die Klimaüberhitzung bei 1,5 Grad zu stoppen.

Don’t ask how to pay for Climate Change. Ask who.: Interessanterweise wird genau diese Frage von der Politik verschoben, während sich Rating-Agenturen, Unternehmensberatungen und Rückversicherer genau hierüber bereits Gedanken machen. Anders gefragt: Wer bezahlt für den Umbau von Hamburg und die Umsiedelung der Bewohner deutscher Inseln? Weil make no mistake: Hamburg (und alle Küstenregionen) müssen umgebaut werden und die Inseln müssen langfristig aufgegeben werden. Wer bezahlt das? Die FDP?

Asking how to pay for the impact of climate change implies that these costs are a matter of choice. The reality is that global warming will impose massive costs, regardless of whether policymakers respond or not. Thus, the real question is not “How would you propose to pay?” but instead “Who is going to pay?” and “How much?” […]

Those currently paying for the effects of climate change are the most vulnerable—people in the developing world, the poor, the sick, the elderly, and the very young. As the world changes, more people are going to suffer the cost of heat waves, rising water, damaged or dying ecosystems, and flooded coastal cities. This will create what political science and public policy experts describe as “existential politics,” in which different groups fight to preserve their entire way of life.

Freiheit vs. Klimaschutz: Was heißt das eigentlich noch, “liberal”?: Die Klimakrise bringt diverse Sekundärkrisen mit sich. Eine davon betrifft den Liberalismus: Die Vertreter der Freiheitsliebe sind orientierungslos. Das erklärt auch das ständige Gerede über “Verbote”.

Climate Winners And Losers — In Two Maps (vgl: Die relative Geficktheit durch Klimawandel)

Taking Macron down: climate protesters strip French town halls of portraits: “The blank space left on the wall symbolises the void in government policy on the climate emergency,” the protesters said in a statement after the latest portrait seizure in Lingolsheim.

• In der Arktis brechen Eisplatten von Grönland ab: Arktisches Meereis zeigt weitere Auflösungserscheinungen und The most important event on the planet right now? Arctic Climate Chaos.:

This “detachment” of the sea ice sheet from those coastlines is unprecedented and exposes the Central Arctic sea ice to lower albedo heating with additional dark open water (running 2-8 C above normal around the Arctic Ocean where it is exposed), as well as large swells and high winds from storms as we move into August and September. In my opinion, this “detachment” phenomenon elevates the risk of major sea ice collapse and a new record low minimum for sea ice in the Arctic Basin by mid-September.

Wir sind und bleiben da: Von wegen Sommerpause: Die Schulstreik-Bewegung “Fridays for Future” fängt an, direkt in die Politik hineinzuwirken.

Climate Could Be an Electoral Time Bomb, Republican Strategists Fear: “Americans believe climate change is real, and that number goes up every single month,” Frank Luntz, a veteran Republican strategist, told a Congressional panel recently. He also circulated a memo to congressional Republicans in June warning that climate change was “a G.O.P. vulnerability and a G.O.P. opportunity.”

• Warum der Klimawandel grade für konservative Parteien eine Zeitbombe ist, zeigt auch dieser Artikel über die Infrastruktur der USA. Alle Städte weltweit müssen mit größeren Regenvorkommen klarkommen, dazu müssen weitreichende Umbaumaßnahmen vorgenommen werden, Abwasseranlagen auf- und umgebaut, Kanalisationen erweitert werden. Die Kosten sind massiv und auch hier stellt sich die Frage: Wer bezahlt das? Die CDU oder die Autolobby? Climate Change Has Made [US] Stormwater Infrastructure Obsolete: a newly published study shows just how unprepared our infrastructure across the U.S. is to handle extreme rainfall events. Many cities’ water management systems—think stormwater drains or dams—aren’t equipped to handle climate change-influenced weather shifts, according to the study published in Geophysical Research Letters.

Climate Change Becomes an Issue for Ratings Agencies:

Since about 2015, Nuzzo said, credit rating agencies, including Moody’s, Standard & Poor’s and Fitch Group, have been building their capacity to better analyze how climate change can factor into the financial stability of companies and governments around the world.

Both Moody’s and S&P have released online tools—such as Moody’s heat map or S&P’s ESG Risk Atlas—to gauge which areas and what industries face the most “exposure” to the physical impacts of climate change, as well as which are risking transitional impacts as renewable energy demand rises.

Land unter im Pazifik: In dem Video aus der Reihe »60 Minutes Australia« wird mit eindrucksvollen Bildern gezeigt, wie weite Teile der Salomon-Inseln im Lauf der letzten zwei Jahrzehnte unter den Meeresspiegel geraten sind. Interviews mit Bewohnern, die seit Generationen auf diesen Inseln leben, verdeutlichen die Hoffnungslosigkeit der Situation und die Verzweiflung der Betroffenen, die zusehen müssen, wie ihre Heimat langsam im Meer versinkt.

“Die Klimaleugner sind gut organisiert”: Wer nach Klimabegriffen auf YouTube sucht, kann ziemlich krudes Zeug finden. Der Forscher Joachim Allgaier nimmt deshalb die Wissenschaftscommunity in die Pflicht.

