[Klimalinks 21.9.2019] Global Climate Strike; Klimapaket der Bundesregierung: Too little, too late; Google/Amazons Klima-Pläne

21. September 2019 13:32 | #Klimawandel #Politik #Protest #Umwelt #Wirtschaft

Global Climate Strike 20.9.2019

Nachlese zum Global Climate Strike gestern, insgesamt waren alleine in Deutschland 1,4 Millionen Menschen auf den Straßen und der Protest dürfte damit locker die größte weltweite Demonstration einer Umweltbewegung ever sein.

• Tagesschau: Klimaproteste in Köln – “Die Demo platzt aus allen Nähten”, Thunberg bei Klimademo in New York: “Unser Haus brennt”, Bilder: Millionen Menschen treten weltweit in den Klimastreik, “Fridays for Future”-Kundgebung – Millionen fürs Klima: 100.000 Menschen in Berlin, 70.000 in Hamburg, 40.000 in München – so viele sind in Deutschland wohl noch nie für einen besseren Schutz des Klimas auf die Straße gegangen. Vermutlich waren es noch deutlich mehr. Die Schätzungen stammen von der Polizei, die Veranstalter zählten naturgemäß deutlich mehr Teilnehmer. […] In Deutschland sprachen die Veranstalter am Abend von insgesamt 1,4 Millionen Demonstranten.

• Guardian: Across the globe, millions join biggest climate protest ever, Global climate strike: Greta Thunberg and school students lead climate crisis protest – as it happened, The climate strike in portraits: the signs, faces and reasons, The best climate strike signs from around the globe – in pictures, This isn’t extinction, it’s extermination: the people killing nature know what they’re doing: The climate strike must be a beginning and not an end. Warming won’t be stopped by symbolism.

• Klimareporter: Habt ihr uns endlich verstanden?: Lange genug hat die Erwachsenenwelt die Kids von “Fridays for Future” beäugt und über Klimaschutz geredet – jetzt muss sie zeigen, dass sie bereit ist, die Bewegung zu unterstützen.


Klimapaket der Bundesregierung

(Bild rechts zum Vergleich: CO2-Bepreisung in der EU, via Spektrum)

Wissenschaftler zum Klimapaket der Bundesregierung: Gute Nacht: Vor 30 Jahren wären die Klima-Eckpunkte der Koalition eine Revolution gewesen. Heute sind sie ein Desaster. Experten bewerten die Einigung als “klares Politikversagen”.

Klimapaket der Bundesregierung: Das Ende der Klima-Kanzlerin: Es geht um das Überleben des Planeten – doch das Klimapaket ist ein mutloses Stück Papier. Die Physikerin und einstige Klima-Kanzlerin Merkel hat ihre letzte Chancen nicht genutzt.

Zum Klimapaket: Es ist, als gäbe es kein Morgen: Zu wenig, zu spät – das, was die Koalition als großen Wurf feiert, ist schlicht unangemessen. Es ist, als gäbe es kein Morgen. Die Zeche zahlen die nachfolgenden Generationen.

“Klimapolitischer Totalausfall”: Ein Einstiegspreis von nur zehn Euro pro Tonne CO2, eine Abstandsregelung für Windräder statt konkreter Maßnahmen zum Ausbau der Erneuerbaren: Das Klimapaket der Bundesregierung hält nicht einmal im Entferntesten, was Union und SPD zuvor versprachen.

Pillepalle 2.0: “Fünf vor zwölf” – “Schluss mit Pillepalle” – “Marshallplan fürs Klima”: Die Rhetorik aus den Regierungsparteien stimmt inzwischen. Nur leider: Das klimapolitische Reformpaket, das die Groko nun zustande gebracht hat, wird dem Anspruch nicht gerecht. Und zwar bei Weitem nicht.

Koalition schnürt Mini-Klimapaket:

Laut einem 22-seitigen Eckpunktepapier, das den Verhandlungsstand von heute Vormittag wiedergibt, will die Bundesregierung ab 2021 eine CO2-Bepreisung für die Sektoren Verkehr und Wärme einführen – als nationalen Emissionshandel. Als Einstiegspreis sind zehn Euro pro Tonne vorgesehen. Dieser Preis soll bis 2025 schrittweise auf 35 Euro steigen.

Ab 2026 soll der Emissionshandel richtig greifen. Dann wird eine maximale Emissionsmenge festgelegt, die von Jahr zu Jahr geringer wird. Allerdings wird gleichzeitig auch ein Preiskorridor bestimmt, in dem sich die Preise bewegen sollen. Als Mindestpreis sind 36 Euro vorgesehen, als Höchstpreis 60 Euro.

Ob ab 2027 Höchst- und Mindestpreise “sinnvoll und erforderlich” sind, soll im Jahr 2025 festgelegt werden.

Zur Entlastung der Bürger soll ab 2021 die EEG-Umlage um ein Viertel Cent pro Kilowattstunde sinken. Die Absenkung wird entsprechend des steigenden Zertifikatepreises schrittweise abgehoben. Dies soll aus den Bepreisungseinnahmen bezahlt werden.

Für neue Windkraftanlagen soll es einen Mindestabstand von 1.000 Metern zur Wohnbebauung geben. Dies gilt auch für das Repowering.

Von einer Erhöhung der bisherigen Ausbauziele für die Stromerzeugung aus Wind und Sonne, die in einem Entwurf von Anfang der Woche noch angekündigt waren, ist nun keine Rede mehr.


Birds Are Vanishing From North America: The number of birds in the United States and Canada has declined by 3 billion, or 29 percent, over the past half-century, scientists find.

Google signs up to $2bn wind and solar investment: Sundar Pichai said the clean energy deal will include 18 separate agreements to supply Google with electricity from wind and solar projects across the world. The search engine’s green energy portfolio will grow by 40%, giving the company access to an extra 1.6 gigawatt of clean electricity – the equivalent capacity of a million solar rooftops, the company said.

Amazon’s Sweeping Climate Plan Is Full of Gaping Holes: Bezos also announced that he intends to power Amazon’s operations with 80 percent renewable energy by 2024 and 100 percent by 2030, that the company has ordered 100,000 electric delivery vehicles from the startup carmaker Rivian, and that Amazon has donated $100 million to a new venture created by the Nature Conservancy dedicated to reforestation.

Climate capitalists have serious money in climate-friendly investments

‘Save us, save the world’: Pacific climate warriors taking the fight to the UN: As the world’s leaders gather for the United Nations General Assembly and climate summit, we speak to three Pacific leaders who have been on the frontline of the climate crisis and are taking the fight to New York.

