Greta Thunberg ist Time Mags Person des Jahres 2019

11. Dezember 2019 15:26 | #Klimawandel #Protest

Personenkult hin oder her: das Time Magazine hat Greta Thunberg zur Person des Jahres 2019 auserkoren, die Wahl ist nur konsequent und der Medien-Titel hochverdient. Greta Thunberg symbolisiert Zukunft und die Generation, die mit den Folgen unserer hedonistischen Gesellschaft fertig werden muss. Alle anderen symbolisieren Vergangenheit und eine Wirtschaftsweise, die nun an ihre natürlichen Grenzen stößt.

Ich verneige mich vor Miss Person of the Year, herzlichen Glückwunsch.

Time: 2019 PERSON OF THE YEAR: GRETA THUNBERG

On the first day of her climate strike, Thunberg was alone. She sat slumped on the ground, seeming barely bigger than her backpack. It was an unusually chilly August day. She posted about her strike on social media, and a few journalists came by to talk to her, but most of the day she was on her own. She ate her packed lunch of bean pasta with salt, and at 3 o’clock in the afternoon, when she’d normally leave school, her father picked her up and they biked home.

On the second day, a stranger joined her. “That was a big step, from one to two,” she recalls. “This is not about me striking; this is now us striking from school.” A few days later, a handful more came. A Greenpeace activist brought vegan pad thai, which Thunberg tried for the first time. They were suddenly a group: one person refusing to accept the status quo had become two, then eight, then 40, then hundreds. Then thousands.

By early September, enough people had joined Thunberg’s climate strike in Stockholm that she announced she would continue every Friday until Sweden aligned with the Paris Agreement. The Fridays for Future movement was born. By the end of 2018, tens of thousands of students across Europe began skipping school on Fridays to protest their own leaders’ inaction. In January, 35,000 schoolchildren protested in Belgium following Thunberg’s example. The movement struck a chord. When a Belgian environmental minister insulted the strikers, a public outcry forced her to resign.

By September 2019, the climate strikes had spread beyond northern Europe. In New York City, 250,000 reportedly marched in Battery Park and outside City Hall. In London, 100,000 swarmed the streets near Westminster Abbey, in the shadow of Big Ben. In Germany, a total of 1.4 million people took to the streets, with thousands flooding the Brandenburg Gate in Berlin and marching in nearly 600 other cities and towns across the country. From Antarctica to Papua New Guinea, from Kabul to Johannesburg, an estimated 4 million people of all ages showed up to protest. Their signs told a story. In London: The World is Hotter than Young Leonardo DiCaprio. In Turkey: Every Disaster Movie Starts with a Scientist Being Ignored. In New York: The Dinosaurs Thought They Had Time, Too. Hundreds carried images of Thunberg or painted her quotes onto poster boards. Make the World Greta Again became a rallying cry.

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Exxon gewinnt Klimawandel-Prozess

10. Dezember 2019 20:40 | #Klimawandel #Recht #Wirtschaft

Exxon hat den Prozess wegen Irreführung seiner Shareholder gewonnen. Der Ölkonzern hatte bereits in den 70er Jahren durch eigene Forschung Kenntnis von den Folgen der Nutzung fossiler Brennstoffe und hielt die Ergebnisse seiner Wissenschaftler unter Verschluss, bis Journalisten von Inside Climate Change in ihrer Recherche Exxon: The Road Not Taken die Dokumente veröffentlichten und der Skandal aufflog. Der Prozess galt als einer der größten und aussichtsreichsten Prozesse im juristischen Kampf gegen die Verursacher des Klimawandels.

Scheiße.

BBC: Exxon wins New York climate change fight.

Exxon Mobil has won a court battle in New York in which it was accused of misleading investors about the costs of addressing climate change. The state had argued that oil giant used two figures to calculate the risks of climate change, misrepresenting the cost in public disclosures. Exxon had denied wrongdoing. It said the two figures served different purposes. A New York judge said the evidence presented supported that claim.

WSJ: Exxon Found Not Guilty of Fraud in Climate-Change Accounting Case

“The Office of the Attorney General failed to prove, by a preponderance of the evidence, that ExxonMobil made any material misstatements or omissions about its practices and procedures that misled any reasonable investor,” Justice Ostrager wrote.