Die Verschwörungstheoretiker besetzen […] mittlerweile [dezidierte wissenschaftliche Begriffe], weil sie gelernt haben, dass man bei der Erwähnung von Chemtrails sofort als Verschwörungstheoretiker identifiziert wird. Es findet also eine Redefinition statt, die für die Wissenschaft sehr schädlich ist.

• Interview mit Volker Quaschning von Scientists for Future: „Wir wollen die Leute bloßstellen, die den Klimaschutz verhindern“

Brasiliens Präsident feuert Wächter des Regenwalds: Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro hat einen weiteren Kritiker entlassen: den Chef des Instituts für Weltraumforschung. Er hatte über massive Abholzung berichtet.

Europe’s record heat melted Swiss glaciers: Matthias Huss, a glaciologist with Swiss University ETH Zurich and head of GLAMOS, tweeted last week that the nation’s glaciers lost about 800 million metric tons of ice during the two heat waves alone. “Absolutely exceptional for a period of only 14 days in total!” he commented in the tweet.

• A new study released in the Proceedings of the National Academy of Sciences on Monday shows that climate change is already pushing large portions of the oceans outside their normal bounds, resulting in what the authors call “surprise” conditions that can wreak havoc on fisheries and the livelihoods associated with them.

• Slime-Seas are the new normal: Algae Bloom Fouls N.J.’s Largest Lake, Indicating Broader Crisis: Lake Hopatcong, normally buzzing with swimmers and water skiers, is filled with cyanobacteria in quantities never before recorded.

Not Even a Fire-Loving Bird Can Handle Climate Change’s Heat

Academia and Climate Change

Almost half of Europes soil is dryer than normal

• Fair enough: It’s easy to mock eco-celebs. Better to give them the benefit of the doubt: Yes, Google’s guests generated tonnes of CO 2 but at least they are raising awareness.

• Long-term cuts in coal consumption are a key part of China’s energy, environment and climate goals, but the fivefold increase in new mine approvals in the first-half of 2019 suggests China’s targets still provide ample room for shorter-term growth.

IPCC leaked report: Going vegetarian and controlling land use are key to climate crisis

Klimakrise, Atomkrise, Plastikkrise. Was tun? Sofort handeln, klar. Aber wenn es stimmt, dass klugen Taten stets kluge Gedanken vorausgehen, dann brauchen wir eine „Ethik für die technologische Zivilisation“. So lautet der Untertitel eines der wichtigsten philosophischen Werke des 20. Jahrhunderts: Das Prinzip Verantwortung von Hans Jonas, erschienen 1979. Spätestens im kriselnden Anthropozän sollte dieses fast vergessene Buch wieder auf dem Nachttisch der Menschheit liegen.

Weltklimarats-Bericht zu Landressourcen – Die Ausbeutung hat ein beispielloses Ausmaß angenommen: Ab heute diskutieren Regierungsvertreter in Genf über die Endfassung des IPCC-Sonderberichts zu Klimawandel und Landnutzung. Schon jetzt ist aber klar: Ohne eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft ist die Klimakrise nicht in den Griff zu bekommen. Eine Übersicht über die wichtigsten Aussagen.

Politik der Klimakrise: Die schlechten Prognosen sollten Vorrang haben – nur so kommen wir weiter:

„Künftige Generationen werden die Zeit, in der wir heute leben, möglicherweise als Schnittstelle eines epochalen Bewusstseinswandels ansehen – hoffentlich, könnte man sagen. Denn wenn dieser Bewusstseinswandel nicht erfolgt oder zu spät kommt, dann könnte es sein, dass es diese künftigen Generationen gar nicht mehr gibt.“ Hans Jonas warnte zeitlebens davor, dass der Mensch als gescheiterte Spezies endet, und forderte daher als erster Philosoph eine „Zukunftsethik der Fernstenliebe“.

Ging es zu Platons Zeiten noch im Mord und Totschlag im ethischen Nahbereich, ist die Menschheit mithilfe der modernen Technik erstmals in der Lage, ihre eigene Existenz über kurz (Atombombe) oder lang (Klimakrise) zu gefährden. Deshalb empfiehlt Jonas eine „Heuristik der Furcht“, die das Handeln der Menschheit fortan leiten solle: „Der schlechten Prognose den Vorrang zu geben gegenüber der guten, ist verantwortungsbewusstes Handeln im Hinblick auf zukünftige Generationen. Denn man kann ohne das höchste Gut, aber nicht mit dem höchsten Übel leben.“ […]

Die Faustische Wette der Gegenwart kennt keine Gewinner: Die Menschheit kann darauf verzichten, pro Sekunde 253 Tonnen Kohle zu verfeuern und viermal täglich ein Flugzeug zwischen den nur 150 Kilometer entfernten Städten München und Nürnberg fliegen zu lassen. Die Menschheit kann jedoch nicht auf einem Planeten leben, der zunehmend einem Müllberg in einem Treibhaus gleicht. Das höchste Übel nivelliert stets das vermeintlich höchste Gut. Und die Furcht vor dem größten anzunehmenden Übel soll unser ethischer Kompass sein.