• Ich bin kein großer Fan des Sozialismus, aber dieses Plädoyer für einen neuen Ökosozialismus enthält ein paar überzeugende Argumente: Gesellschaft ohne Wachstum: Der Berliner Politikwissenschaftler Elmar Altvater, der sich seit den sechziger Jahren mit Umweltfragen beschäftigte und bis zu seinem Tod 2018 regelmässig für die WOZ schrieb, betonte immer wieder, dass sich die industrielle Moderne ohne fossile Energieträger nie herausgebildet hätte. Altvater sprach in diesem Sinne von einer «trinitarischen Kongruenz», also von drei sich überlagernden Entwicklungen: erstens der Herausbildung einer Rationalität, die die Natur als unerschöpflichen, auszubeutenden Rohstoff betrachtet; zweitens der Durchsetzung kapitalistischer Formen, durch die die Wertmehrung zum Mass aller Dinge wird; und drittens der Verfügbarkeit fossiler Brennstoffe.

• Wissenschaftsjournalist Alex Bojanowski kritisiert auf Übermedien: Die Homogenisierung der Klima-Berichterstattung ist ein Problem. Er greift darin vor allem aktivistisch motivierten Journalismus an, den auch ich als Problem sehe, vor allem in einer digital vernetzten Medienumgebung, ihrer Aufmerksamkeitsökonomie und deren Verstärkerfunktion, die den ohnehin prinzipiell verstärkenden Aktivismus noch einmal übersteuert. Aber er setzt in seinem Text unter anderem staatliche Kriegspropaganda mit Aktivismus gleich (wat?) und es ist nun auch so, dass aktivistischer Journalismus zum Beispiel die Dokumente aufgedeckt hat, die Exxon unter Verschluss hielt und die beweisen, dass die Öl-Industrie seit den 80ern von den katastrophalen Folgen des Klimawandels wussten. Deshalb stehen sie nun vor Gericht. Ich weiß nicht, ob ein nicht-aktivistischer Journalismus dasselbe hätte leisten können und so gesehen ist eine Kritik, die vor allem den Fakt des Aktivismus anprangert, eher so mittelbrauchbar.

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[Klimalinks 19.9.2019] Schwarzer Schnee; Globaler Klimastreik morgen 20.9.; XR-Aktionstag am 7. Oktober; Supererde bindet CO2

19. September 2019 18:04 | #Klimawandel #Politik #Protest #Wirtschaft

Klimastreik während der Arbeit: Das müssen Arbeitnehmer am Freitag, 20.9. wissen, alle landesweiten Klimaprotest-Events auf einer Map.

Smoke-Filled Satellite Images Reveal the Disturbing Extent of Wildfires in Indonesia. Kachelmann erzählt auf Twitter gerne, Waldbrände wären völlig unrelated zur Hitze und Klimawandel, da Holz auch bei 50°C im Schatten noch nicht einfach in Flammen aufgehen würden, woraufhin ich bemerkte, dass die Trockenheit wohl zur Entflammbarkeit beiträgt und sich die Brände deshalb schneller und weiter ausbreiten, als ohne klimawandelbasierte ausgedehnte Hitze-Perioden. Ich bin kein Feuerwehrmann, aber mir erscheint das logisch.

[Extinction Rebellion] plant ab dem 7. Oktober eine internationale Rebellion in mehreren Großstädten. Neben Berlin stehen auch Amsterdam, London, Paris und New York im Zentrum des friedlichen Aufstandes, so heißt es. Das Ziel: Den Alltag in diesen Städten so lange wie möglich zu stören. In Berlin sollen dezentrale Blockadeaktionen durchgeführt sowie ein großes Aktionscamp vor dem Kanzleramt aufgebaut werden. Dort möchte Extinction Rebellion zeigen, wie Politik neu gelebt und die Gesellschaft gestaltet werden könnte. Die Bewegung fordert die Regierung auf, eine Bürger*innenversammlung für Klimafragen einzuberufen. Darin sollen zufällig ausgewählte Bürger*innen gemeinsam mit Expert*innen beraten und die notwendigen Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise beschließen.

Supererde bindet CO2 – Ein altes Verfahren aus dem Amazonas elektrisiert die Klimaschützer: In Brandenburg und Berlin gewinnt eine Technik aus Südamerika Fans: Mit Terra Preta entsteht ein Boden, der extrem fruchtbar ist und Treibhausgase bindet.

Toxic black snow covers Siberian coalmining region, Russian Authorities Cover Snow in White Paint to Hide Signs of Pollution und Residents of a Siberian Town With Black Snow Are Pleading for Asylum in Canada

Klimaschutz per Gerichtsurteil – KlimaSocial schildert acht aktuelle Verfahren: Menschenrechtsaktivisten, Umweltschützer und Rechtsanwälte ziehen vor die Gerichte, um Klimaschutz zu erstreiten. In Musterklagen testen sie derzeit verschiedene Strategien, um Verursacher zur Verantwortung zu ziehen und die Politik zur Kursänderung zu zwingen.

• Guter Artikel von Bill McKibben über Druck auf die Politik durch die Finanzsysteme: Money Is the Oxygen on Which the Fire of Global Warming Burns – What if the banking, asset-management, and insurance industries moved away from fossil fuels?

Wall Street, Buckley said, “can be very deaf to warnings for years, but the financial-market lemmings will suddenly act in unison” once the biggest players send a signal. Everyone knows that the fossil-fuel era will come to an end sooner or later; a giant bank pulling back would send an unmistakable signal that it will be sooner. The biggest oil companies might still be able to self-finance their continuing operations, but “the pure-play frackers will find finance impossible,” Buckley said. “Coal-dependent rail carriers and port owners and coal-mine contracting firms will all be hit.”

Done badly, this halt could wreak chaos: the governor of the Bank of England, Mark Carney, warned four years ago that the “stranded assets”—the coal, gas, and oil that need to be left underground—amount to a twenty-trillion-dollar “carbon bubble” that far exceeds the housing bubble that sparked the 2008 financial conflagration. Carney has been diligently trying to deflate the bubble ever since, in hopes of avoiding another crisis. That’s why it might make sense for Chase and the others to first announce that they were ending loans for the expansion of the fossil-fuel industry, while continuing to extend credit for ongoing operations. “If Chase does what we’re asking for and other banks follow,” Alison Kirsch said, “the impacts of that social signal would be significant immediately, while the economic impacts from transitioning off of fossil fuels would happen over time.”

And it must be said that, even if bursting this bubble did short-term damage to the economy, that damage would pale next to the kind of wreckage forecast for the planet if the fossil-fuel industry continues on its current path for another decade. Even in economic terms, twenty trillion dollars is paltry compared with the sums that experts now think unabated global warming would consume. At the moment, the planet is on track to warm more than three degrees Celsius by century’s end, which one recent study found would do five hundred and fifty-one trillion dollars in damage. That’s more money than currently exists on the planet.

Schneeschmelze lässt Eisplatten wachsen: Weil Schnee schmilzt, breiten sich in Grönland gigantische Eisplatten aus. Durch den paradoxen Effekt wird Grönland wohl mehr zum Meeresspiegelanstieg beitragen als gedacht.

