Klimaaktivisten blockieren IAA

15. September 2019 12:12 | #Klimawandel #Protest #Umwelt

Sand im Getriebe blockieren seit heute morgen erfolgreich die Eingänge der IAA in Frankfurt. Ich wünsche weiterhin gutes Gelingen und ein wunderbares autofreies Wochenende in Mainhattan. Hessenschau, FAZ, FR, spOnline, Pics u.a. von Jens Volle, Tim Wagner, Jannis Grosse.

Mehrere hundert Demonstranten des Bündnisses “Sand im Getriebe” haben am Sonntagmorgen den Haupteingang der IAA in Frankfurt und einen weiteren Zugang blockiert. In weißen Anzügen hielten sie Plakate hoch – mit Forderungen wie “Autos sind überholt”, “Autokonzerne entmachten” und “Die Straße ist besetzt – Verkehrswende jetzt”. Einige Demonstranten umkreisten das Gelände auch mit dem Fahrrad und sorgten so für Behinderungen.

Ziel sei es, “den Ablauf der IAA mit friedlichen Blockaden zu stören”, teilte “Sand im Getriebe” mit. “Wir setzen damit ein deutliches Zeichen gegen das zerstörerische Verkehrssystem, für das die weltgrößte Automesse nach wie vor steht.” Die Aktion solle zeigen, dass leere Versprechungen das Bündnis nicht mehr hinhalten könnten.

——————————————

Folgt Nerdcore.de auf Twitter (https://twitter.com/NerdcoreDe und https://twitter.com/renewalta) und Facebook (https://www.facebook.com/Crackajackz), wenn ihr meine Arbeit mögt, könnt ihr mich hier finanziell unterstützen (https://nerdcore.de/jetzt-nerdcore-unterstuetzen/).

[Klimalinks 13.9.2019] Climate Revolt in London und Hamburg; Weißes Haus übt Druck auf UN-Migrationsbehörde aus; Airport Heathrow signaljams Climate Activists; Optopia Solarpunk Zine

13. September 2019 13:09 | #Klimawandel #Politik #Protest #Wirtschaft

Contribute to Optopia – an upcoming Solarpunk Zine!

• Der Extinction Rebellion-Ableger Heathrow Pause plante für heute eigentlich, in einer Protestaktion den Londoner Flughafen außer Betrieb zu setzen. Es sollten erneut Quadcopter in der Umgebung des Flughafens gestartet werden. Gestern abend wurden in England nun die Mitglieder von Heathrow Pause festgenommen, inklusive des Mitgründers von Extinction Rebellion, direkt nach einem Spiegel-Interview. Heute morgen wurden zwei weitere Aktivisten in Gewahrsam genommen. Gleichzeitig meldeten Aktivisten, dass der Flughafen einen Start von Dronen mit Signal Jamming verhindere. Falls sich das bestätigt, wüsste ich gerne, ob und wie Signal Jamming, also einer Störung des Funkverkehrs, vereinbar ist mit einem regelkonformen Betrieb des Flughafens.

A live stream video shared on Heathrow Pause’s Twitter account showed two people struggling to get a drone off the ground. The device could be seen flashing red and green lights as the men held it above their head, but did not make it into the air. The two men, filming themselves near a road, said they were experiencing “a technical glitch”.

In a post on Twitter, the protest group said: “Heathrow using signal jamming to frustrate early flights.”

Hunderte Demonstrationen weltweit geplant – Der heiße Klimaherbst

• Ben Ehrenreich über XR: There’s Only One Antidote for Climate Despair—Climate Revolt: The machine functions only because we will it to, if only tacitly, by submitting to business as usual. So the answer is to stop submitting, and to do so in sufficient numbers that the machine would begin to wheeze and choke.

Climate activists on trial in Paris for stealing Macron portraits

Besetzung “Wilde Gasse”: Für das geplante Bauprojekt „Spreehafenviertel“ soll der Wald im Norden des Hamburger Stadtteils Wilhelmsburg gerodet werden. Gegen die Rodung fand am 08. September 2019 das WiWa-Waldfest von Gruppen wie Extinction Rebellion, Waldretter Wilhelmsburg und Zukunft Elbinsel statt. Während des Festes entstanden zwei Baumhäuser, um den Wald zu besetzen.

World losing area of forest the size of the UK each year, report finds: The rate of loss has reached 26m hectares (64m acres) a year, a report has found, having grown rapidly in the past five years despite pledges made by governments in 2014 to reverse deforestation and restore trees.

• Das Drecksblatt, dessen Namen ich traditionell auf dieser Website nicht nenne, titelt heute online „Was ist wichtiger, Klima oder Freiheit?“ und zeigt dazu Greta Thunberg und Joshua Wong. Sie suggerieren damit, der Kampf um Bürgerrechte in China wäre übertragbar auf die Debatte um die Rolle der Wirtschaft in einer klimawandelbedingten Gesellschaft, oder anders gesagt: Der Freiheitsbegriff der Proteste in Hong Kong wäre derselbe wie der Freiheitsbegriff in der Klimadebatte.

Wie es sich für das bösartige Drecksblatt des Springer Verlags gehört, ist diese (absichtliche) Vermischung dieser Begriffe nichts anderes als konservative Propaganda zur Bewahrung des Neoliberalismus, dessen Wirtschafts-Freiheit man durch die Proteste und den Druck der öffentlichen Meinung gefährdet sieht. Der Vergleich dieser Aktivisten hat nichts mit dem Klimawandel oder den Protesten in China zu tun, sondern alleine mit einem Talking Point der FDP, die sich gerne als freiheitliche Partei verkauft, damit aber nur die Maximierung der Handlungsfreiheit von Konzernen und Unternehmen meint. Springer-„Journalismus“ halt.

• Trumps Sharpiefix auf der Wetterkarte könnte ein Nachspiel haben, die NOAA untersucht nun, ob die Behörde Trumps Hurricane-Tweets auf politischen Druck hin verteidigt hätte. Ich fände es ja sehr lustig, wenn nach all dem Scheiß, den sich Goldenboy geleistet hat, er wegen akuter Gefährdung von Menschenleben aufgrund Eingriffs in den Katastrophenschutz gehen müsste.