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Über den Ausruf eines ordentlichen Klima-Generalstreiks am 20. September

6. August 2019 10:19 | #Klimawandel #Politik #Recht #Wirtschaft

Fridays for Future rufen am 20. September zum General-Klimastreik (FB-Event) auf. Verdi-Chef Bsirske springt ihnen bei, meint aber, ein Aufruf zu einem ordentlichen Streik wäre nicht möglich. Warum eigentlich?

Historiker Uwe Fuhrmann in einem lesenswerten Twitter-Thread mit ein paar Anmerkungen dazu:

Darf der DGB zum Klimastreik aufrufen?

Am 20. September 2019 soll ein globaler Klimastreik stattfinden. Was würde passieren, wenn dazu der DGB und seine Gewerkschaften zur Arbeitsniederlegung aufrufen würden?

Einige Überlegungen (thread): Durch die Rechtsprechung seit den 1950ern sind Streiks, die andere als tarifvertragliche Ziele haben, stark eingeschränkt. Daher die verbreitete Einschätzung „politische Streiks“ seien verboten. Doch juristische Argumentation führt hinsichtlich eines Generalstreiks nicht weiter.
Ein politischer Generalstreik ist vom Charakter her rechtsetzend; er ist potentiell die einzige Gewalt im bürgerlichen Zeitalter, die neben dem Staat aus sich selbst heraus legitim ist (dazu: Walter Benjamin, Kritik der Gewalt).

Im November 1918 wurde per Generalstreik der Weltkrieg beendet, im März 1920 die Weimarer Republik vor einem rechten Putsch gerettet und im Herbst 1948 die „freie Marktwirtschaft“ verhindert. Legal? Illegal? War nie von Bedeutung.
Insbesondere der Streik am 12. Nov. 1948 kann als Anschauung dienen, denn es waren bereits ähnliche Akteure wie heute, der DGB und das spätere Spitzenpersonal der BRD. Hinzu kamen die Besatzungsmächte.

Zwar musste die DGB-Spitze 1948 zum Jagen getragen werden, doch spätestens am 2. November 1948 war klar, dass es einen Generalstreik geben würde. Sämtliche Entscheidungsträger gingen nach diesem klaren Beschluss auf die Gewerkschaften zu (!). Die Besatzungsmächte äußerten keine Einwände; Ludwig Erhard & Co erklärten Übereinstimmung mit vielen gewerkschaftlichen Zielen (und lehnten andere ab). Was hätten sie sonst tun sollen? Bei 4,5 Mio. DGB-Mitgliedern streikten 9 von 12 Mio. Erwerbstätigen.

Meinung: Sollte der DGB sich entschlossen (!) entschließen, am 20. September 2019 ein dringend benötigtes Zeichen zu setzen, wird ihm juristisch rein gar nichts passieren. Die entscheidende Frage ist vielmehr: Will er?

Ich hatte im März bereits über ein fehlendes Streikrecht für Schüler nachgedacht und kam zu dem Schluss, dass ein Streikrecht für Schüler aufgrund des Bruchs des Generationenvertrags gegeben ist und eingefordert werden kann. Ähnlich dürfte es sich mit einem politischen Klima-Generalstreik verhalten: Der Klimawandel bedroht (auch) Beschäftigungsverhältnisse existenziell und bisherige Maßnahmen und Verhaltensweisen aus Politik und Wirtschaft sind keinesfalls ausreichend, um diese existenzielle Gefährdung zu beseitigen. Daher sehe ich keinen Grund für Bsirskes vorauseilenden Gehorsam, der einen Aufruf zu einem ordentlichen Streik ablehnt. Der DGB könnte unter diesen juristischen Bedingungen als Dachverband durchaus zu einem ordentlichen politischen Generalstreik angesichts der Klimakrise aufrufen. Wie Uwe Fuhrmann muss man fragen: Will er?

Hilfreich bei diesen Fragen ist auch Jörg Nowaks Text bei der Bundeszentrale für politische Bildung über das angebliche Verbot politischer Streiks in Deutschland:

Obwohl politische Streiks nach dem Urteil von 1952 überwiegend als illegitim betrachtet werden, gab es zahlreiche politische Streiks in der Bundesrepublik. 1968 streikten viele Betriebe gegen die Notstandsgesetze, obwohl die Führung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) dies unterbinden wollte. Gegen das Misstrauensvotum gegen Willy Brandt streikten 1972 etwa 100.000 Beamte, Angestellte und Arbeiter/-innen. Auch gegen den 1996 von der Regierung Kohl verfolgten Plan, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu kürzen, gab es zahlreiche Streikaktionen, die schließlich das Gesetz zu Fall brachten. So besetzten unter anderem 7000 Bauarbeiter die Baustelle am Potsdamer Platz. Die IG Metall rief im Jahr 2007 wiederum zu ,Protesten während der Arbeitszeit’ gegen die Rente mit 67 auf, daran beteiligten sich 300.000 Beschäftigte. In der DDR wurden Streiks generell unterdrückt, womit die wenigen Streiktätigkeiten in der 40-jährigen Geschichte der DDR grundsätzlich politischen Charakter hatten.

