[Klimalinks 13.9.2019] Climate Revolt in London und Hamburg; Weißes Haus übt Druck auf UN-Migrationsbehörde aus; Airport Heathrow signaljams Climate Activists; Optopia Solarpunk Zine

13. September 2019 13:09 | #Klimawandel #Politik #Protest #Wirtschaft

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• Der Extinction Rebellion-Ableger Heathrow Pause plante für heute eigentlich, in einer Protestaktion den Londoner Flughafen außer Betrieb zu setzen. Es sollten erneut Quadcopter in der Umgebung des Flughafens gestartet werden. Gestern abend wurden in England nun die Mitglieder von Heathrow Pause festgenommen, inklusive des Mitgründers von Extinction Rebellion, direkt nach einem Spiegel-Interview. Heute morgen wurden zwei weitere Aktivisten in Gewahrsam genommen. Gleichzeitig meldeten Aktivisten, dass der Flughafen einen Start von Dronen mit Signal Jamming verhindere. Falls sich das bestätigt, wüsste ich gerne, ob und wie Signal Jamming, also einer Störung des Funkverkehrs, vereinbar ist mit einem regelkonformen Betrieb des Flughafens.

A live stream video shared on Heathrow Pause’s Twitter account showed two people struggling to get a drone off the ground. The device could be seen flashing red and green lights as the men held it above their head, but did not make it into the air. The two men, filming themselves near a road, said they were experiencing “a technical glitch”.

In a post on Twitter, the protest group said: “Heathrow using signal jamming to frustrate early flights.”

Hunderte Demonstrationen weltweit geplant – Der heiße Klimaherbst

• Ben Ehrenreich über XR: There’s Only One Antidote for Climate Despair—Climate Revolt: The machine functions only because we will it to, if only tacitly, by submitting to business as usual. So the answer is to stop submitting, and to do so in sufficient numbers that the machine would begin to wheeze and choke.

Climate activists on trial in Paris for stealing Macron portraits

Besetzung “Wilde Gasse”: Für das geplante Bauprojekt „Spreehafenviertel“ soll der Wald im Norden des Hamburger Stadtteils Wilhelmsburg gerodet werden. Gegen die Rodung fand am 08. September 2019 das WiWa-Waldfest von Gruppen wie Extinction Rebellion, Waldretter Wilhelmsburg und Zukunft Elbinsel statt. Während des Festes entstanden zwei Baumhäuser, um den Wald zu besetzen.

World losing area of forest the size of the UK each year, report finds: The rate of loss has reached 26m hectares (64m acres) a year, a report has found, having grown rapidly in the past five years despite pledges made by governments in 2014 to reverse deforestation and restore trees.

• Das Drecksblatt, dessen Namen ich traditionell auf dieser Website nicht nenne, titelt heute online „Was ist wichtiger, Klima oder Freiheit?“ und zeigt dazu Greta Thunberg und Joshua Wong. Sie suggerieren damit, der Kampf um Bürgerrechte in China wäre übertragbar auf die Debatte um die Rolle der Wirtschaft in einer klimawandelbedingten Gesellschaft, oder anders gesagt: Der Freiheitsbegriff der Proteste in Hong Kong wäre derselbe wie der Freiheitsbegriff in der Klimadebatte.

Wie es sich für das bösartige Drecksblatt des Springer Verlags gehört, ist diese (absichtliche) Vermischung dieser Begriffe nichts anderes als konservative Propaganda zur Bewahrung des Neoliberalismus, dessen Wirtschafts-Freiheit man durch die Proteste und den Druck der öffentlichen Meinung gefährdet sieht. Der Vergleich dieser Aktivisten hat nichts mit dem Klimawandel oder den Protesten in China zu tun, sondern alleine mit einem Talking Point der FDP, die sich gerne als freiheitliche Partei verkauft, damit aber nur die Maximierung der Handlungsfreiheit von Konzernen und Unternehmen meint. Springer-„Journalismus“ halt.