• Noch mehr Druck auf Klimapolitik aus dem Weißen Haus: Leak suggests UN agency self-censors on climate crisis after US pressure. Es geht um Projekte der Migrationsbehörde, denen die USA die Finanzierung versagen will, wenn sie Klimawandel als Fluchtursache nennen. Es ist eines, wenn die Regierung der USA ihren eigenen wissenschaftlichen Dienst unter Druck setzt und diesen zensiert, es ist eine ganz andere Liga, wenn Behörden der Vereinten Nationen auf politischen Druck der USA sich nun selbst zensieren.

• Und während die USA politischen Druck auf Migratonsbehörden der UN ausübt, ein paar Migrationswissenschaftler so: Extreme Weather Displaced 7 Million People in First Half of 2019: „The organization estimated this number could hit 22 million by the end of 2019, which would be among the highest ever recorded. ‘In today’s changing climate, mass displacement triggered by extreme weather events is becoming the norm’, the report said.“

How climate change is driving emigration from Central America

Climate Change Will Create 1.5 Billion Migrants by 2050 and We Have No Idea Where They’ll Go

Arbeitsplätze in den Wind geschossen: Die Windmesse im norddeutschen Husum wird vom Negativrekord beim Windkraft-Ausbau überschattet. Damit verbunden sind tausendfache Entlassungen. Doch wieso ist der Aufschrei um Arbeitsplätze in der Erneuerbaren-Branche so viel leiser als in der Kohleindustrie? [Weil Arbeitsplätze kein wirklicher Punkt in der Agenda der Konservativen sind, sondern traditionelle Arbeitsplätze, wen jucken denn bitte Windmüller.]

• Vox mit einem Dreiteiler über Extremwetter-Szenarien: 122 degrees for days: the looming Phoenix heat wave that could harm thousands, This is a worst-possible wildfire scenario for Southern California und 26 feet of water: What the worst-case hurricane scenario looks like for Tampa Bay.

WAS WÄRE, WENN STÄDTE GUT FÜR DAS KLIMA WÄREN? Ber­lin 2030 — Eine Vision:

Das Poten­zi­al hat eine Grup­pe von Wis­sen­schaft­ler rund um Vol­ker Qua­sch­ning von der Hoch­schu­le für Tech­nik und Wirt­schaft (HTW) in Ber­lin berech­net: Sie sehen das Poten­ti­al 60 bis 100 Mal so hoch wie der heu­ti­ge Aus­bau­stand. Die heu­te auf Ber­li­ner Dächern rea­li­sier­ten 100 Mega­watt an Solar­an­la­gen erzeu­gen gera­de ein­mal so viel Strom, wie eine ein­zi­ge gro­ße Frei­flä­chen­an­la­ge in Brandenburg.

Um das Poten­ti­al aus­zu­nut­zen, haben Senat und Abge­ord­ne­ten­haus einen Mas­ter­plan ​“Solar­ci­ty” ver­ab­schie­det, der Teil des Ber­li­ner Ener­gie- und Kli­ma­schutz­pro­gramms 2030 ist. Er sieht eine 40 Mal so hohe Solar­nut­zung vor, um zumin­dest 25 Pro­zent des Strom­be­darfs aus Pho­to­vol­ta­ik inner­halb der Stadt­gren­zen zu erzeu­gen.

Studie: Zubau privater Photovoltaik-Anlagen und Heimspeicher wird sich bis 2035 wegen Elektromobilität vervierfachen

• Wie Rebound-Effekte im Verkehr technische Innovation ausbremst: Verkehr im Kapitalismus – Die Wachstumsspirale.

Kosten der energetischen Sanierung – Gebäude in der Klimafalle: Rechnerisch müssten demnach in den nächsten zehn Jahren die CO2-Emissionen von rund 40 Prozent aller Gebäude auf null sinken oder von rund 80 Prozent um die Hälfte reduziert werden, damit die Klimaziele erreicht werden können. Das erfordert Investitionen in Milliardenhöhe. Ohne staatliche Unterstützung kann das aus Sicht der Wohnungswirtschaft und der Mietervertreter nicht gelingen.

• Kanada deckelt seine Zuschüsse für Gebäudesanierung in Überflutungsgebieten: Canada Tries a Forceful Message for Flood Victims: Live Someplace Else: Unlike the United States, which will repeatedly help pay for people to rebuild in place, Canada has responded to the escalating costs of climate change by limiting aid after disasters, and even telling people to leave their homes. It is an experiment that has exposed a complex mix of relief, anger and loss as entire neighborhoods are removed, house by house.

Forscher halten Erdgas für klimaschädlicher als offiziell angegeben: Erdgas gilt als wichtige Brückentechnologie für die Energiewende. Doch laut einer Studie, die dem SPIEGEL vorliegt, sind die offiziellen Angaben über klimaschädliche Methanemissionen oft zu niedrig.

Greta Thunberg @ Daily Show

Shut Up, Franzen: Climate change is real and things will get worse—but because we understand the driver of potential doom, it’s a choice, not a foregone conclusion.

Deutschland braucht 162 Gigawatt Photovoltaik bis 2030, um Stromlücke zu verhindern

• CDU weiterhin unwählbar: „CO2-Steuer oder Emissionshandel? Die Frage ist zumindest vonseiten der Unionsparteien geklärt. CDU und CSU haben am gestrigen Donnerstag ein Konzept vorgelegt, das auf den Handel mit CO2-Zertifikaten setzt, um Deutschlands Klimaziele zu erreichen.“

• Ach komm, wenn man Autos aus den Innenstädten schmeisst, lebt sich’s dort länger und die Leute fühlen sich wohler, wer hätte das gedacht echt jetz voll krass Barcelona’s car-free ‘superblocks’ could save hundreds of lives.

• ELektrokreuzfahrt: Klimafreundlich cruisen ab 2020 auf der „Aida Perla“

Carmakers near CO2 cliff-edge in electrification race

Europas neue Köpfe fürs Klima: Ursula von der Leyen hat ihre EU-Kommission präsentiert: Fünf der neuen EU-Kommissare sind für Klima- und Energiefragen zuständig.