Die Beispiele zeigen, dass das Verbot von politischen Streiks in Deutschland weder juristisch auf sicheren Füßen steht, noch de facto eingehalten wird. Je nach politischer Situation finden trotz entgegengesetzter juristischer Lehrmeinung auch in Deutschland politische Streiks statt, die nicht bestraft werden. Bei den Streiks beamteter Lehrer dagegen haben einige Landesregierungen (zum Beispiel Hessen und NRW) in den letzten Jahren gezeigt, dass sie in bestimmten Fällen auch nicht vor juristischer Verfolgung von Streikenden zurückschrecken. Jedoch könnte das Streikverbot für die beamteten Lehrer in den nächsten Jahren fallen, da es möglicherweise gegen das Gebot der Gleichbehandlung (in dem Fall mit angestellten Lehrern) verstößt.

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Superreiche reisen mit 114 Privatjets und Superyachten zu Googles Klimakonferenz

3. August 2019 12:55 | #Klimawandel

Das diesjährige Google Camp in Sizilien hat sich dem Klimawandel als Thema verschrieben. An drei Tagen trifft sich dort jede Menge Prominenz aus Entertainment, Wirtschaft und Politik zu Schnittchen mit Lauch und erzählen sich, wie schlimm die Lage ist und das man doch etwas tun müsste. Nach Sizilien flogen sie mit 114 Privatjets und einer ganzen Menge total umweltverträglicher Superyachten und in der ersten Nacht gab es ein Privatkonzert vom Coldplay-Chris vor dem Tal der Tempel in Agrigento. Bild oben: „Restaurateur Janet Zuccarini and singer Katy Perry en route to David Geffen’s Rising Sun yacht“.

Immerhin sind die superreichen Wannabe-Aktivisten und corporate Greenwashers dabei nicht ganz so klimaschädlich wie die Kollegen aus Davos, wo sich die Elite vor einem halben Jahr mit 1500 Privatjets zum Klimatalk traf. Dann doch lieber Greta und ihr Trip auf einem Racing-Segelboot.

Unter anderem eingeladen zum Klima-Luxustalk sind Obama, Katy Perry, Orlando Bloom, George Lucas, Harry Styles, Tom Cruise, Mark Zuckerberg, David Geffen und Jeff Katzenberg, Fashion-Designerin Diane Von Fürstenberg, Pharrell, Rihanna und Andrea Bocelli.

Forbes: Billionaire Summer Camp: The Rich And Famous Flock To Sicily For The 7th Annual Google Retreat

Eco Watch: Google Camp on Climate Crisis Attended by Rich and Famous in Private Jets, Mega Yachts

The highly secretive event at the Verdura Resort near a UNESCO World Heritage ruins prevents attendees from posting on social media while in attendance. On the first night, Chris Martin of Coldplay performed a private concert for attendees with the Valley of the Temples ruins in nearby Agrigento as a backdrop. The Verdura Resort is a short distance from the airport in Palermo, though many guests arrive via private helicopter or on private yachts, according to Forbes.

In fact, the Palermo airport had made preparations for the expected arrival of 114 private jets, according to Giornale Di Sicilia. The influx of private jets, private yachts, helicopters, sports cars and limousines seems in stark contrast to the theme of the conference.

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[Klimalinks 2.8.2019] Volker Quaschnings INSM-Faktencheck; #FridaysForFuture in Russland; Pro/Con Green Growth

Climate change made Europe’s 2019 record heatwave up to ‘100 times more likely’: The run of unprecedented temperatures in July – which sent records tumbling in the UK, the Netherlands, Belgium and Germany – would have been “extremely unlikely” without climate change, according to a new quick-fire analysis. The hot weather seen in the Netherlands and France was made up to “100 times more likely” by climate change, the study finds.

Wie die Franken ihren Wald auf die Klimakrise vorbereiten: In einem Großprojekt helfen Förster, Naturschützer und Waldbauern zusammen, um den Frankenwald zu retten.

Die Klima-Aussagen der INSM im Faktencheck: Die industrienahe Lobbyorganisation „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ hat im Rahmen einer Kampagne „12 Fakten zum Klimaschutz“ veröffentlicht. Energieexperte Volker Quaschning unterzieht alle Punkte einem Faktencheck.

Fridays for Future in Russland – Die Einsamkeit des Klimakämpfers: Klimaschützer haben es in Russland schwer. Viele halten die Erderwärmung für eine US-Erfindung. Trotzdem gibt’s auch hier Fridays for Future.

Fridays-for-Future-Kongress in Dortmund – Zukunftsfähig für die Zukunft: Seit acht Monaten streiken die SchülerInnen für mehr Klimaschutz. In den Ferien debattieren jetzt 1.400 Aktive, wie es weitergehen soll.

Grafiker [Erik Spiekermann] über das Design von Fridays for Future: „Ich finde es wunderbar“: Wenn diese „Naivität“ erhalten bleibe, so Spiekermann, habe die Klimabewegung eine Zukunft.

The psychology of climate science denial – Science Weekly podcast

• European Environmental Bureau: Decoupling debunked – Evidence and arguments against green growth as a sole strategy for sustainability. I’m not entirely convinced of degrowth and I don’t see, why green growth shouldn’t be possible, given that the calculations of worth itself may change in the face of this global crisis. We’re seeing first signs of this with rating-agencys and insurance companies taking damages by climate change into account, so why environmental pressure shouldn’t be part of the GDP-calculation is beyond me. In other words: Producing in a climate-friendly manner has value, which is not (yet) reflected in balance sheets. Taking these numbers into account could lead to a new green growth, even today.