• Trumps Sharpiefix auf der Wetterkarte könnte ein Nachspiel haben, die NOAA untersucht nun, ob die Behörde Trumps Hurricane-Tweets auf politischen Druck hin verteidigt hätte. Ich fände es ja sehr lustig, wenn nach all dem Scheiß, den sich Goldenboy geleistet hat, er wegen akuter Gefährdung von Menschenleben aufgrund Eingriffs in den Katastrophenschutz gehen müsste.

• Noch mehr Druck auf Klimapolitik aus dem Weißen Haus: Leak suggests UN agency self-censors on climate crisis after US pressure. Es geht um Projekte der Migrationsbehörde, denen die USA die Finanzierung versagen will, wenn sie Klimawandel als Fluchtursache nennen. Es ist eines, wenn die Regierung der USA ihren eigenen wissenschaftlichen Dienst unter Druck setzt und diesen zensiert, es ist eine ganz andere Liga, wenn Behörden der Vereinten Nationen auf politischen Druck der USA sich nun selbst zensieren.

• Und während die USA politischen Druck auf Migratonsbehörden der UN ausübt, ein paar Migrationswissenschaftler so: Extreme Weather Displaced 7 Million People in First Half of 2019: „The organization estimated this number could hit 22 million by the end of 2019, which would be among the highest ever recorded. ‘In today’s changing climate, mass displacement triggered by extreme weather events is becoming the norm’, the report said.“

How climate change is driving emigration from Central America

Climate Change Will Create 1.5 Billion Migrants by 2050 and We Have No Idea Where They’ll Go

Arbeitsplätze in den Wind geschossen: Die Windmesse im norddeutschen Husum wird vom Negativrekord beim Windkraft-Ausbau überschattet. Damit verbunden sind tausendfache Entlassungen. Doch wieso ist der Aufschrei um Arbeitsplätze in der Erneuerbaren-Branche so viel leiser als in der Kohleindustrie? [Weil Arbeitsplätze kein wirklicher Punkt in der Agenda der Konservativen sind, sondern traditionelle Arbeitsplätze, wen jucken denn bitte Windmüller.]

• Vox mit einem Dreiteiler über Extremwetter-Szenarien: 122 degrees for days: the looming Phoenix heat wave that could harm thousands, This is a worst-possible wildfire scenario for Southern California und 26 feet of water: What the worst-case hurricane scenario looks like for Tampa Bay.

WAS WÄRE, WENN STÄDTE GUT FÜR DAS KLIMA WÄREN? Ber­lin 2030 — Eine Vision:

Das Poten­zi­al hat eine Grup­pe von Wis­sen­schaft­ler rund um Vol­ker Qua­sch­ning von der Hoch­schu­le für Tech­nik und Wirt­schaft (HTW) in Ber­lin berech­net: Sie sehen das Poten­ti­al 60 bis 100 Mal so hoch wie der heu­ti­ge Aus­bau­stand. Die heu­te auf Ber­li­ner Dächern rea­li­sier­ten 100 Mega­watt an Solar­an­la­gen erzeu­gen gera­de ein­mal so viel Strom, wie eine ein­zi­ge gro­ße Frei­flä­chen­an­la­ge in Brandenburg.

Um das Poten­ti­al aus­zu­nut­zen, haben Senat und Abge­ord­ne­ten­haus einen Mas­ter­plan ​“Solar­ci­ty” ver­ab­schie­det, der Teil des Ber­li­ner Ener­gie- und Kli­ma­schutz­pro­gramms 2030 ist. Er sieht eine 40 Mal so hohe Solar­nut­zung vor, um zumin­dest 25 Pro­zent des Strom­be­darfs aus Pho­to­vol­ta­ik inner­halb der Stadt­gren­zen zu erzeu­gen.

Studie: Zubau privater Photovoltaik-Anlagen und Heimspeicher wird sich bis 2035 wegen Elektromobilität vervierfachen

• Wie Rebound-Effekte im Verkehr technische Innovation ausbremst: Verkehr im Kapitalismus – Die Wachstumsspirale.