Die Union will einen Klimaschutz, der möglichst keinem weh tut. Verantwortungsvolles Regieren erfordert jedoch, dass man sich traut, den Wählern auch mal etwas zuzumuten. […] Die Mutlosigkeit, die die Union bisher in der Klimadebatte an den Tag legt, ist schockierend.

• Stefan Rahmstorf über den Stand der Forschung: Es sieht zwar nicht so aus, aber wir können die Klimakrise noch abwenden: Die Ziele des Pariser Abkommens seien illusorisch, der Untergang der Menschheit nicht mehr zu vermeiden, liest man immer öfter. Defätismus macht sich breit – zu Recht? Ein Blick auf die Fakten.

• George Monbiot and Greta Thunberg: We are ignoring natural climate solutions

• Interview mit George Monbiot vom Guardian: “Nur noch 60 Ernten”: Der drohende Umweltkollaps und die Verwüstungen der industriellen Landwirtschaft.

• Mir passt der Cult of Personality ja nicht, aber gut, es ist Klima-Streikwoche (ich melde das mal als Neologismus an, wir dürften öfter davon hören): David Foster-Wells im NYMag: It’s Greta’s World But it’s still burning. The extraordinary rise of a 16-year-old, and her Hail Mary climate movement: „She was the Joan of Arc of climate change, commanding a global army of teenage activists numbering in the millions and waging a rhetorical war against her elders through the unapologetic use of generational shame.“

Greta Thunberg, on Tour in America, Offers an Unvarnished View

Greta Thunberg: Teen climate activist tells Congress to “listen to the scientists”

Forscher halten einen Temperaturanstieg von bis zu 7 Grad für möglich

Climate Change is Already Killing Americans and Costing Billions in Medical Bills, Report Finds: a new report out this week highlights the stark costs people are already paying in the U.S. In 2012 alone, it found 10 major climate-related events likely led to nearly 1,000 extra deaths, almost 21,000 hospitalizations, and an added $10 billion in healthcare costs.

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[Klimalinks 16.9.2019] Blutiger Klimaprotest bei den Cruise Days; Nachlese zur IAA-Blockade; Naomi Klein über Plastikstrohhälme;

16. September 2019 16:01 | #Klimawandel #Politik #Protest #Umwelt #Wirtschaft

Gemeinsam gegen den Golem: Zum ersten Mal hat die Menschheit einen gemeinsamen Feind. Und wir alle tragen eine Mitschuld, dass die Klimakrise bisher nicht entschlossen bekämpft wurde. Diese Woche wird weltweit zeigen, dass sich das nun ändert.

➔ Links zur Blockade der IAA in Frankfurt. „Die Messe ist gesungen. Eine IAA in dieser Form wird es sicher nicht mehr geben. Die Zeiten, in denen VW, Daimler, BMW und Co. sich und ihre zerstörerischen Blechkisten ungestört feiern, sind vorbei.“

Zeit: Protest gegen IAA: Ein Kulturkampf ums Auto.
TAZ: Proteste bei der Automobilmesse IAA: Die Zeit zum Zurücklehnen ist vorbei
TAZ: Fridays for Future in Berlin: Ruhe vor dem Sturm
nd: »Ihr könnt auch Fahrrad fahren«: Das Aktionsbündnis »Sand im Getriebe« hat am Sonntag Teile der Automesse IAA lahmgelegt. Messebesucher reagierten mit Unverständnis.
Telepolis: IAA: Götterdämmerung einer Leitindustrie
Protestfotografie Frankfurt: 15.09.2019 – Sand im Getriebe IAA-Blockade

“Blutiger” Klimaprotest bei den Cruise Days: Klimaaktivisten haben am Sonnabend im Hamburger Hafen gegen die Cruise Days protestiert. Mitten durch die Zuschauer zog ein schwarz gekleideter Trauerzug. Vorneweg marschierten Musiker mit Trommeln, Streichern und Bläsern. Dahinter trugen Aktivisten einen kleinen weißen Sarg und mehrere Banner mit Aufschriften wie “Klimanotstand jetzt!”. Dahinter folgten mehr als 100 Menschen über die Promenade.

➔ Urbanshit: Kreativer Kunstblutprotest zu den Hamburger Cruise Days gegen tödlichen Feinstaub

➔ Emily Atkin, who has an excellent newsletter on climate at Heated.world, on the future of conflict in a world of changing climate: The Blood-Dimmed Tide. From her newsletter:

Here’s a brief summary of the two-section piece.

Section 1: An imagined worst-case scenario future. In this future, it’s the year 2100, and the world’s major powers continued to resist climate action until about the year 2035. Nationalist ideologues like Donald Trump and Jair Bolsonaro also continued to gain power across the world. Combined, these circumstances caused the atmosphere to warm by 4 degrees Celsius, and various terrifying conflicts have broken out across the globe: things like mass migrations, famines, and resource-wars.

Section 2: How did we get here, and how do we prevent this future? Bill McKibben and former EPA regional administrator Judith Enck help me reflect on the past—how we allowed ourselves to get to a place where this terrifying scenario of constant war and conflict is a real possibility. Then, Francesco Femia, co-founder of the Center for Climate and Security, weighs in on how we might prevent this future, and prioritize the climate crisis as a threat multiplier it truly is.

➔ Trump hat mit bemerkenswert reaktionärem Trolling rund eine Million Dollar mit Plastikstrohhalmen gemacht. Rechtsdenker sind völlig natürlich begeistert von soviel Realitätsverweigerung und Naomi Klein erklärt, warum dieser Plastikstrohhalm ein perfektes Symbol für das Ende der neoliberalen Wachstumsideologie darstellt:

Auszug aus Naomi Kleins neuem Buch zur Klimakrise On Fire – The burning case for a green new deal: ‘We have a once-in-century chance’: Naomi Klein on how we can fight the climate crisis, hier ein Interview.

The idea behind the Green New Deal is a simple one: in the process of transforming the infrastructure of our societies at the speed and scale that scientists have called for, humanity has a once-in-a-century chance to fix an economic model that is failing the majority of people on multiple fronts. Because the factors that are destroying our planet are also destroying people’s lives in many other ways, from wage stagnation to gaping inequalities to crumbling services to surging white supremacy to the collapse of our information ecology. Challenging underlying forces is an opportunity to solve several interlocking crises at once.

In tackling the climate crisis, we can create hundreds of millions of goods jobs around the world, invest in the most systematically excluded communities and nations, guarantee healthcare and childcare, and much more. The result of these transformations would be economies built both to protect and to regenerate the planet’s life support systems and to respect and sustain the people who depend on them.