• Guter Text über prätentiöses Design Thinking auf „Climathons“: Klimaproblem gelöst? Design Thinking und die Digitalisierung menschlichen Denkens und Handelns.

Die Dringlichkeit, die wir heute angesichts des Klimawandels verspüren, korrespondiert mit Michel Foucault’s Konzept des Dispositif, dem er eine strategische Funktion in Bezug auf ein historisch gesehen dringendes Bedürfnis (une urgence) zuschreibt. DT als Antwort auf diese Dringlichkeit läuft momentan Gefahr, den Menschen den Bedürfnissen der Digitalisierung anzupassen, anstatt den Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen. Unter Zeitnot oder unter Einfluss einer „Schockdoktrin“ (Naomi Klein) ist unser Denken eher dazu geneigt, rechnerisch zu funktionieren und freiwillig umprogrammiert zu werden. Die resultierenden Entscheidungen bedienen oftmals eher die eigenen kurzfristigen Bedürfnisse. Ein “computational dispositif” (Jennifer Gabrys 2014 cf Michel Foucault) entspringt somit dem “computational unconscious” (Jonathan Beller) und vice versa. Von den Lösungen und Erlebnissen profitieren meist nur die Problemlöser – langfristig ändert sich nicht viel.

——————————————

Folgt Nerdcore.de auf Twitter (https://twitter.com/NerdcoreDe und https://twitter.com/renewalta) und Facebook (https://www.facebook.com/Crackajackz), wenn ihr meine Arbeit mögt, könnt ihr mich hier finanziell unterstützen (https://nerdcore.de/jetzt-nerdcore-unterstuetzen/).

Sprechverbot wegen Klima-Kritik für Frankfurts Bürgermeister auf der IAA

13. September 2019 8:36 | #Klimawandel #Politik #Wirtschaft

Der frankfurter Oberbürgermeister spricht traditionell auf der Eröffnung der IAA, nur in diesem Jahr nicht, denn der SPD-Mann wollte die Industrie kritisieren und pochte in seiner nun auf Facebook veröffentlichten Rede auf Einhaltung von gesetzlichen Vorschriften, was natürlich ein ungeheuerlicher Vorgang ist. In seiner kurzen Keynote stellte der OB den Klimaschutz als Innovationsmotor von morgen, denkt Mobilität mit Smart Grids und öffentlichem Nahverkehr zusammen und ist damit sehr viel näher an der Zukunft, als die gesamte dort vertretene, sich selbst für nichts feiernde Automobil-Industrie.

FB: Die nicht gehaltene Rede zur IAA 2019
FR: Sprechverbot: OB Peter Feldmann darf bei der IAA-Eröffnung nicht die Rede halten

Hier die nicht gehaltene Rede:

Geehrte Frau Bundeskanzlerin, geehrter Herr Ministerpräsident,
geehrter Herr Mattes, verehrte Gäste,

die 68. Internationale Automobilausstellung öffnet heute ihre Tore. Wir in Frankfurt sind als Messestadt stolz darauf, dass wir Standort der IAA sind.

Frankfurt ist auch darum der richtige Ort, weil wir ein Bevölkerungswachstum in Städten und anwachsende Pendlerströme in Verbindung mit dem Anstieg an Arbeitsplätzen erleben. Darum habe ich bereits bei der vergangenen Eröffnung der IAA vor zwei Jahren einen Wandel gefordert. Konkret geht es darum, dass Menschen, die sich im guten Glauben ein Auto gekauft haben, nicht auf kaltem Wege durch Fahrverbote enteignet werden.

Wir dürfen die Verantwortung für die Produkte nicht bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern abladen, sondern wir brauchen eine Automobilindustrie, die sich gesetzeskonform verhält.

Beweisen wir, dass deutsche Innovationskraft nicht darin besteht, gesetzliche Vorgaben zu umgehen, sondern die umweltschonendsten und zukunftsfähigsten Produkte zu entwickeln. Ich möchte ehrlich sein: Frankfurt braucht mehr Busse und Bahnen, aber nicht mehr SUVs.

Es kann nicht sein, dass gefordert wird, Parkhäuser neu zu bauen, weil immer mehr Autos für die bestehenden Stellplätze zu groß geworden sind. Wir brauchen eine Mobilitätswende, um den Klimawandel aufzuhalten.

Der Klimaforscher Mojib Latif betont immer wieder, dass Klimaschutz unumgänglich sei, wenn wir die günstigen Bedingungen auf der Erde erhalten wollen. Damit verbindet er auch eine optimistische Haltung, an die ich ausdrücklich anknüpfen möchte: Für Professor Latif ist Klimaschutz der Innovationsmotor schlechthin. Er sagt: „Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien. Sie dezentral zu nutzen und ihre Anwendung mit der Digitalisierung zu optimieren, ist das Gebot der Stunde. Hier muss Deutschland vorne auf der Lokomotive sitzen, wenn wir unseren Wohlstand langfristig sichern möchten. Und nur so werden wir andere Länder beim Klimaschutz mitreißen.“

Meine Damen und Herren, wir brauchen einen ökologischen Umbau der Industrie, bei dem niemand auf der Strecke bleibt, nicht die Verbraucher, nicht die Beschäftigten der Branche, aber auch nicht die Umwelt. Ich wünsche mir, dass der Wandel gelingt und wir einen technologischen Fortschritt bekommen, aus dem endlich ein Fortschritt für alle wird. Wirtschaft und Ökologie dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Begreifen wir den Einsatz, vor allem auch vieler junger Menschen, gegen den Klimawandel nicht als Bedrohung, sondern tatsächlich als große Chance. Als Oberbürgermeister bin ich allen, die sich an Demonstrationen beteiligen, dankbar, weil es ihnen nicht vorrangig um das eigene Wohl, sondern um eine gute Zukunft für uns alle und den Kampf gegen den Klimawandel geht.