• Because then this wouldn’t count as economic growth: India expects coal-fired power capacity to grow 22% in three years: India saw its annual coal demand rise 9.1% to nearly 1 billion tonnes in the year ended March 2019.

Heatwaves amplify near-record levels of ice melt in northern hemisphere: Greenland’s ice sheet shrunk more in past month than in average year, experts warn.

Verlustgeschäft Braunkohle – Kritik an Entschädigungen: „Abgeschriebene Kraftwerke dürfen nicht mit dem Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler noch dafür belohnt werden, dass ihre veraltete und klimaverdreckende Technologie endlich unrentabel ist.“

CO2-Preis: „Die Leistungsfähigkeit des Emissionshandels wird kaum infrage gestellt“ beklagt Ex-DLR-Forscher Joachim Nitsch angesichts der im Juli vorgelegten Regierungsgutachten zur CO2-Bepreisung – und warnt davor, mit deren Einführung alle anderen Förderinstrumente für saubere Energietechnologien abzuschaffen.

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Der Juli 2019 war der heißeste Monat aller Zeiten 🌞

1. August 2019 22:56 | #Klimawandel #Umwelt

Nach dem heißesten Juni ist auch der Juli 2019 der heißeste Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und nicht nur das: Der Juli ist auch gleichzeitig der heisseste Monat aller Zeiten. Der bisherige Rekordhalter Juli 2016 wurde zusätzlich vom Wetterphänomen El Niño beeinflusst, der Juli 2019 war einfach nur so sauheiss, ganz ohne Schnickschnack.

Gleichzeitig wird 2019 das zweit- oder drittwärmste Jahr werden, was das Jahrfünft von 2015 bis 2019 zu den heissesten fünf Jahren seit Beginn der Aufzeichnungen macht.

WMO: July equalled, and maybe surpassed, the hottest month in recorded history

According to the new data from the World Meteorological Organization and Copernicus Climate Change Programme, July at least equalled, if not surpassed, the hottest month in recorded history. This follows the warmest ever June on record.

The data from the Copernicus Climate Change Programme, run by the European Centre for Medium-Range Weather Forecasts, is fed into the UN system by WMO. The figures show that, based on the first 29 days of the month, July 2019 will be on par with, and possibly marginally warmer than the previous warmest July, in 2016, which was also the warmest month ever.

The latest figures are particularly significant because July 2016 was during one of the strongest occurrence of the El Niño phenomenon, which contributes to heightened global temperatures. Unlike 2016, 2019 has not been marked by a strong El Niño.

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Desaster-Tourismus an Orte, die durch den Klimawandel verschwinden werden

1. August 2019 13:01 | #Klimawandel #Wirtschaft

Die Reisebude Stride-Travel bietet Reisen an Orte, die durch ansteigende Meeresspiegel und wärmere Temperaturen verschwinden werden. Klima-Tourismus, von anderen auch als „Extinction Tourismus“ bezeichnet. Immerhin wollen sie 10% ihrer Einnahmen aus diesen Reisen an lokale Einrichtungen spenden. Capitalism markets in everything.

„Rising sea levels and temperatures are having devastating effects on some of the world’s most unique and beautiful destinations. Climate change impacts not only our planets landscape but local economies as well. Visit now before they’re gone!“

Vice: Climate Change Tourism is Cashing In On Environmental Devastation

San Francisco-based travel site Stride’s “Places Disappearing Due to Climate Change” campaign, unveiled Wednesday, encourages visitors to book tours to 10 destinations it’s marketing as under siege from climate change. The idea, according to Stride CEO Gavin Delany, is to make climate change “feel more real and more time-sensitive.”

But critics and others in the travel industry have called this kind of approach opportunistic, and potentially misleading or “greenwashing”—disinformation painting something as environmentally responsible. Aside from the cynical optics of cashing in on environmental devastation, this type of marketing seems especially hypocritical considering the impact the travel industry has on greenhouse gas emissions—tourism accounts for 8 percent of the global total.

Hier ein paar beliebte Reiseziele:

Top Places Disappearing Due to Climate Change Experiences
– Sailing through icebergs in a zodiac in Antarctica and viewing penguins on the shore
– Learning about the enigmatic moai statues on Easter Island from an expert guide
– Hiking among ice blue glaciers in Patagonia
– Dog-sledding in Greenland with a local guide
– Snorkeling in the Great Barrier Reef among the bright colors of thousands of fish and coral. Learning about how climate change is affecting

Erinnert mich daran, wie vor ein paar Jahren die Kreuzfahrten in die Arktis losgingen.

Quartz: Climate change is luring cruise ships to sail risky Arctic passages

In the past few years, the Arctic has been put in focus as a new and expanding tourism destination, due to easier accessibility allowed by warmer temperatures and an increased demand for so-called “last chance” tourism, or also “extinction tourism”, which affects also other vulnerable destinations threatened by climate change impacts, such as the Great Barrier Reef. In some Arctic areas, tourism (especially cruise tourism) is one of the fastest growing economic sectors.