Klimawandel und Wirtschaftswachstum: Für eine Wirtschaft ohne Wachstum gibt es kein Modell. […] Bisher hat niemand systematisch erforscht, wie der Übergang in eine Postwachstumsgesellschaft aus­sehen könnte, die Krisen vermeidet und ein Einkommen für alle garantiert. Es wäre eine Aufgabe für die Volkswirte, die das Thema jedoch bisher ignorieren.

spOnline über eine Rede von Marine LePen, die in Frankreich eine neue umweltpolitische Gangart der Neuen Rechten vorgibt. Die Rechte passt sich den neuen Bedingungen der Klimakrise derzeit an und die Klimaleugner der AFD werden dem folgen. Das inhärente ökologische Paradox des rechten Denkens, die Unvereinbarkeit von Nationalismus und global wirksamen ökologischen Systemen, dürfte diese Leute dabei nicht weiter belasten.

Neuer Bericht der Food and Land Use Coalition über die globalen Agrar-Subventionen. Regierungen subventionieren die globale Agrarwirtschaft mit rund 1 Million Dollar pro Minute oder 1 Billion Dollar jährlich. Diese Subventionen werden bislang nicht als Lenk-Instrument für Umweltpolitik benutzt und es gibt auch keine Metriken zur Umwelt- oder Klimaverträglichkeit dieser Subventionen, was sich schon sehr bald ändern dürfte. Laut Bericht beziffern sich die versteckten Kosten, die aus der so subventionierten Agrarwirtschaft aufgrund umweltschädlicher Praxis an Gesundheit und Natur entstehen auf 12 Billionen Dollar pro Jahr.

‘Americans are waking up’: two thirds say climate crisis must be addressed: More than a quarter of Americans questioned in the new CBS News poll consider climate change a “crisis”, with a further 36% defining it as a “serious problem”. Two in 10 respondents said it was a minor problem, with just 16% considering it not worrisome at all. More than half of polled Americans said they wanted the climate crisis to be confronted right away, with smaller groups happy to wait a few more years and just 18% rejecting any need to act.

Warnung vor Wasserknappheit in Deutschland: Trockenheit und Dürre schlagen auch auf den Grundwasserstand durch. Eine Umweltexpertin warnt: In Zukunft könne es in einigen Regionen Deutschlands Verteilungskämpfe ums Wasser geben, etwa zwischen Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung.

Vom heiligen Blechle zum Hassobjekt? Die Kritik am Individualverkehr muss mit einer gesellschaftskritischen Perspektive verknüpft werden, sonst könnte sie Motor für Modelle von Uber und Co werden

The world has a third pole – and it’s melting quickly

Mingyong is one of the world’s fastest shrinking glaciers, but locals cannot believe it will die because their own existence is intertwined with it. Yet its disappearance is almost inevitable.

Khawa Karpo lies at the world’s “third pole”. This is how glaciologists refer to the Tibetan plateau, home to the vast Hindu Kush-Himalaya ice sheet, because it contains the largest amount of snow and ice after the Arctic and Antarctic – about 15% of the global total. However, a quarter of its ice has been lost since 1970. This month, in a long-awaited special report on the cryosphere by the Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), scientists will warn that up to two-thirds of the region’s remaining glaciers are on track to disappear by the end of the century.

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Klimaaktivisten blockieren IAA

15. September 2019 12:12 | #Klimawandel #Protest #Umwelt

Sand im Getriebe blockieren seit heute morgen erfolgreich die Eingänge der IAA in Frankfurt. Ich wünsche weiterhin gutes Gelingen und ein wunderbares autofreies Wochenende in Mainhattan. Hessenschau, FAZ, FR, spOnline, Pics u.a. von Jens Volle, Tim Wagner, Jannis Grosse.

Mehrere hundert Demonstranten des Bündnisses “Sand im Getriebe” haben am Sonntagmorgen den Haupteingang der IAA in Frankfurt und einen weiteren Zugang blockiert. In weißen Anzügen hielten sie Plakate hoch – mit Forderungen wie “Autos sind überholt”, “Autokonzerne entmachten” und “Die Straße ist besetzt – Verkehrswende jetzt”. Einige Demonstranten umkreisten das Gelände auch mit dem Fahrrad und sorgten so für Behinderungen.

Ziel sei es, “den Ablauf der IAA mit friedlichen Blockaden zu stören”, teilte “Sand im Getriebe” mit. “Wir setzen damit ein deutliches Zeichen gegen das zerstörerische Verkehrssystem, für das die weltgrößte Automesse nach wie vor steht.” Die Aktion solle zeigen, dass leere Versprechungen das Bündnis nicht mehr hinhalten könnten.

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[Klimalinks 13.9.2019] Climate Revolt in London und Hamburg; Weißes Haus übt Druck auf UN-Migrationsbehörde aus; Airport Heathrow signaljams Climate Activists; Optopia Solarpunk Zine

13. September 2019 13:09 | #Klimawandel #Politik #Protest #Wirtschaft

Contribute to Optopia – an upcoming Solarpunk Zine!

• Der Extinction Rebellion-Ableger Heathrow Pause plante für heute eigentlich, in einer Protestaktion den Londoner Flughafen außer Betrieb zu setzen. Es sollten erneut Quadcopter in der Umgebung des Flughafens gestartet werden. Gestern abend wurden in England nun die Mitglieder von Heathrow Pause festgenommen, inklusive des Mitgründers von Extinction Rebellion, direkt nach einem Spiegel-Interview. Heute morgen wurden zwei weitere Aktivisten in Gewahrsam genommen. Gleichzeitig meldeten Aktivisten, dass der Flughafen einen Start von Dronen mit Signal Jamming verhindere. Falls sich das bestätigt, wüsste ich gerne, ob und wie Signal Jamming, also einer Störung des Funkverkehrs, vereinbar ist mit einem regelkonformen Betrieb des Flughafens.

A live stream video shared on Heathrow Pause’s Twitter account showed two people struggling to get a drone off the ground. The device could be seen flashing red and green lights as the men held it above their head, but did not make it into the air. The two men, filming themselves near a road, said they were experiencing “a technical glitch”.

In a post on Twitter, the protest group said: “Heathrow using signal jamming to frustrate early flights.”

Hunderte Demonstrationen weltweit geplant – Der heiße Klimaherbst

• Ben Ehrenreich über XR: There’s Only One Antidote for Climate Despair—Climate Revolt: The machine functions only because we will it to, if only tacitly, by submitting to business as usual. So the answer is to stop submitting, and to do so in sufficient numbers that the machine would begin to wheeze and choke.

Climate activists on trial in Paris for stealing Macron portraits

Besetzung “Wilde Gasse”: Für das geplante Bauprojekt „Spreehafenviertel“ soll der Wald im Norden des Hamburger Stadtteils Wilhelmsburg gerodet werden. Gegen die Rodung fand am 08. September 2019 das WiWa-Waldfest von Gruppen wie Extinction Rebellion, Waldretter Wilhelmsburg und Zukunft Elbinsel statt. Während des Festes entstanden zwei Baumhäuser, um den Wald zu besetzen.

