[Klimalinks 16.9.2019] Blutiger Klimaprotest bei den Cruise Days; Nachlese zur IAA-Blockade; Naomi Klein über Plastikstrohhälme;

16. September 2019 16:01 | #Klimawandel #Politik #Protest #Umwelt #Wirtschaft

Gemeinsam gegen den Golem: Zum ersten Mal hat die Menschheit einen gemeinsamen Feind. Und wir alle tragen eine Mitschuld, dass die Klimakrise bisher nicht entschlossen bekämpft wurde. Diese Woche wird weltweit zeigen, dass sich das nun ändert.

➔ Links zur Blockade der IAA in Frankfurt. „Die Messe ist gesungen. Eine IAA in dieser Form wird es sicher nicht mehr geben. Die Zeiten, in denen VW, Daimler, BMW und Co. sich und ihre zerstörerischen Blechkisten ungestört feiern, sind vorbei.“

Zeit: Protest gegen IAA: Ein Kulturkampf ums Auto.
TAZ: Proteste bei der Automobilmesse IAA: Die Zeit zum Zurücklehnen ist vorbei
TAZ: Fridays for Future in Berlin: Ruhe vor dem Sturm
nd: »Ihr könnt auch Fahrrad fahren«: Das Aktionsbündnis »Sand im Getriebe« hat am Sonntag Teile der Automesse IAA lahmgelegt. Messebesucher reagierten mit Unverständnis.
Telepolis: IAA: Götterdämmerung einer Leitindustrie
Protestfotografie Frankfurt: 15.09.2019 – Sand im Getriebe IAA-Blockade

“Blutiger” Klimaprotest bei den Cruise Days: Klimaaktivisten haben am Sonnabend im Hamburger Hafen gegen die Cruise Days protestiert. Mitten durch die Zuschauer zog ein schwarz gekleideter Trauerzug. Vorneweg marschierten Musiker mit Trommeln, Streichern und Bläsern. Dahinter trugen Aktivisten einen kleinen weißen Sarg und mehrere Banner mit Aufschriften wie “Klimanotstand jetzt!”. Dahinter folgten mehr als 100 Menschen über die Promenade.

➔ Urbanshit: Kreativer Kunstblutprotest zu den Hamburger Cruise Days gegen tödlichen Feinstaub

➔ Emily Atkin, who has an excellent newsletter on climate at Heated.world, on the future of conflict in a world of changing climate: The Blood-Dimmed Tide. From her newsletter:

Here’s a brief summary of the two-section piece.

Section 1: An imagined worst-case scenario future. In this future, it’s the year 2100, and the world’s major powers continued to resist climate action until about the year 2035. Nationalist ideologues like Donald Trump and Jair Bolsonaro also continued to gain power across the world. Combined, these circumstances caused the atmosphere to warm by 4 degrees Celsius, and various terrifying conflicts have broken out across the globe: things like mass migrations, famines, and resource-wars.

Section 2: How did we get here, and how do we prevent this future? Bill McKibben and former EPA regional administrator Judith Enck help me reflect on the past—how we allowed ourselves to get to a place where this terrifying scenario of constant war and conflict is a real possibility. Then, Francesco Femia, co-founder of the Center for Climate and Security, weighs in on how we might prevent this future, and prioritize the climate crisis as a threat multiplier it truly is.

➔ Trump hat mit bemerkenswert reaktionärem Trolling rund eine Million Dollar mit Plastikstrohhalmen gemacht. Rechtsdenker sind völlig natürlich begeistert von soviel Realitätsverweigerung und Naomi Klein erklärt, warum dieser Plastikstrohhalm ein perfektes Symbol für das Ende der neoliberalen Wachstumsideologie darstellt:

Auszug aus Naomi Kleins neuem Buch zur Klimakrise On Fire – The burning case for a green new deal: ‘We have a once-in-century chance’: Naomi Klein on how we can fight the climate crisis, hier ein Interview.