Dieser Einsatz ist nicht, wie manche meinen naiv, sondern er ist dringend notwendig! Frankfurt war im vergangenen Jahr die Stadt mit den meisten Demonstrationen. Es gehört zu unserer politischen Kultur, laut zu sagen, was man denkt. Zugleich ist klar: Friedliche Proteste haben immer ihren Platz in unserem Frankfurt, Gewalt lehnen wir in allen Erscheinungsformen entschieden ab. Darum appelliere ich auch an dieser Stelle an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Sie und ihr habt zu Recht viel Sympathie und Unterstützung, sorgt mit dafür, dass es lebhaft, aber immer friedlich bleibt!

Unserer IAA wünsche ich Erfolg, ich wünsche allen Teilnehmern Offenheit und Empathie den Forderungen der vielen jungen Menschen gegenüber. Begreifen wir die sozial-ökologische Verkehrswende als unsere gemeinsame Herausforderung.

Ich danke Ihnen.

——————————————

Folgt Nerdcore.de auf Twitter (https://twitter.com/NerdcoreDe und https://twitter.com/renewalta) und Facebook (https://www.facebook.com/Crackajackz), wenn ihr meine Arbeit mögt, könnt ihr mich hier finanziell unterstützen (https://nerdcore.de/jetzt-nerdcore-unterstuetzen/).

Wald im Stadion

11. September 2019 9:34 | #Klimawandel #Umwelt #Wälder

Klaus Littmann hat 300 Bäume ins Wörthersee-Fußballstadion in Klagenfurt, Österreich, verpflanzt und verwandelte das Spielfeld mit seinem Landschaftsarchitekt Enzo Enea in einen mitteleuropäischen Mischwald. Die Bäume sollen nach der Installation auf ein stadtnahes Gelände verpflanzt werden.

Der Wald im Stadion sieht optisch bereits einigermaßen ungewöhnlich aus, was die Installation aber einzigartig macht ist die Atmosphäre mit Besuchern auf den Rängen und den typischen Durchsagen eines Stadionsprechers, als ob die Bäume da jetzt irgendetwas performen würden – was sie natürlich auch tun.

Die Arbeit basiert auf einer Zeichnung von Max Peintner: „Mit der Bleistiftzeichnung von Max Peintner ‘Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur’ (1970/71) wird die Bedrohung der Natur nicht didaktisch mit erhobenem Zeigefinger, sondern über eine Gedankenfigur vermittelt: Stell dir vor, der Wald gibt es nur mehr als Ausstellungsstück! Mit dieser Fiktion war der Künstler seiner Zeit weit voraus, wurde das Problem des Waldsterbens doch erst in den 1980er-Jahren breit diskutiert. Die ersten futuristischen Zeichnungen entstanden unter dem Titel ‘Beiträge zur Zukunft. Technik- und Zivilisationskritik unter dem Deckmantel der Utopie’.

Ich halte die Megalomanie des Projekts zwar für grenzwertig und habe ein Problem mit den Industriellen, die sich im Blog des Waldstadions grünwaschen dürfen, andererseits weist die Installation auf genau diese Ambivalenz der Verhältnis des modernen Mensch zur Natur hin. Mit eingebauten Baumhäusern von Umweltaktivist:innen fände ich die Installation aber definitiv sympathischer.

„For Forest – Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ ist vom 8. September bis 27. Oktober 2019 zu sehen, der Eintritt ins Stadion ist kostenlos.

Von den Rängen aus können die Zuschauer die Bäume auf dem Feld, wo sonst gespielt wird, Tag und Nacht (von 10:00 bis 22:00 Uhr) bei freiem Eintritt bestaunen. Dieses ebenso ungewohnte wie faszinierende Bild wird ganz verschiedene Emotionen und Reaktionen auslösen. Je nach Tages- oder Nachtzeit bilden die Bäume eine sich ständig verändernde Landschaft, die sich durch Witterungseinflüsse sowie die saisonale Herbstfärbung des Laubes weiter verändern wird. Dieser emotionale Eindruck wird durch die völlig neue Betrachtungsweise des scheinbar Gewohnten – des Waldes – weiter verstärkt. Mit dieser monumentalen Installation möchte Littmann unsere Wahrnehmung der Natur herausfordern und den Blick auf die Zukunft der Mensch-Natur Beziehung schärfen.

Das Projekt versteht sich auch als Mahnmal dafür, dass die Selbstverständlichkeit der Natur eines Tages nur noch in ihr speziell zugewiesenen Gefäßen zu bestaunen sein könnte, wie das bereits heute etwa mit Tieren im Zoo der Fall ist.

——————————————

Folgt Nerdcore.de auf Twitter (https://twitter.com/NerdcoreDe und https://twitter.com/renewalta) und Facebook (https://www.facebook.com/Crackajackz), wenn ihr meine Arbeit mögt, könnt ihr mich hier finanziell unterstützen (https://nerdcore.de/jetzt-nerdcore-unterstuetzen/).

Die Erfindung des Autos

10. September 2019 12:00 | #Klimawandel #Umwelt

Extra3 zum Start der IAA: „Stell dir vor, es gäbe keine Autos? Stell dir vor, du könntest alle Ziele auch gut mit Bahn und Fahrrad erreichen. Müsste man das Auto dann erfinden?“ 🏎

——————————————

Folgt Nerdcore.de auf Twitter (https://twitter.com/NerdcoreDe und https://twitter.com/renewalta) und Facebook (https://www.facebook.com/Crackajackz), wenn ihr meine Arbeit mögt, könnt ihr mich hier finanziell unterstützen (https://nerdcore.de/jetzt-nerdcore-unterstuetzen/).

[Klimalinks 10.9.2019] Jonathan Franzen Klima-Apokalyptiker; 7 Billionen Dollar durch Adaptions-Investitionen; VW ID.3 – Elektromobilität for the masses

10. September 2019 11:38 | #Klimawandel #Politik #Umwelt #Wirtschaft

➔ Jonathan Franzen im New Yorker über die unabwendbare Klimakatastrophe: What if we stopped pretending? „The climate apocalypse is coming. To prepare for it, we need to admit that we can’t prevent it.“

Ich bin selbst eher Klima-Pessimist und sehe in den kommenden Jahrzehnten massive Aufgaben auf uns zukommen. Wir werden Migrationsströme lenken müssen und das Model der industriellen Wirtschaftsproduktion umbauen müssen, während wir Folgen der ansteigenden Meeresspiegel eindämmen und Verschleiß durch höhere Temperaturen ausgleichen müssen. Gleichzeitig erzwingt der Klimawandel eine internationale Kooperation durch jedes einzelne Land der Erde. All das ist in seiner Konzentration bislang ungesehen, in seinem Ausmaß allerhöchstens und nur vage vergleichbar mit den Mobilmachungen während des zweiten Weltkriegs.