World losing area of forest the size of the UK each year, report finds: The rate of loss has reached 26m hectares (64m acres) a year, a report has found, having grown rapidly in the past five years despite pledges made by governments in 2014 to reverse deforestation and restore trees.

• Das Drecksblatt, dessen Namen ich traditionell auf dieser Website nicht nenne, titelt heute online „Was ist wichtiger, Klima oder Freiheit?“ und zeigt dazu Greta Thunberg und Joshua Wong. Sie suggerieren damit, der Kampf um Bürgerrechte in China wäre übertragbar auf die Debatte um die Rolle der Wirtschaft in einer klimawandelbedingten Gesellschaft, oder anders gesagt: Der Freiheitsbegriff der Proteste in Hong Kong wäre derselbe wie der Freiheitsbegriff in der Klimadebatte.

Wie es sich für das bösartige Drecksblatt des Springer Verlags gehört, ist diese (absichtliche) Vermischung dieser Begriffe nichts anderes als konservative Propaganda zur Bewahrung des Neoliberalismus, dessen Wirtschafts-Freiheit man durch die Proteste und den Druck der öffentlichen Meinung gefährdet sieht. Der Vergleich dieser Aktivisten hat nichts mit dem Klimawandel oder den Protesten in China zu tun, sondern alleine mit einem Talking Point der FDP, die sich gerne als freiheitliche Partei verkauft, damit aber nur die Maximierung der Handlungsfreiheit von Konzernen und Unternehmen meint. Springer-„Journalismus“ halt.

• Trumps Sharpiefix auf der Wetterkarte könnte ein Nachspiel haben, die NOAA untersucht nun, ob die Behörde Trumps Hurricane-Tweets auf politischen Druck hin verteidigt hätte. Ich fände es ja sehr lustig, wenn nach all dem Scheiß, den sich Goldenboy geleistet hat, er wegen akuter Gefährdung von Menschenleben aufgrund Eingriffs in den Katastrophenschutz gehen müsste.

• Noch mehr Druck auf Klimapolitik aus dem Weißen Haus: Leak suggests UN agency self-censors on climate crisis after US pressure. Es geht um Projekte der Migrationsbehörde, denen die USA die Finanzierung versagen will, wenn sie Klimawandel als Fluchtursache nennen. Es ist eines, wenn die Regierung der USA ihren eigenen wissenschaftlichen Dienst unter Druck setzt und diesen zensiert, es ist eine ganz andere Liga, wenn Behörden der Vereinten Nationen auf politischen Druck der USA sich nun selbst zensieren.

• Und während die USA politischen Druck auf Migratonsbehörden der UN ausübt, ein paar Migrationswissenschaftler so: Extreme Weather Displaced 7 Million People in First Half of 2019: „The organization estimated this number could hit 22 million by the end of 2019, which would be among the highest ever recorded. ‘In today’s changing climate, mass displacement triggered by extreme weather events is becoming the norm’, the report said.“

How climate change is driving emigration from Central America

Climate Change Will Create 1.5 Billion Migrants by 2050 and We Have No Idea Where They’ll Go

Arbeitsplätze in den Wind geschossen: Die Windmesse im norddeutschen Husum wird vom Negativrekord beim Windkraft-Ausbau überschattet. Damit verbunden sind tausendfache Entlassungen. Doch wieso ist der Aufschrei um Arbeitsplätze in der Erneuerbaren-Branche so viel leiser als in der Kohleindustrie? [Weil Arbeitsplätze kein wirklicher Punkt in der Agenda der Konservativen sind, sondern traditionelle Arbeitsplätze, wen jucken denn bitte Windmüller.]

• Vox mit einem Dreiteiler über Extremwetter-Szenarien: 122 degrees for days: the looming Phoenix heat wave that could harm thousands, This is a worst-possible wildfire scenario for Southern California und 26 feet of water: What the worst-case hurricane scenario looks like for Tampa Bay.

WAS WÄRE, WENN STÄDTE GUT FÜR DAS KLIMA WÄREN? Ber­lin 2030 — Eine Vision:

Das Poten­zi­al hat eine Grup­pe von Wis­sen­schaft­ler rund um Vol­ker Qua­sch­ning von der Hoch­schu­le für Tech­nik und Wirt­schaft (HTW) in Ber­lin berech­net: Sie sehen das Poten­ti­al 60 bis 100 Mal so hoch wie der heu­ti­ge Aus­bau­stand. Die heu­te auf Ber­li­ner Dächern rea­li­sier­ten 100 Mega­watt an Solar­an­la­gen erzeu­gen gera­de ein­mal so viel Strom, wie eine ein­zi­ge gro­ße Frei­flä­chen­an­la­ge in Brandenburg.

Um das Poten­ti­al aus­zu­nut­zen, haben Senat und Abge­ord­ne­ten­haus einen Mas­ter­plan ​“Solar­ci­ty” ver­ab­schie­det, der Teil des Ber­li­ner Ener­gie- und Kli­ma­schutz­pro­gramms 2030 ist. Er sieht eine 40 Mal so hohe Solar­nut­zung vor, um zumin­dest 25 Pro­zent des Strom­be­darfs aus Pho­to­vol­ta­ik inner­halb der Stadt­gren­zen zu erzeu­gen.

Studie: Zubau privater Photovoltaik-Anlagen und Heimspeicher wird sich bis 2035 wegen Elektromobilität vervierfachen

• Wie Rebound-Effekte im Verkehr technische Innovation ausbremst: Verkehr im Kapitalismus – Die Wachstumsspirale.

Kosten der energetischen Sanierung – Gebäude in der Klimafalle: Rechnerisch müssten demnach in den nächsten zehn Jahren die CO2-Emissionen von rund 40 Prozent aller Gebäude auf null sinken oder von rund 80 Prozent um die Hälfte reduziert werden, damit die Klimaziele erreicht werden können. Das erfordert Investitionen in Milliardenhöhe. Ohne staatliche Unterstützung kann das aus Sicht der Wohnungswirtschaft und der Mietervertreter nicht gelingen.

• Kanada deckelt seine Zuschüsse für Gebäudesanierung in Überflutungsgebieten: Canada Tries a Forceful Message for Flood Victims: Live Someplace Else: Unlike the United States, which will repeatedly help pay for people to rebuild in place, Canada has responded to the escalating costs of climate change by limiting aid after disasters, and even telling people to leave their homes. It is an experiment that has exposed a complex mix of relief, anger and loss as entire neighborhoods are removed, house by house.

Forscher halten Erdgas für klimaschädlicher als offiziell angegeben: Erdgas gilt als wichtige Brückentechnologie für die Energiewende. Doch laut einer Studie, die dem SPIEGEL vorliegt, sind die offiziellen Angaben über klimaschädliche Methanemissionen oft zu niedrig.

Greta Thunberg @ Daily Show

Shut Up, Franzen: Climate change is real and things will get worse—but because we understand the driver of potential doom, it’s a choice, not a foregone conclusion.