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[Klimalinks 1.8.2019] 10% der Subventionen fossiler Brennstoffe könnte Energiewende finanzieren; Kapitalismus als Teil der Klimarettung; Wirtschaft unterschätzt technologischen Wandel

1. August 2019 12:45 | #Klimawandel #Politik #Umwelt #Wirtschaft

Capitalism is part of solution to climate crisis, says Mark Carney – Bank of England governor says firms that ignore crisis ‘will go bankrupt without question’.

Ich stimme dem Mann sogar zu, alter kapitalistisch geprägter Sozialmarktwirtschaftler der ich bin. Wenn er mir erklären kann, wie der Kapitalismus die Umsiedlung von Bürgern in Küstenregionen bezahlt, die Schäden durch klimawandel-verursachte Unwetter in armen Ländern ersetzt, die ursprünglich nichts zur Klimakrise beigetragen haben und möglicherweise sogar Reparationszahlungen an diese Länder leistet, höre ich ihm gerne zu. Möglicherweise brauchen wir eine neue Definition einer „transnationalen Schadwirkung“ durch unvorhergesehene Folgen der Entwicklung in Zweitländern, die Verantwortlichkeiten regelt, äquivalent zur „Kriegshandlung“. Wenn in England also die Industrialisierung einsetzt, diese in westlichen Ländern an Fahrt aufnimmt und langfristige Schäden in unbeteiligten Staaten hinterlässt, sollte man über eine Definition im internationalen Recht Verantwortlichkeiten regeln können.

Von einer solchen internationalen Regulation sind wir noch weit entfernt und wir reden von den Kosten des Klimawandels bislang als reine Versicherungsleistungen, Flurschäden und Zerstörung von Infrastruktur, es geht aber um massive Um- und Aufbauarbeiten, Kosten von Forschung, Entwicklung und (Aus)bildung, soziale Verwerfungen durch Umsiedelungen und grenzüberschreitende Schadensersatzzahlungen durch die Verursacher. Solche Zahlen dürften auch in den neueren Berichten von Unternehmensberatungen und Rückversicherern nicht auftauchen, aber sie sind in einer realen Bilanz eines globalisierten Kapitalismus mehr als relevant.

Wir stehen vor einem riesigen Transformationsprozess, der meines Erachtens vom kapitalistischen System geleistet werden kann, dies allerdings nicht in seiner derzeitigen neoliberalen, unregulierten Ausprägung.

“Capitalism is part of the solution and part of what we need to do,” he said in the interview broadcast on Wednesday. The economist, who previously worked for Goldman Sachs, said he recognised the costs of ignoring climate change were rising, but stressed there were increasing opportunities for “doing something about it”, and that capital would shift in this direction.

“Now there is $120tn of capital behind that framework that is saying to companies: ‘Tell us how you are going to manage these risks’ – that’s the first thing,” Carney said. “The second thing the capitalist system needs to do is to manage the risks around climate change, be ready for the different speeds of the adjustment. And then the most important thing is to move capital from where it is today to where it needs to be tomorrow. The system is very much part of the solution.”

He added: “Companies that don’t adapt – including companies in the financial system – will go bankrupt without question. [But] there will be great fortunes made along this path aligned with what society wants.”

Sucking carbon out of the air is no magic fix for the climate emergency: Negative emissions tech is important, but the idea it could replace decarbonisation is pure fantasy. Business as usual is not an option. (Vorher: CO2-Sucker verbrauchen Hälfte des globalen Energiebedarf)

Hunderte Millionen Verlust – Braunkohle-Kraftwerke tief in den roten Zahlen: Demnach haben die Braunkohlekraftwerke im ersten Halbjahr 2019 einen Verlust von über 650 Millionen Euro verbuchen müssen, wenn ihre festen, laufenden Kosten berücksichtigt werden und man von den aktuellen Handelspreisen ausgeht. Alte wie neue Kraftwerke lagen dabei im Minus. Sandbag schreibt von einem „Kollaps“ der Profitabilität.

Greenland Is Melting Away Before Our Eyes: Weather models indicate Tuesday’s temperature may have surpassed 75 degrees Fahrenheit in some regions of Greenland, and a weather balloon launched near the capital Nuuk measured all-time record warmth just above the surface. That heat wave is still intensifying, and is expected to peak on Thursday with the biggest single-day melt ever recorded in Greenland. On August 1 alone, more than 12 billion tons of water will permanently melt away from the ice sheet and find its way down to the ocean, irreversibly raising sea levels globally.

Probleme durch Klimawandel – Ein Krisengipfel für den Wald: Deutschland droht laut Experten ein Waldsterben “ungeahnten Ausmaßes”. Agrarministerin Klöckner sucht in Moritzburg mit CDU-Fachministern nach Lösungen.

Schäden durch Dürre, Brände und Käfer – Der deutsche Wald schrumpft: Seit vergangenem Jahr wurden 110.000 Hektar Wald in Deutschland zerstört. Forstleute schlagen Alarm und fordern einen nationalen Krisengipfel.