The idea behind the Green New Deal is a simple one: in the process of transforming the infrastructure of our societies at the speed and scale that scientists have called for, humanity has a once-in-a-century chance to fix an economic model that is failing the majority of people on multiple fronts. Because the factors that are destroying our planet are also destroying people’s lives in many other ways, from wage stagnation to gaping inequalities to crumbling services to surging white supremacy to the collapse of our information ecology. Challenging underlying forces is an opportunity to solve several interlocking crises at once.

In tackling the climate crisis, we can create hundreds of millions of goods jobs around the world, invest in the most systematically excluded communities and nations, guarantee healthcare and childcare, and much more. The result of these transformations would be economies built both to protect and to regenerate the planet’s life support systems and to respect and sustain the people who depend on them.

Klimawandel und Wirtschaftswachstum: Für eine Wirtschaft ohne Wachstum gibt es kein Modell. […] Bisher hat niemand systematisch erforscht, wie der Übergang in eine Postwachstumsgesellschaft aus­sehen könnte, die Krisen vermeidet und ein Einkommen für alle garantiert. Es wäre eine Aufgabe für die Volkswirte, die das Thema jedoch bisher ignorieren.

spOnline über eine Rede von Marine LePen, die in Frankreich eine neue umweltpolitische Gangart der Neuen Rechten vorgibt. Die Rechte passt sich den neuen Bedingungen der Klimakrise derzeit an und die Klimaleugner der AFD werden dem folgen. Das inhärente ökologische Paradox des rechten Denkens, die Unvereinbarkeit von Nationalismus und global wirksamen ökologischen Systemen, dürfte diese Leute dabei nicht weiter belasten.

Neuer Bericht der Food and Land Use Coalition über die globalen Agrar-Subventionen. Regierungen subventionieren die globale Agrarwirtschaft mit rund 1 Million Dollar pro Minute oder 1 Billion Dollar jährlich. Diese Subventionen werden bislang nicht als Lenk-Instrument für Umweltpolitik benutzt und es gibt auch keine Metriken zur Umwelt- oder Klimaverträglichkeit dieser Subventionen, was sich schon sehr bald ändern dürfte. Laut Bericht beziffern sich die versteckten Kosten, die aus der so subventionierten Agrarwirtschaft aufgrund umweltschädlicher Praxis an Gesundheit und Natur entstehen auf 12 Billionen Dollar pro Jahr.

‘Americans are waking up’: two thirds say climate crisis must be addressed: More than a quarter of Americans questioned in the new CBS News poll consider climate change a “crisis”, with a further 36% defining it as a “serious problem”. Two in 10 respondents said it was a minor problem, with just 16% considering it not worrisome at all. More than half of polled Americans said they wanted the climate crisis to be confronted right away, with smaller groups happy to wait a few more years and just 18% rejecting any need to act.

Warnung vor Wasserknappheit in Deutschland: Trockenheit und Dürre schlagen auch auf den Grundwasserstand durch. Eine Umweltexpertin warnt: In Zukunft könne es in einigen Regionen Deutschlands Verteilungskämpfe ums Wasser geben, etwa zwischen Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung.

Vom heiligen Blechle zum Hassobjekt? Die Kritik am Individualverkehr muss mit einer gesellschaftskritischen Perspektive verknüpft werden, sonst könnte sie Motor für Modelle von Uber und Co werden

The world has a third pole – and it’s melting quickly

Mingyong is one of the world’s fastest shrinking glaciers, but locals cannot believe it will die because their own existence is intertwined with it. Yet its disappearance is almost inevitable.

Khawa Karpo lies at the world’s “third pole”. This is how glaciologists refer to the Tibetan plateau, home to the vast Hindu Kush-Himalaya ice sheet, because it contains the largest amount of snow and ice after the Arctic and Antarctic – about 15% of the global total. However, a quarter of its ice has been lost since 1970. This month, in a long-awaited special report on the cryosphere by the Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), scientists will warn that up to two-thirds of the region’s remaining glaciers are on track to disappear by the end of the century.

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