Deutschland braucht 162 Gigawatt Photovoltaik bis 2030, um Stromlücke zu verhindern

• CDU weiterhin unwählbar: „CO2-Steuer oder Emissionshandel? Die Frage ist zumindest vonseiten der Unionsparteien geklärt. CDU und CSU haben am gestrigen Donnerstag ein Konzept vorgelegt, das auf den Handel mit CO2-Zertifikaten setzt, um Deutschlands Klimaziele zu erreichen.“

• Ach komm, wenn man Autos aus den Innenstädten schmeisst, lebt sich’s dort länger und die Leute fühlen sich wohler, wer hätte das gedacht echt jetz voll krass Barcelona’s car-free ‘superblocks’ could save hundreds of lives.

• ELektrokreuzfahrt: Klimafreundlich cruisen ab 2020 auf der „Aida Perla“

Carmakers near CO2 cliff-edge in electrification race

Europas neue Köpfe fürs Klima: Ursula von der Leyen hat ihre EU-Kommission präsentiert: Fünf der neuen EU-Kommissare sind für Klima- und Energiefragen zuständig.

• Guter Text über prätentiöses Design Thinking auf „Climathons“: Klimaproblem gelöst? Design Thinking und die Digitalisierung menschlichen Denkens und Handelns.

Die Dringlichkeit, die wir heute angesichts des Klimawandels verspüren, korrespondiert mit Michel Foucault’s Konzept des Dispositif, dem er eine strategische Funktion in Bezug auf ein historisch gesehen dringendes Bedürfnis (une urgence) zuschreibt. DT als Antwort auf diese Dringlichkeit läuft momentan Gefahr, den Menschen den Bedürfnissen der Digitalisierung anzupassen, anstatt den Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen. Unter Zeitnot oder unter Einfluss einer „Schockdoktrin“ (Naomi Klein) ist unser Denken eher dazu geneigt, rechnerisch zu funktionieren und freiwillig umprogrammiert zu werden. Die resultierenden Entscheidungen bedienen oftmals eher die eigenen kurzfristigen Bedürfnisse. Ein “computational dispositif” (Jennifer Gabrys 2014 cf Michel Foucault) entspringt somit dem “computational unconscious” (Jonathan Beller) und vice versa. Von den Lösungen und Erlebnissen profitieren meist nur die Problemlöser – langfristig ändert sich nicht viel.

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Sprechverbot wegen Klima-Kritik für Frankfurts Bürgermeister auf der IAA

13. September 2019 8:36 | #Klimawandel #Politik #Wirtschaft

Der frankfurter Oberbürgermeister spricht traditionell auf der Eröffnung der IAA, nur in diesem Jahr nicht, denn der SPD-Mann wollte die Industrie kritisieren und pochte in seiner nun auf Facebook veröffentlichten Rede auf Einhaltung von gesetzlichen Vorschriften, was natürlich ein ungeheuerlicher Vorgang ist. In seiner kurzen Keynote stellte der OB den Klimaschutz als Innovationsmotor von morgen, denkt Mobilität mit Smart Grids und öffentlichem Nahverkehr zusammen und ist damit sehr viel näher an der Zukunft, als die gesamte dort vertretene, sich selbst für nichts feiernde Automobil-Industrie.

FB: Die nicht gehaltene Rede zur IAA 2019
FR: Sprechverbot: OB Peter Feldmann darf bei der IAA-Eröffnung nicht die Rede halten

Hier die nicht gehaltene Rede:

Geehrte Frau Bundeskanzlerin, geehrter Herr Ministerpräsident,
geehrter Herr Mattes, verehrte Gäste,

die 68. Internationale Automobilausstellung öffnet heute ihre Tore. Wir in Frankfurt sind als Messestadt stolz darauf, dass wir Standort der IAA sind.

Frankfurt ist auch darum der richtige Ort, weil wir ein Bevölkerungswachstum in Städten und anwachsende Pendlerströme in Verbindung mit dem Anstieg an Arbeitsplätzen erleben. Darum habe ich bereits bei der vergangenen Eröffnung der IAA vor zwei Jahren einen Wandel gefordert. Konkret geht es darum, dass Menschen, die sich im guten Glauben ein Auto gekauft haben, nicht auf kaltem Wege durch Fahrverbote enteignet werden.

Wir dürfen die Verantwortung für die Produkte nicht bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern abladen, sondern wir brauchen eine Automobilindustrie, die sich gesetzeskonform verhält.

Beweisen wir, dass deutsche Innovationskraft nicht darin besteht, gesetzliche Vorgaben zu umgehen, sondern die umweltschonendsten und zukunftsfähigsten Produkte zu entwickeln. Ich möchte ehrlich sein: Frankfurt braucht mehr Busse und Bahnen, aber nicht mehr SUVs.

Es kann nicht sein, dass gefordert wird, Parkhäuser neu zu bauen, weil immer mehr Autos für die bestehenden Stellplätze zu groß geworden sind. Wir brauchen eine Mobilitätswende, um den Klimawandel aufzuhalten.

Der Klimaforscher Mojib Latif betont immer wieder, dass Klimaschutz unumgänglich sei, wenn wir die günstigen Bedingungen auf der Erde erhalten wollen. Damit verbindet er auch eine optimistische Haltung, an die ich ausdrücklich anknüpfen möchte: Für Professor Latif ist Klimaschutz der Innovationsmotor schlechthin. Er sagt: „Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien. Sie dezentral zu nutzen und ihre Anwendung mit der Digitalisierung zu optimieren, ist das Gebot der Stunde. Hier muss Deutschland vorne auf der Lokomotive sitzen, wenn wir unseren Wohlstand langfristig sichern möchten. Und nur so werden wir andere Länder beim Klimaschutz mitreißen.“

Meine Damen und Herren, wir brauchen einen ökologischen Umbau der Industrie, bei dem niemand auf der Strecke bleibt, nicht die Verbraucher, nicht die Beschäftigten der Branche, aber auch nicht die Umwelt. Ich wünsche mir, dass der Wandel gelingt und wir einen technologischen Fortschritt bekommen, aus dem endlich ein Fortschritt für alle wird. Wirtschaft und Ökologie dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Begreifen wir den Einsatz, vor allem auch vieler junger Menschen, gegen den Klimawandel nicht als Bedrohung, sondern tatsächlich als große Chance. Als Oberbürgermeister bin ich allen, die sich an Demonstrationen beteiligen, dankbar, weil es ihnen nicht vorrangig um das eigene Wohl, sondern um eine gute Zukunft für uns alle und den Kampf gegen den Klimawandel geht.