• 10% der internationalen Subventionen fossiler Brennstoffe könnte die globale Energiewende finanzieren: Just 10% of fossil fuel subsidy cash ‘could pay for green transition’:

Coal, oil and gas get more than $370bn (£305bn) a year in support, compared with just $100bn for renewables, the International Institute for Sustainable Development (IISD) report found. Just 10-30% of the fossil fuel subsidies would pay for a global transition to clean energy, the IISD said. […]

The new analysis shows how redirecting some of the fossil fuel subsidies could decisively tip the balance in favour of green energy, making it the cheapest electricity available and instigating a rapid global rollout.

Mehrheit wünscht sich Klimaschutz im Grundgesetz: Subventionen fürs Fliegen streichen, die Bahn attraktiver machen, Klimaschutz in die Verfassung – all das unterstützt eine Mehrheit der Deutschen. Je nach Parteipräferenz ergeben sich aber klare Unterschiede.

Climate change is “absolutely” already causing deaths, according to a new report on the health impacts of the climate crisis, which also predicts climate-related stunting, malnutrition and lower IQ in children within the coming decades.

Trump blockiert die Arbeit seiner eigenen Geheimdienste zur Gefahrenevaluierung: A former senior government analyst has accused the Trump administration of “undercutting evidence” of the threat to national security from the climate crisis after his report on the issue was blocked by the White House.

Wirtschaft unterschätzt technologischen Wandel: Die Industrie muss ihre Emissionen schneller senken, sonst werden die Klimaziele für 2030 verfehlt, warnt die Landesbank Baden-Württemberg. Das Bankhaus fürchtet, dass die Industrie die Risiken von abrupten Technologiewechseln unterschätzt, und fordert die Unternehmen zu mehr Investitionen auf.

Pacific Islands Declare ‘Climate Crisis’ That Calls for the End of Fossil Fuels

‘Climate Grief’: Fears about the planet’s future weigh on Americans’ mental health

Hydrogen could help decarbonise the global economy: Scientists tout potential ‘clean’ replacement for fossil fuels as companies develop new projects

Explainer: How much did climate change ‘cost’ in the 20th century?

This Coalnado Is About as 2019 as It Gets

Podcasts

HR2 Der Tag: Wenn Buchen fluchen – Ist der Wald noch zu retten? (MP3): Trockenheit, Borkenkäfer, Stürme – das sind die Herausforderungen für den Wald in diesem Jahr. Selbst die Buche fällt, auch Ulme, Esche und Ahorn leiden. Wer in diesen Tagen im Wald Erholung sucht, sieht Erschreckendes: Umgeknickte Bäume, tote Fichtengerippe, wild umherliegende Baumstämme. Das Waldsterben ist dramatische Realität, für unsere Luft, für unser Trinkwasser. Die Förster kommen kaum hinterher. Auch der wirtschaftliche Schaden für Waldbesitzer ist groß. Das Holz überschwemmt den Markt, der Holzpreis ist im Keller. Der BUND schlägt jetzt Alarm und appelliert an die Politik. Aufforstung, Umforstung in Naturwälder – nur so kann der Wald gerettet werden. Es muss Geld in die Hand genommen werden, nicht nur für die Landwirte. Das Waldsterben der 80er Jahre ist Geschichte, die Geschichte wiederholt sich. Was hat damals geholfen, was rettet heute den Wald?

SWR2 Wissen: Einmal Eiszeit und zurück – Wenn das Klima Sprünge macht (MP3): Immer wieder gab es Phasen in der Erdgeschichte, in denen das Klima kippte – als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Zu diesen Schaltern gehört auch der Golfstrom. Forscher versuchen zu verstehen, was bei diesen “Kipppunkten” genau passiert.

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Fiktionen prismatischer Etymologien als Störfaktor der Kommunikation der Klimakrise

1. August 2019 11:05 | #Klimawandel

Kluger Kommentar von Johannes Schneider in der Zeit auf die Gefahren der Gleichwertigkeit von Folk-Etymologie, hyperbolischen Fiktionen und gesicherten Fakten in Sozialen Medien im Kontext des Klimawandels: „Die Wissenschaften werden, indem sie so von der Welt erzählen (müssen) wie zuvor Mythos, Kult und Fiktion, diesen zwangsläufig ähnlich“. (Symbolbild rechts: Internet-Realitätsschreddervortex.)

Das Problem an vorhergesagten Katastrophen ist, dass die Prognose so lange fragwürdig bleibt, bis die Katastrophe eintritt. Der Restzweifel, der jeder Wissenschaft innewohnt, wenn sie in die Zukunft extrapoliert, eignet sich, um die Ergebnisse grundsätzlich infrage zu stellen. Letztlich, so könnte man sagen, handelt es sich auch bei wissenschaftlichen Prognosen somit um eine Fiktion, die sich von der realen Welt insofern abhebt, als sie sich in ihr (noch) nicht ereignet hat.

