Climate Justice durch Reperationszahlungen für langfristige klimaphysikalische Effekte des Kolonialismus

9. Dezember 2019 11:11 | #Klimawandel #Politik #Wirtschaft

Ein Teil des Pariser Abkommens, über den derzeit in Madrid gestritten wird, behandelt Ausgleichzahlungen für die Kosten des Klimawandels an Entwicklungsländer, die aufgrund ihrer geographischen Lage unproportional und zuerst von den Auswirkungen getroffen werden.

BBC: Climate change: UN negotiators ‘playing politics’ amid global crisis

UN negotiators meeting in Madrid have been accused of “playing politics” while the climate crisis grows. […] the talks are stuck on two tricky, technical issues – one about the question of loss and damage, the other about carbon markets. […] The question of loss and damage sees developing countries looking for a new facility in the UN talks that would deal with the impacts of events like sea level rise or major storms that have a climate component. They argue that the poorest are the ones feeling the impacts of a climate they didn’t create.

Rich countries have long resisted the idea feeling they will be on the hook for billions of dollars for centuries to come. Up to now these discussions have been led by civil servants, but the arrival of ministers will likely clarify if both can be resolved by political horse trading.

Die Geschichte hat einen sehr seltsamen Gerechtigkeitssinn. Denn ist es nicht so, dass aufgrund der Ausbeutung armer Nationen im 19. Jahrhundert erst die gigantischen Absatzmärkte geschaffen und Rohstoffe erbeutet wurden für genau die Industrialisierung, die uns nun mit CO2-Emissionen über Bande in den Arsch beisst? Fusst die Entwicklung der Industrialisierung nicht auf der Kolonisierung Indiens und die Öffnung des Subkontinents für die englische Textilindustrie und das dadurch geschaffene Monopol der East-India Company? Ich verwette meinen Allerwertesten, dass man das messen kann, wenn man Entwicklungen der Bruttosozialprodukte mit Klimadaten abgleicht und das Ergebnis historisch-geographisch strukturiert. Kein Wunder, dass reiche Nationen das Thema bei Klimaverhandlungen meiden wie Butze die Wahrheit.

Von den von Sturmfluten betroffenen Inselstaaten und den verarmten Nationen Südamerikas, die von den Spaniern verwüstet wurden, bis zu den OPEC-Ländern, die mittelfristig vor einem totalen Ausfall ihrer einzigen Resource und der völligen Verödung ihrer Länder stehen. Oder denkt wirklich jemand, in 50 Jahren bei 5°C heißeren Temperaturen kauft noch jemand eine Wohnung auf der billig aufgehäuften Kunstinseln in Dubai?

Diese Klausel im Pariser Abkommen ist deshalb derzeit in Madrid so heftig umkämpft und reichere Nationen sträuben sich deshalb mit allen Mitteln, weil sie völlig zurecht befürchten, aufgrund der auf hunderte wenn nicht tausende Jahre andauernden Effekte des Klimawandels zu massiven, praktisch ewigen Ausgleichszahlungen in ungeahnter Höhe verpflichtet zu werden.

Freilich, Indien ist heute eine aufstrebende Wirtschaftsmacht und die OPEC-Staaten gehören zu den reichsten Ländern der Welt, die langfristigen Folgen des Kolonialismus wirken treffen auf völlig ungleiche Entwicklungen. Während Staaten wie Venezuela oder ressourcenschwache Gebiete in Afrika darben, setzte in anderen Nationen eine rasante Entwicklung ein. Eine Aufgabe der klimapolitischen Reparationszahlungen ist es, hier einen Ausgleich zu schaffen. Indien als aufstrebender Tigerstaat hat andere Ansprüche und Verpflichtungen, als das von Hurrikanen heimgesuchte Haiti. Reiche Nationen werden sich nicht lange gegen diesen historischen Ausgleich wehren können, es sei denn mit despotischen Mitteln auf dem internationalen Parkett.

Und genau das ist die langfristige Quittung der Geschichte für jahrhundertelange Ausbeutung technologisch unterentwickelter Staaten, für die unmenschlichen Mechanismen früher westlicher Eroberungspolitik, die unsere Industrialisierung und rasanten Fortschritt ermöglichten. Die Rache der physikalischen Erd-Systeme serviert man am besten kalt wie Gletschereis.

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