Dieser Einsatz ist nicht, wie manche meinen naiv, sondern er ist dringend notwendig! Frankfurt war im vergangenen Jahr die Stadt mit den meisten Demonstrationen. Es gehört zu unserer politischen Kultur, laut zu sagen, was man denkt. Zugleich ist klar: Friedliche Proteste haben immer ihren Platz in unserem Frankfurt, Gewalt lehnen wir in allen Erscheinungsformen entschieden ab. Darum appelliere ich auch an dieser Stelle an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Sie und ihr habt zu Recht viel Sympathie und Unterstützung, sorgt mit dafür, dass es lebhaft, aber immer friedlich bleibt!

Unserer IAA wünsche ich Erfolg, ich wünsche allen Teilnehmern Offenheit und Empathie den Forderungen der vielen jungen Menschen gegenüber. Begreifen wir die sozial-ökologische Verkehrswende als unsere gemeinsame Herausforderung.

Ich danke Ihnen.

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Wald im Stadion

11. September 2019 9:34 | #Klimawandel #Umwelt #Wälder

Klaus Littmann hat 300 Bäume ins Wörthersee-Fußballstadion in Klagenfurt, Österreich, verpflanzt und verwandelte das Spielfeld mit seinem Landschaftsarchitekt Enzo Enea in einen mitteleuropäischen Mischwald. Die Bäume sollen nach der Installation auf ein stadtnahes Gelände verpflanzt werden.

Der Wald im Stadion sieht optisch bereits einigermaßen ungewöhnlich aus, was die Installation aber einzigartig macht ist die Atmosphäre mit Besuchern auf den Rängen und den typischen Durchsagen eines Stadionsprechers, als ob die Bäume da jetzt irgendetwas performen würden – was sie natürlich auch tun.

Die Arbeit basiert auf einer Zeichnung von Max Peintner: „Mit der Bleistiftzeichnung von Max Peintner ‘Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur’ (1970/71) wird die Bedrohung der Natur nicht didaktisch mit erhobenem Zeigefinger, sondern über eine Gedankenfigur vermittelt: Stell dir vor, der Wald gibt es nur mehr als Ausstellungsstück! Mit dieser Fiktion war der Künstler seiner Zeit weit voraus, wurde das Problem des Waldsterbens doch erst in den 1980er-Jahren breit diskutiert. Die ersten futuristischen Zeichnungen entstanden unter dem Titel ‘Beiträge zur Zukunft. Technik- und Zivilisationskritik unter dem Deckmantel der Utopie’.

Ich halte die Megalomanie des Projekts zwar für grenzwertig und habe ein Problem mit den Industriellen, die sich im Blog des Waldstadions grünwaschen dürfen, andererseits weist die Installation auf genau diese Ambivalenz der Verhältnis des modernen Mensch zur Natur hin. Mit eingebauten Baumhäusern von Umweltaktivist:innen fände ich die Installation aber definitiv sympathischer.

„For Forest – Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ ist vom 8. September bis 27. Oktober 2019 zu sehen, der Eintritt ins Stadion ist kostenlos.

Von den Rängen aus können die Zuschauer die Bäume auf dem Feld, wo sonst gespielt wird, Tag und Nacht (von 10:00 bis 22:00 Uhr) bei freiem Eintritt bestaunen. Dieses ebenso ungewohnte wie faszinierende Bild wird ganz verschiedene Emotionen und Reaktionen auslösen. Je nach Tages- oder Nachtzeit bilden die Bäume eine sich ständig verändernde Landschaft, die sich durch Witterungseinflüsse sowie die saisonale Herbstfärbung des Laubes weiter verändern wird. Dieser emotionale Eindruck wird durch die völlig neue Betrachtungsweise des scheinbar Gewohnten – des Waldes – weiter verstärkt. Mit dieser monumentalen Installation möchte Littmann unsere Wahrnehmung der Natur herausfordern und den Blick auf die Zukunft der Mensch-Natur Beziehung schärfen.

Das Projekt versteht sich auch als Mahnmal dafür, dass die Selbstverständlichkeit der Natur eines Tages nur noch in ihr speziell zugewiesenen Gefäßen zu bestaunen sein könnte, wie das bereits heute etwa mit Tieren im Zoo der Fall ist.

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Die Erfindung des Autos

10. September 2019 12:00 | #Klimawandel #Umwelt

Extra3 zum Start der IAA: „Stell dir vor, es gäbe keine Autos? Stell dir vor, du könntest alle Ziele auch gut mit Bahn und Fahrrad erreichen. Müsste man das Auto dann erfinden?“ 🏎

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[Klimalinks 10.9.2019] Jonathan Franzen Klima-Apokalyptiker; 7 Billionen Dollar durch Adaptions-Investitionen; VW ID.3 – Elektromobilität for the masses

10. September 2019 11:38 | #Klimawandel #Politik #Umwelt #Wirtschaft

➔ Jonathan Franzen im New Yorker über die unabwendbare Klimakatastrophe: What if we stopped pretending? „The climate apocalypse is coming. To prepare for it, we need to admit that we can’t prevent it.“

Ich bin selbst eher Klima-Pessimist und sehe in den kommenden Jahrzehnten massive Aufgaben auf uns zukommen. Wir werden Migrationsströme lenken müssen und das Model der industriellen Wirtschaftsproduktion umbauen müssen, während wir Folgen der ansteigenden Meeresspiegel eindämmen und Verschleiß durch höhere Temperaturen ausgleichen müssen. Gleichzeitig erzwingt der Klimawandel eine internationale Kooperation durch jedes einzelne Land der Erde. All das ist in seiner Konzentration bislang ungesehen, in seinem Ausmaß allerhöchstens und nur vage vergleichbar mit den Mobilmachungen während des zweiten Weltkriegs.

Im Gegensatz zu Franzen aber halte ich die katastrophalsten Folgen nicht für unvermeidbar. Die internationale Kooperation bedingt eine neue globale Politik, die Kosten, die auf die Wirtschaft zurasen, bedingen neue Formen der Produktion und all dies beinhaltet auch massive Gewinne unter dem neuen Paradigma der Nachhaltigkeit, nur vielleicht nicht grade für Exxon.

➔ Ein neuer Bericht der Global Commission on Adaptation, der unter anderem UN Generalsekretär Ban Ki-moon, Umweltminister von China, Indien und Kanada, Bill Gates und Kristalina Georgieva, Vorstandsvorsitzende der Weltbank angehören, beziffert Gewinne aus Klima-Investments. Laut Bericht können durch die Investition von 1,8 Billionen Dollar mehr als 7 Billionen Dollar erzielt werden. BBC, Guardian, Bericht der GCA.

The report says those most affected by climate change “did least to cause the problem – making adaptation a human imperative”.