Kosten der energetischen Sanierung – Gebäude in der Klimafalle: Rechnerisch müssten demnach in den nächsten zehn Jahren die CO2-Emissionen von rund 40 Prozent aller Gebäude auf null sinken oder von rund 80 Prozent um die Hälfte reduziert werden, damit die Klimaziele erreicht werden können. Das erfordert Investitionen in Milliardenhöhe. Ohne staatliche Unterstützung kann das aus Sicht der Wohnungswirtschaft und der Mietervertreter nicht gelingen.

• Kanada deckelt seine Zuschüsse für Gebäudesanierung in Überflutungsgebieten: Canada Tries a Forceful Message for Flood Victims: Live Someplace Else: Unlike the United States, which will repeatedly help pay for people to rebuild in place, Canada has responded to the escalating costs of climate change by limiting aid after disasters, and even telling people to leave their homes. It is an experiment that has exposed a complex mix of relief, anger and loss as entire neighborhoods are removed, house by house.

Forscher halten Erdgas für klimaschädlicher als offiziell angegeben: Erdgas gilt als wichtige Brückentechnologie für die Energiewende. Doch laut einer Studie, die dem SPIEGEL vorliegt, sind die offiziellen Angaben über klimaschädliche Methanemissionen oft zu niedrig.

Greta Thunberg @ Daily Show

Shut Up, Franzen: Climate change is real and things will get worse—but because we understand the driver of potential doom, it’s a choice, not a foregone conclusion.

Deutschland braucht 162 Gigawatt Photovoltaik bis 2030, um Stromlücke zu verhindern

• CDU weiterhin unwählbar: „CO2-Steuer oder Emissionshandel? Die Frage ist zumindest vonseiten der Unionsparteien geklärt. CDU und CSU haben am gestrigen Donnerstag ein Konzept vorgelegt, das auf den Handel mit CO2-Zertifikaten setzt, um Deutschlands Klimaziele zu erreichen.“

• Ach komm, wenn man Autos aus den Innenstädten schmeisst, lebt sich’s dort länger und die Leute fühlen sich wohler, wer hätte das gedacht echt jetz voll krass Barcelona’s car-free ‘superblocks’ could save hundreds of lives.

• ELektrokreuzfahrt: Klimafreundlich cruisen ab 2020 auf der „Aida Perla“

Carmakers near CO2 cliff-edge in electrification race

Europas neue Köpfe fürs Klima: Ursula von der Leyen hat ihre EU-Kommission präsentiert: Fünf der neuen EU-Kommissare sind für Klima- und Energiefragen zuständig.

• Guter Text über prätentiöses Design Thinking auf „Climathons“: Klimaproblem gelöst? Design Thinking und die Digitalisierung menschlichen Denkens und Handelns.

Die Dringlichkeit, die wir heute angesichts des Klimawandels verspüren, korrespondiert mit Michel Foucault’s Konzept des Dispositif, dem er eine strategische Funktion in Bezug auf ein historisch gesehen dringendes Bedürfnis (une urgence) zuschreibt. DT als Antwort auf diese Dringlichkeit läuft momentan Gefahr, den Menschen den Bedürfnissen der Digitalisierung anzupassen, anstatt den Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen. Unter Zeitnot oder unter Einfluss einer „Schockdoktrin“ (Naomi Klein) ist unser Denken eher dazu geneigt, rechnerisch zu funktionieren und freiwillig umprogrammiert zu werden. Die resultierenden Entscheidungen bedienen oftmals eher die eigenen kurzfristigen Bedürfnisse. Ein “computational dispositif” (Jennifer Gabrys 2014 cf Michel Foucault) entspringt somit dem “computational unconscious” (Jonathan Beller) und vice versa. Von den Lösungen und Erlebnissen profitieren meist nur die Problemlöser – langfristig ändert sich nicht viel.

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