Was das für die Gegenwart bedeutet, erleben wir gerade in der Konfrontation von Klimawissenschaft (im weitesten Sinn) und den Diskursformationen der sozialen Medien, in denen jeder Autorität auf gleicher Ebene eine Scheinautorität entgegentreten kann und jedem Faktum ein wissenschaftlich klingendes Pseudofaktum. Je dringlicher Wissenschaftlerinnen vor baldigen gravierenden Konsequenzen des weltweiten CO2-Ausstoßs warnen, je surrealer die von ihnen genannten points of no return in zeitliche Nähe rücken (zuletzt war in einem BBC-News-Artikel von 18 Monaten die Rede, in denen sich die Zukunft der Menschheit entscheidet), desto umstrittener wird ihre Position. Angesichts einer immer noch lebenswerten Umwelt, angesichts gefüllter Supermarktregale in Mitteleuropa und dem bisherigen Ausbleiben transnationaler Hungerkatastrophen in ärmeren Regionen, scheint es vielen glaubwürdiger, dass die Klimaforscher eine geheime Agenda oder gar Persönlichkeitsstörungen haben, als dass ihre Alarmstufe auf ihrem Wissen basiert.

Wir erleben einen Triumph des Halbwissens: Angesichts jeder einzelnen Dürre, jedes Temperaturrekords können klimaskeptische Meteorologen durchaus mit Recht auf vorangegangene Extremereignisse verweisen, sowie auf die konkreten Formationen, die bestimmte Hoch- und Tiefdruckgebiete entstehen lassen. Dass die Beweislast für einen nie dagewesenen Wandel dennoch erdrückend ist, verschwindet fürderhin in der Detaildiskussion sowie im Zweifel an der Vergleichbarkeit verschiedener Messungen zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten des Planeten, auf denen alle großen Klimastudien und -modelle basieren. Die Folge: In einem gewaltigen zivilisatorischen Rückschritt auf der Diskursebene verweigern Twitter-Trolle ebenso wie Politikerinnen (auch grüne) die naturwissenschaftlich begründete Erkenntnis von der Notwendigkeit eines zivilisatorischen Rückschritts auf der materiellen Ebene, vom Verzicht auf oder Verbot von Flugreisen, Plastik, motorisiertem Individualverkehr. Stattdessen glaubt man an ein grünes Wachstum, das vielleicht nicht unmöglich ist, aber in Anbetracht der (sich beschleunigenden) Entwicklungen als “Rettung” heutiger westlicher Lebensbedingungen in etwa so realistisch wie eine kriegsentscheidende Wirkung der “Wunderwaffe” V2 im Jahr 1944.

Ich habe über genau diese Gefahr vor drei Jahren in meinen Vorträgen hingewiesen: Mit dem Wegbruch der Gatekeeper (oder genauer: mit der Neuverteilung der Gatekeeper-Rolle) und dem egalitären Plattformdesign, nach dem jede Äußerung gleichwertig neben anderen erscheint (Katzenvideos neben Mitteilungen der Wirtschaftsweisen etwa) und deren distributive Kraft sich alleine aufgrund ihrer Emotionalität entfaltet, gewinnt jede Fiktion einen Vorteil gegenüber den oft trockenen, nicht-emotionalen Meldungen faktischer Authentizität. Das gilt vor allem für angsterfüllten Bullshit von Rechts, aber auch für katastrophischem Hyperbole von Aktivisten. Grade letztere sind verantwortlich für einen sehr großen Teil hyperbolischer Socialmedia-Posts, weshalb Aktivismus im Netz ein grundsätzliches Problem darstellt, da er den Übertreibungs-Mechanismen des Netzes seinen eigenen aktivierenden Hyperbole hinzufügt. Das Dilemma dessen ist mir bewusst.

Medien-Inhalte existieren prinzipiell auf einem Spektrum der Realitätstreue, das von Fiktion bis Realität reicht. Im fiktiven Teil dieses Spektrum treffen wir auf Literaten, Comedians, Designer und jeden, der gerne Geschichten erzählt. Im Mittelfeld tummeln sich Aktivisten und Politiker (aber auch Verschwörungstheoretiker), deren Aussagen auf Realität beruhen, die sie aber für ihre Agenda oder Ideologie umformulieren, sie über- oder untertreiben. Im eher realitätsgebundenen Teil dieses Spektrums treffen wir auf Journalisten und schließlich auf Wissenschaftler. Das Netz wirft all diese Menschen und ihre Kommunikation in einen gigantischen Vortex und alleine die emotionale Kraft der Inhalte entscheidet über ihre Sichtbarkeit. Auf Dauer senkt die system-inhärente emotional-psychologische Filterfunktion der Sozialen Medien das Vertrauen in alle Inhalte und nichts und niemand wird mehr ernst genommen. Für Wissenschaftler, die seit Jahren vor dem Klimawandel warnen wollen und nicht gehört wurden, ist das ein Problem.

Das Internet verliert durch diese emotionsgesteuerte (memetische) Informationsverteilung, die in einer allsichtbaren, prismatischen Darstellung der Ideenwelt mündet, eine prismatische Etymologie sozusagen, eine seiner zentralen Funktionen: Die Kommunikation unter Fachleuten im Notfall (zur Erinnerung: das Internet startete als Kommunikationstool wissenschaftlicher Einrichtungen für den Fall eines Atomkriegs). Neue Gatekeeper wie Fact Checker können dem leider nur sehr wenig entgegensetzen.

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