Im Gegensatz zu Franzen aber halte ich die katastrophalsten Folgen nicht für unvermeidbar. Die internationale Kooperation bedingt eine neue globale Politik, die Kosten, die auf die Wirtschaft zurasen, bedingen neue Formen der Produktion und all dies beinhaltet auch massive Gewinne unter dem neuen Paradigma der Nachhaltigkeit, nur vielleicht nicht grade für Exxon.

➔ Ein neuer Bericht der Global Commission on Adaptation, der unter anderem UN Generalsekretär Ban Ki-moon, Umweltminister von China, Indien und Kanada, Bill Gates und Kristalina Georgieva, Vorstandsvorsitzende der Weltbank angehören, beziffert Gewinne aus Klima-Investments. Laut Bericht können durch die Investition von 1,8 Billionen Dollar mehr als 7 Billionen Dollar erzielt werden. BBC, Guardian, Bericht der GCA.

The report says those most affected by climate change “did least to cause the problem – making adaptation a human imperative”.

Media captionFive things the world needs to invest in to be “climate change resilient”
Its primary aim is to put climate change adaptation on to the political agenda around the world. And to do this, it sets out “concrete solutions” and an economic plan. There are, it says, five things the world should invest in over the next decade:

  1. Warning systems: For the vulnerable island and coastal communities in particular, early warnings about storms, very high tides and other extreme weather can save lives. Better weather monitoring and a simple app for fishing communities in the Cook Islands, for example, allows them to plan according to the sea conditions
  2. Infrastructure: Building better roads, buildings and bridges to suit the changing climate. One project in New York City has set out to paint rooftops white – a heat-reflecting strategy to cool buildings and neighbourhoods
  3. Improving dry-land agriculture: Something as simple as helping farmers to switch to more drought-resistant varieties of coffee crop could protect livelihoods and prevent hunger
  4. Restoring and protecting mangroves: Underwater mangrove forests protect about 18 million people from coastal flooding, but they’re being wiped out by development. Restoration projects could protect vulnerable communities from storms and boost fisheries’ productivity
  5. Water: Protecting water supplies – and making sure that water’s not being wasted – will be vital in a changing climate

➔ Degrowth-Symbolik: Ein junger Mann namens Tevon Varlack hat dem Wallstreet-Stier auf dem Broadway mit einem Banjo „Fuck Trump“ rufend den Schädel eingeschlagen. Well done, sir.

‘Mindless growth’: Robust scientific case for degrowth is stronger every day:

The vast majority of new income from GDP growth doesn’t benefit ordinary people – it goes straight to the very richest. Despite massive growth in high-income nations over the past few decades, in many cases wages and median incomes have stagnated and poverty rates are up. Most people have gained little in terms of health and happiness.

In other words, we’re all working needlessly long hours to generate continued economic growth, with deadly consequences for our living planet, all so that a rich elite can get even richer.

➔ Russland baut massenweise Eisbrecher, um in der auftauenden Arktis neue Wirtschaftsrouten zu etablieren, anscheinend strebt Putin eine Art Mautsystem mit Eisbrechern an, die Schiffe durch die Arktis eskortieren: How Russia and China are preparing to exploit a warming planet.

A global quest for resources is already underway in the Arctic, said Goodman, now a senior fellow at the Woodrow Wilson Center Polar Institute. “There are thought to be vast stores of fossil fuels, oil and gas and minerals across the Arctic that have not yet been tapped. Russia is doing so today across its vast Arctic coastline with the help of China,” she said.

Russia is vying for control of Arctic seaways and has built some 40 icebreakers — ships that can channel through ice. “Russia envisions under Putin a northern sea route that is essentially a toll road that requires Russian Arctic escorts in the form of icebreakers or other patrol boats, escorting not only the Chinese but others who want to ship across the Arctic,” she said. By contrast, the U.S. has only two icebreakers, she said.

Meanwhile, China, which is not a polar country, has launched aggressive Arctic diplomacy and gained non-voting observer status for itself at the Arctic Council, the international forum that addresses policy in the Arctic. Last year, China issued its first arctic policy.

Forbes über den neuen Energiewende-Index von McKinsey und das Dilemma der Energiewende: Renewables Threaten German Economy & Energy Supply, McKinsey Warns In New Report. Wenn wir nicht beim Lagerfeuer Bratwurscht grillen wollen, sollten wir ernsthaft nochmal über den Atomausstieg nachdenken. Ich ziehe einen ausreichenden Klimaschutz dem Atomausstieg jederzeit vor und beides zusammen wird zumindest in einer Übergangsphase schwierig.

Proteste zur IAA: Die Industrie zum Nachdenken bringen: Anlässlich der Internationalen Automobil-Ausstellung wollen am Wochenende Tausende in Frankfurt am Main für die Verkehrswende demonstrieren. Zu den Forderungen gehört ein sofortiger Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor.

Volkswagen unveils the ID.3, its first ‘electric car for the masses’

➔ Inside Climate News über den Bericht von Carbon Tracker über die Öl-Industrie: New Oil Projects Won’t Pay Off If World Meets Paris Climate Goals.

➔ Feuerwetter: Australia Bushfires Arrive Early, Destroying Historic Lodge in ‘Omen’ of Future: „Fire weather has never been as severe this early in spring.“ Und: „this year the bushfire season actually started in winter, two months earlier than normal. Most alarmingly, some of these fires are occurring in subtropical and coastal areas that don’t usually burn.“

Climate crisis is greatest ever threat to human rights, UN warns: “The world has never seen a threat to human rights of this scope,” [UN rights chief, Michelle Bachelet] told the UN human rights council in Geneva. “The economies of all nations, the institutional, political, social and cultural fabric of every state, and the rights of all your people, and future generations, will be impacted” by climate change, she warned.