Media captionFive things the world needs to invest in to be “climate change resilient”
Its primary aim is to put climate change adaptation on to the political agenda around the world. And to do this, it sets out “concrete solutions” and an economic plan. There are, it says, five things the world should invest in over the next decade:

  1. Warning systems: For the vulnerable island and coastal communities in particular, early warnings about storms, very high tides and other extreme weather can save lives. Better weather monitoring and a simple app for fishing communities in the Cook Islands, for example, allows them to plan according to the sea conditions
  2. Infrastructure: Building better roads, buildings and bridges to suit the changing climate. One project in New York City has set out to paint rooftops white – a heat-reflecting strategy to cool buildings and neighbourhoods
  3. Improving dry-land agriculture: Something as simple as helping farmers to switch to more drought-resistant varieties of coffee crop could protect livelihoods and prevent hunger
  4. Restoring and protecting mangroves: Underwater mangrove forests protect about 18 million people from coastal flooding, but they’re being wiped out by development. Restoration projects could protect vulnerable communities from storms and boost fisheries’ productivity
  5. Water: Protecting water supplies – and making sure that water’s not being wasted – will be vital in a changing climate

➔ Degrowth-Symbolik: Ein junger Mann namens Tevon Varlack hat dem Wallstreet-Stier auf dem Broadway mit einem Banjo „Fuck Trump“ rufend den Schädel eingeschlagen. Well done, sir.

‘Mindless growth’: Robust scientific case for degrowth is stronger every day:

The vast majority of new income from GDP growth doesn’t benefit ordinary people – it goes straight to the very richest. Despite massive growth in high-income nations over the past few decades, in many cases wages and median incomes have stagnated and poverty rates are up. Most people have gained little in terms of health and happiness.

In other words, we’re all working needlessly long hours to generate continued economic growth, with deadly consequences for our living planet, all so that a rich elite can get even richer.

➔ Russland baut massenweise Eisbrecher, um in der auftauenden Arktis neue Wirtschaftsrouten zu etablieren, anscheinend strebt Putin eine Art Mautsystem mit Eisbrechern an, die Schiffe durch die Arktis eskortieren: How Russia and China are preparing to exploit a warming planet.

A global quest for resources is already underway in the Arctic, said Goodman, now a senior fellow at the Woodrow Wilson Center Polar Institute. “There are thought to be vast stores of fossil fuels, oil and gas and minerals across the Arctic that have not yet been tapped. Russia is doing so today across its vast Arctic coastline with the help of China,” she said.

Russia is vying for control of Arctic seaways and has built some 40 icebreakers — ships that can channel through ice. “Russia envisions under Putin a northern sea route that is essentially a toll road that requires Russian Arctic escorts in the form of icebreakers or other patrol boats, escorting not only the Chinese but others who want to ship across the Arctic,” she said. By contrast, the U.S. has only two icebreakers, she said.

Meanwhile, China, which is not a polar country, has launched aggressive Arctic diplomacy and gained non-voting observer status for itself at the Arctic Council, the international forum that addresses policy in the Arctic. Last year, China issued its first arctic policy.

Forbes über den neuen Energiewende-Index von McKinsey und das Dilemma der Energiewende: Renewables Threaten German Economy & Energy Supply, McKinsey Warns In New Report. Wenn wir nicht beim Lagerfeuer Bratwurscht grillen wollen, sollten wir ernsthaft nochmal über den Atomausstieg nachdenken. Ich ziehe einen ausreichenden Klimaschutz dem Atomausstieg jederzeit vor und beides zusammen wird zumindest in einer Übergangsphase schwierig.

Proteste zur IAA: Die Industrie zum Nachdenken bringen: Anlässlich der Internationalen Automobil-Ausstellung wollen am Wochenende Tausende in Frankfurt am Main für die Verkehrswende demonstrieren. Zu den Forderungen gehört ein sofortiger Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor.

Volkswagen unveils the ID.3, its first ‘electric car for the masses’

➔ Inside Climate News über den Bericht von Carbon Tracker über die Öl-Industrie: New Oil Projects Won’t Pay Off If World Meets Paris Climate Goals.

➔ Feuerwetter: Australia Bushfires Arrive Early, Destroying Historic Lodge in ‘Omen’ of Future: „Fire weather has never been as severe this early in spring.“ Und: „this year the bushfire season actually started in winter, two months earlier than normal. Most alarmingly, some of these fires are occurring in subtropical and coastal areas that don’t usually burn.“

Climate crisis is greatest ever threat to human rights, UN warns: “The world has never seen a threat to human rights of this scope,” [UN rights chief, Michelle Bachelet] told the UN human rights council in Geneva. “The economies of all nations, the institutional, political, social and cultural fabric of every state, and the rights of all your people, and future generations, will be impacted” by climate change, she warned.

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Naomi Klein und Greta Thunberg über Klimawandel, den Green New Deal und ein Recht auf Zukunft

10. September 2019 8:13 | #Klimawandel #Umwelt

The Intercept lud gestern zu einem Gespräch zwischen Naomi Klein (No Logo, Shock Doctrine, Kapitalismus vs. Klima) und Greta Thunberg über das Recht der Jugend auf eine Zukunft.

Die Veranstaltung bildet den Auftakt der Aktion „Covering Climate Now“ von über 170 Medien, um im September gemeinsam über die Klimakrise zu berichten. Am 20. September startet dann die Woche des globalen Klimastreiks, der den UN-Klimagipfel in New York am 23. September begleiten wird.

Zunächst sprechen die Aktivisten Xiuhtezcatl Martinez, Xiye Bastida und Vic Barrett, das Gespräch zwischen Naomi Klein und Greta Thunberg beginnt ab Minute 45. Greta Thunberg lässt ihre Reden übrigens von Wissenschaftlern gegenchecken und ich frage mich, ob Sharpie-Trump nicht auch lieber ein wissenschaftliches Gremium über seine intellektuell hochwertigen Ergüsse drüberschauen lassen sollte, nur so zur Sicherheit versteht sich.

Im Intro der Veranstaltung zeigen sie einen Clip „A Message From The Future“ mit Alexandria Ocasio-Cortez’ Green New Deal illustriert von Molly Crabapple, unten dasselbe Video in guter Qualität und mit Soundspur.

Naomi Kleins neues Buch On Fire: The Burning Case for a Green New Deal erscheint am 17. September:

On Fire gathers for the first time more than a decade of her impassioned writing from the frontline of climate breakdown, and pairs it with new material on the staggeringly high stakes of what we choose to do next.

Here is Klein at her most prophetic and philosophical, investigating the climate crisis not only as a profound political challenge but also as a spiritual and imaginative one. Delving into topics ranging from the clash between ecological time and our culture of ‘perpetual now,’ to rising white supremacy and fortressed borders as a form of ‘climate barbarism,’ this is a rousing call to action for a planet on the brink.

With dispatches from the ghostly Great Barrier Reef, the smoke-choked skies of the Pacific Northwest, post-hurricane Puerto Rico and a Vatican attempting an unprecedented ‘ecological conversion,’ Klein makes the case that we will rise to the existential challenge of climate change only if we are willing to transform the systems that produced this crisis.

This is the fight for our lives. On Fire captures the burning urgency of the climate crisis, as well as the energy of a rising political movement demanding change now.

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