——————————————

Folgt Nerdcore.de auf Twitter (https://twitter.com/NerdcoreDe und https://twitter.com/renewalta) und Facebook (https://www.facebook.com/Crackajackz), wenn ihr meine Arbeit mögt, könnt ihr mich hier finanziell unterstützen (https://nerdcore.de/jetzt-nerdcore-unterstuetzen/).

Naomi Klein und Greta Thunberg über Klimawandel, den Green New Deal und ein Recht auf Zukunft

10. September 2019 8:13 | #Klimawandel #Umwelt

The Intercept lud gestern zu einem Gespräch zwischen Naomi Klein (No Logo, Shock Doctrine, Kapitalismus vs. Klima) und Greta Thunberg über das Recht der Jugend auf eine Zukunft.

Die Veranstaltung bildet den Auftakt der Aktion „Covering Climate Now“ von über 170 Medien, um im September gemeinsam über die Klimakrise zu berichten. Am 20. September startet dann die Woche des globalen Klimastreiks, der den UN-Klimagipfel in New York am 23. September begleiten wird.

Zunächst sprechen die Aktivisten Xiuhtezcatl Martinez, Xiye Bastida und Vic Barrett, das Gespräch zwischen Naomi Klein und Greta Thunberg beginnt ab Minute 45. Greta Thunberg lässt ihre Reden übrigens von Wissenschaftlern gegenchecken und ich frage mich, ob Sharpie-Trump nicht auch lieber ein wissenschaftliches Gremium über seine intellektuell hochwertigen Ergüsse drüberschauen lassen sollte, nur so zur Sicherheit versteht sich.

Im Intro der Veranstaltung zeigen sie einen Clip „A Message From The Future“ mit Alexandria Ocasio-Cortez’ Green New Deal illustriert von Molly Crabapple, unten dasselbe Video in guter Qualität und mit Soundspur.

Naomi Kleins neues Buch On Fire: The Burning Case for a Green New Deal erscheint am 17. September:

On Fire gathers for the first time more than a decade of her impassioned writing from the frontline of climate breakdown, and pairs it with new material on the staggeringly high stakes of what we choose to do next.

Here is Klein at her most prophetic and philosophical, investigating the climate crisis not only as a profound political challenge but also as a spiritual and imaginative one. Delving into topics ranging from the clash between ecological time and our culture of ‘perpetual now,’ to rising white supremacy and fortressed borders as a form of ‘climate barbarism,’ this is a rousing call to action for a planet on the brink.

With dispatches from the ghostly Great Barrier Reef, the smoke-choked skies of the Pacific Northwest, post-hurricane Puerto Rico and a Vatican attempting an unprecedented ‘ecological conversion,’ Klein makes the case that we will rise to the existential challenge of climate change only if we are willing to transform the systems that produced this crisis.

This is the fight for our lives. On Fire captures the burning urgency of the climate crisis, as well as the energy of a rising political movement demanding change now.

——————————————

Folgt Nerdcore.de auf Twitter (https://twitter.com/NerdcoreDe und https://twitter.com/renewalta) und Facebook (https://www.facebook.com/Crackajackz), wenn ihr meine Arbeit mögt, könnt ihr mich hier finanziell unterstützen (https://nerdcore.de/jetzt-nerdcore-unterstuetzen/).

Klima-Aktivisten vs IAA: Der Sand im Getriebe des Neoliberalismus

8. September 2019 19:17 | #Klimawandel #Politik #Protest #Wirtschaft

Klimaaktivisten von Sand Im Getriebe bereiten sich derzeit auf die Blockade der IAA in Frankfurt vor und die Grenzwertfälschungs-Manager machen sich Sorgen und haben Angst vor Umweltschützern:

Die IAA in diesem Jahr wird begleitet von Protesten, wie sie im Autoland unbekannt waren bislang. Für den Samstag in einer Woche ist eine Großdemo angekündigt, das Motto: Aussteigen. Eine Initiative namens “Sand im Getriebe” will am Tag darauf verhindern, dass überhaupt Besucher auf die Messe kommen und den Lamborghinis über die Kotflügel streicheln: Sitzblockaden wird es wohl geben.

In der Branche haben sie jedenfalls ordentlich die Hosen voll. Wer sich in diesen Tagen mit Automanagern unterhält über die wichtigsten Trends, hört nichts von Fahrerassistenzsystemen oder feschen Designs, sondern: Die Proteste sind das Relevanteste. Von Angst ist da sogar manchmal die Rede. Der eine regt sich auf, dass da Menschen mit Sturmhauben vom G20-Gipfel in Hamburg über den Hambacher Forst zur IAA ziehen würden. Ein anderer berichtet von den umfangreichen Vorbereitungen im Polizeipräsidium Frankfurt und von Schutzmaßnahmen.

Die Verwalter des Niedergangs der Industriekultur des 20. Jahrhunderts machen sich völlig zurecht Sorgen. Das Handelsblatt beschreibt grade in einem Artikel das angebliche Dilemma der Automobil-Industrie: Sport Utility Vehicles (SUVs) stellen das meistverkaufte Segment am Markt dar und werden konsequenterweise am intensivsten beworben. Gleichzeitig winkt die EU mit neuen Grenzwerten ab 2020 und Strafzahlungen pro verkauftem Auto, die den Autoherstellern die Bilanzen verhageln werden. Das erfolgreichste Model der Branche wird also mittelfristig unrentabel, während das Produkt Automobil insgesamt und langfristig an Rückhalt in der Gesellschaft verliert.

Ich habe da sehr wenig Mitleid. Praktisch alle Autohersteller haben Jahre damit verschwendet, ihre Anlagen zur Messung von Schadstoff-Ausstoßen zu frisieren und die Ergebnisse zu fälschen und damit ihren eigenen Markt verzerrt, der nun folgerichtig ein Emissionsmonster als angeblich bestes und begehrenswertestes Produkt erzeugt – und das nur aufgrund viel zu billiger Benzinpreise existieren kann.

Hätten sie sich an gesetzliche Vorgaben verhalten, wäre das Ausmaß ihres eigenen Versagens möglicherweise nicht ganz so katastrophal für alle Beteiligten und es ist nur gerecht, wenn CO2-Preise der Branche nun die Produktpalette verteuert und die Manager danke ihrer schlechten Entscheidungen nun der Arsch auf Grundeis geht, als hätte man diesen eigentlich ökonomisch völlig banalen Fixkosten-Punkt nicht seit den 80ern vorausahnen können.

Denn das angebliche Dilemma ist keines, sondern schlichtweg das Ende einer Illusion, die schädlichen Wirkungen der Ausbeutung von Rohstoffen wäre nicht Teil einer ökonomischen Gleichung, man hat diese Kostenpunkte aber aus Gründen der Kostenvermeidung schlichtweg „vergessen“. Oder vielleicht für CEOs verständlicher: Die Kosten der Rohstoff-Extraktion wurden an die planetare Lebenserhaltungsindustrie outgesourced und die präsentiert nun ihre happige Rechnung.

Die Bedingungen wirtschaftlicher Freiheit und des Liberalismus ändern sich gerade und es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Konservative und Liberale als politische Repräsentanten der Auto-Industrie darauf nicht vorbereitet sind, denn sie sind nicht wirklich die Parteien der Freiheit, sondern sie sind die Parteien der Bedingungen einer Freiheit, die durch frisierte Bilanzen erkauft wurden. Die Zeit hat einen guten Artikel über genau dieses Ende dieser Illusion des kapitalistischen (Neo-)Liberalismus: „Die Freiheit, die der Kapitalismus in Anspruch nimmt, ist blind für die Abhängigkeit von dem, was man früher einmal Natur genannt hat.“

Die Industrie des Individualverkehrs steht wie keine andere sowohl für den ungezügelten Kapitalismus und seine Technosphäre, die den anthropogenen Klimawandel hervorbrachte, als auch für die erkaufte Freiheit, die dieser Kapitalismus verkörpern will. Es ist nur fair, dass es diese Industrie ist – der sprichwörtliche Motor eines nur scheinbar grenzenlosen Wirtschaftswachstums –, die nun als eine der ersten Branchen in den Fokus der neuen Umweltaktivisten gerät. Fuck your feelings, Automobilbranche.

Das Projekt der Moderne war ein Befreiungsunternehmen, es war die stolze und rechtmäßige Feier der menschlichen Autonomie. Mit rasender Geschwindigkeit, in einem Wimpernschlag der Erdgeschichte, hat es sich von der Übermacht der Natur emanzipiert. Doch jetzt, so scheint es, wird die moderne Gesellschaft von dem eingeholt und bedroht, von dem sie sich so triumphal befreit hat – von der Natur. Sie hat wieder etwas, das größer ist als sie selbst, oder wie ein Konservativer, dem die eigene Überlieferungsgeschichte noch geläufig ist, sagen würde: Sie hat ein Schicksal, und diesmal hat es der Mensch selbst gemacht. Nicht einmal 300 Jahre haben die Planetenbewohner gebraucht, um in aller Freiheit Abermilliarden Tonnen Kohlenstoff in die Luft zu blasen. Sie raubten der Natur die Rohstoffe und fühlten sich frei, die entstandene Lücke mit ihrem Abfall zu füllen. Die große kapitalistische Industrie, wie Karl Marx bemerkte, nahm das Gratisgeschenk der Natur dankbar entgegen. Der Kommunismus übrigens auch.

Was aus diesem Befund für den liberalen Freiheitsbegriff folgt, kann man sich an fünf Fingern abzählen. Wenn die Klimakrise so gewaltig ist, wie die erdrückende Mehrheit der Klimaforscher behauptet, dann hat die Freiheit definitiv keine Wahl mehr, sie muss umsteuern oder, wie einige fordern: Sie muss die Laufrichtung ändern. Freiheit schlägt um in Unfreiheit, denn unter den Bedingungen von Erderwärmung und Artensterben stünde das Ziel allen politischen Handelns immer schon fest, absolut, unverrückbar und für lange Zeit. Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit und reduziert sich darauf, die Folgen früherer Freiheitsentscheidungen zu bekämpfen: Eine Zukunft gibt es nur, wenn es in der Gegenwart gelingt, die Fehler der Vergangenheit zu minimieren.

——————————————

Folgt Nerdcore.de auf Twitter (https://twitter.com/NerdcoreDe und https://twitter.com/renewalta) und Facebook (https://www.facebook.com/Crackajackz), wenn ihr meine Arbeit mögt, könnt ihr mich hier finanziell unterstützen (https://nerdcore.de/jetzt-nerdcore-unterstuetzen/).

[Klimalinks 8.9.2019]: Korallen-Zyklen sind nicht mehr synchronisiert; Hitzewelle im Pazifik; Hoffnung in der Klimakrise

8. September 2019 17:53 | #Klimawandel #Politik #Umwelt #Wirtschaft

Der Klimawandel beeinflusst die Synchronisation der Fortpflanzung von Korallen. Korallenriffe pflanzen sich kollektiv fort, in dem ihre Korallen synchronisiert gemeinsam Eier und Spermien ins Wasser abgeben in der „größten Orgie der Welt“. Seit ein paar Jahren allerdings folgen manche Korallenspezies keinem gemeinsamen Muster mehr. Da Eier und Spermien nur ein paar Stunden im Wasser überleben und damit die Synchronisation der Fortpflanzung überlebenswichtig ist, sind diese Spezies nun vom Aussterben bedroht.

• Im Juli stellte eine Studie fest, dass wir bereits jetzt genug Kraftwerke und Infrastruktur gebaut haben, um die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erfehlen. Nun hat eine neue Studie insgesamt den Anteil der Investitionen von Big Oil beziffert, der dafür verantwortlich ist: Oil and gas companies undermining climate goals, says report.

Carbon Tracker, a financial thinktank, found that ExxonMobil, Chevron, Shell and BP each spent at least 30% of their investment in 2018 on projects that are inconsistent with climate targets, and would be “deep out of the money in a low-carbon world”. Andrew Grant, the author of the report, said: “Every oil major is betting heavily against a 1.5C world and investing in projects that are contrary to the Paris goals.”

The study is the first to analyse individual projects to test whether they are compliant with a 1.5C world, and whether they would be financially sustainable in a low-carbon world.

It found that none of the largest listed oil and gas companies are making investment decisions that are in line with global climate goals, and risk wasting $2.2tn (£1.8tn) by 2030 if governments take a tougher stance on carbon emissions.

Der höchste Berggipfel von Schweden verliert seinen Titel als höchster Punkt des Landes, weil der Gletscher am Berg geschmolzen ist. Zugegeben, die Headline ist ein bisschen Beschiss, aber nur ein wenig: Der Kebnekaise hat zwei Gipfel, einer davon ist von einem Gletscher überzogen und dieser ist nun geschmolzen. Der höchste Gipfel ist jetzt mit 2096,8 Metern der nördliche Gipfel, anderthalb Meter höher als die südliche Bergspitze.

• David Byrne in seinem neuen Blog über Reasons to be cheerful: Can Lawsuits Save Planet Earth? The Natural Resources Defense Council […] has an army of some 500 lawyers who, in collaboration with other organizations, have become one of the most effective forces we have for large-scale protection of the planet.

Hoffnung in der Klimakrise: Die wahren Realisten sind jene, die die Möglichkeit der Katastrophe ernst nehmen.

Ocean temperatures have skyrocketed in the northeast Pacific, ushering in conditions reminiscent of 2015.

Die Klimareporter über den Vorschlag aus der CSU, einen Höchstpreis für CO2 einzuführen:

Keiner, kein Experte oder Wissenschaftler, hat bisher in der Debatte um den Emissionshandel jemals Preis-Obergrenzen gefordert. Auf so etwas kommt nur die CSU. Klingt natürlich gut, weil es Kosten deckelt.

Dem Klima wird es nichts bringen, weil das entscheidende Steuerungsinstrument in dem System des Emissionshandels von Beginn an so entschärft wird, dass das ganze System nicht mehr funktionieren wird. Eine Art Schummelsoftware.

Das ist so, als wenn wir ein bundesweites Tempolimit einführen und gleichzeitig alle Fahrzeuge von ihm befreien würden. Oder eine Bahncard 50 für alle gratis, aber gleichzeitig die Bahnpreise verdoppeln.

Apropos Mindestpreise und Klimaschutz: Interessant ist, was Großbritannien im Rahmen des Emissionshandels gemacht hat. Die Briten haben im Jahr 2012 die Gunst der Stunde genutzt und zum Zeitpunkt der Tiefstpreise für CO2 einen Aufschlag in Höhe von 18 Pfund pro Tonne – also einen Mindestpreis – eingeführt. Inzwischen sind die CO2-Emissionen der Stromerzeugung in Großbritannien halbiert und 2025 soll der Kohleausstieg abgeschlossen sein.

Plastics Could Mark the Start of a Geological Era: Diese Ära wäre die „Große Beschleunigung“ („Great Acceleration“), die erste Periode in der Epoche des Anthropozäns, in der der Mensch nachweisbare Spuren in den geologischen Strukturen des Planeten hinterlässt.

Neue Analyse: Fossile Energien sind für den Löwenanteil aller Treibhausgasemissionen verantwortlich:

die Nutzung fossiler Rohstoffe für ca. 60% der globalen THG-Emissionen verantwortlich ist und damit den größten Anteil am Klimawandel hat. Die fossilen Energieträger Erdöl, Erdgas, Kohle verursachen alleine 55% der Treibhausgasemissionen.

Weitere 21% der weltweiten THG-Emissionen werden durch die derzeitige Landwirtschaft, Landnutzung und Forstwirtschaft verursacht. Die restlichen 19% der Emissionen setzen sich aus Methanemissionen aus Abwässern und der Entsorgung von Abfällen (8%), weiteren Methanquellen (7%) sowie Emissionen von Lach-(2%) und F-Gasen (2%) zusammen.

History will be kind to Heathrow climate protesters who stop us flying

‘Dead things everywhere’: is Australia facing the summer from hell?

Democrats must go to war with fossil fuel industry to take on the climate crisis

Thunderheads – Argentinas Cloud Scientists: There are 10 basic types of clouds, according to the International Cloud Atlas, which can be further subdivided into 15 species. Each of the scientists in Argentina has their favorite.

Entführte Pflanzen flüstern aus ihrem Gefängnis: „Warum bin ich hier?”: In Berlin widmen sich mehrere aktuelle Ausstellungen dem Verhältnis von Mensch und Erde.

——————————————

Folgt Nerdcore.de auf Twitter (https://twitter.com/NerdcoreDe und https://twitter.com/renewalta) und Facebook (https://www.facebook.com/Crackajackz), wenn ihr meine Arbeit mögt, könnt ihr mich hier finanziell unterstützen (https://nerdcore.de/jetzt-nerdcore-unterstuetzen/).

Mt.Plastic über Manhattan

8. September 2019 16:59 | #Klimawandel #Umwelt

Reuters hat den Verbrauch von Plastikflaschen visualisiert. Mount Plastic im Bild oben bildet die 4 Billionen leergetrunkenen Plastikflaschen der vergangenen zehn Jahre ab: „The plastic bottles sold worldwide since 2009 would tower above New York’s Manhattan Island. Data from Euromonitor International shows that more than 480 billion of these bottles were sold last year alone. The 2018 annual figure of almost 482 billion is up more than 50% since 2009.“

Zum Vergleich, die Visualisierung der 7,3 Millarden Menschen, die im Jahr 2015 auf der Erde lebten, zusammengepresst in einen Würfel.

——————————————

Folgt Nerdcore.de auf Twitter (https://twitter.com/NerdcoreDe und https://twitter.com/renewalta) und Facebook (https://www.facebook.com/Crackajackz), wenn ihr meine Arbeit mögt, könnt ihr mich hier finanziell unterstützen (https://nerdcore.de/jetzt-nerdcore-unterstuetzen/).