Still, he noted the case was a securities-fraud one, and his ruling only revolved around that issue. “Nothing in this opinion is intended to absolve ExxonMobil from responsibility for contributing to climate change through the emission of greenhouse gases in the production of its fossil fuel products,” the judge wrote.

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[Klimalinks 10.12.2019] Bereits jetzt erreichen wir regelmäßig 1,5°C Erderwärmung; Florida säuft noch schneller ab als gedacht; Australien brennt noch krasser als angenommen

10. Dezember 2019 15:27 | #Klimawandel #Politik #Wirtschaft #Wissenschaft

😎 Die globale Durchschnittstemperatur war vorgestern circa 1°C wärmer als im Schnitt der Jahre 1981-2010 und dieser Zeitraum war bereits rund 0,7°C wärmer, als im vorindustriellen Zeitalter. Es ist nicht das erste mal, dass globale Durchschnittstemperaturen die 1,5°C-Erwärmung erreichen. Das heisst, wir durchbrechen die vom Pariser Abkommen für 2100 eigentlich „gedeckelte“ Erderwärmung bereits heute und zwar regelmäßig.

❄️ Sehr lustig auf so ‘ne gruselige Art: Eins der dümmeren Argumente von oft rechten Klima-„Skeptikern“ ist die angebliche Panik um das Ozon-Loch, das sich natürlich nur deshalb schließt, weil man in einem internationalen Abkommen das Verbot von FCKW beschloss. Und nun stellt sich raus: Das Abkommen zum Verbot der Chlorkohlenwasserstoffe hat die Erderwärmung um rund ein halbes Grad verringert. Wenn wir also das Abkommen von Montreal nicht beschlossen hätten, läge die Erderwärmung bereits heute bei 2°C und das Pariser Abkommen wäre bereits heute hinfällig. Bis Mitte des Jahrhunderts soll alleine das damalige Verbot von FCKW die Erderwärmung um rund 1°C abmildern.

👎 Neuer Bericht des Climate Action Trackers über die Anstrengungen der Regierungen und die Kompatibilität der lokalen Gesetzgebung mit dem Pariser Abkommen. Nur zwei Staaten sind kompatibel mit einer Erderwärmung von 1,5°C (Marokko und Gambia), sechs weitere sind kompatibel mit einer Temperatursteigerung von 2°C (Indien, Kenia, Bhutan, Äthiopien, Costa Rica und die Philippinen). ALLE anderen haben unzureichende Gesetzgebungen und unzureichende Pläne für ihre Energieversorgung. Deutschlands Klimapaket ist trotz aller Debatten und Proteste „hoch unzureichend“ und nicht kompatibel mit den Klimazielen des Abkommens. Hier der Bericht als PDF, spOnline.

👍 Aber auch: „Mehr als die Hälfte der 57 größten CO2-Emittenten unter den Ländern der Erde verzeichnen, über mehrere Jahre betrachtet, sinkende Emissionstrends. Der globale Kohleverbrauch geht deutlich zurück und der weltweite Boom bei den erneuerbaren Energien ist ungebrochen. Das zeigt der neue Klimaschutz-Index, den die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch am heutigen Dienstag auf dem Klimagipfel in Madrid vorgestellt hat.“

🦌 Tauwetter in nordischen Polarregionen bedroht die Futterbestände der Rentiere, zunehmender Regen gefriert auf den verschneiten Böden und die Tiere können ihre Nahrung nicht mehr erreichen.

🐬 Wärmere Meere verlieren immer mehr Sauerstoff mit dramatischen Folgen für Artenvielfalt, vor allem für die Bestände von Haien, Thun- und Schwertfischen.

🔥 „Schöne“ Bilder aus Sydney, das durch die Buschfeuer in Australien im Rauch versinkt.

🏝 Klimanotstand auf den Marshallinseln: Während der dortigen Wahlen wird die Hauptstadt überflutet, gleichzeitig bricht Denguefieber aus und die Präsidentin bittet die internationale Gemeinschaft um Hilfe, denn für den Inselstaat bedeutet der Klimawandels ein sicheres Todesurteil.

🐟 Der Klimawandel hat in den vergangenen 20 Jahren 16% aller Fischerei-Arbeitsplätze in New England vernichtet.

🏔 Rund ein Viertel der Menschheit ist von Wasserknappheit durch abschmelzende Gletscher bedroht, gleichzeitig hat sich der Wasserverbrauch im untersuchten Zeitraum von 1900 bis 2010 vervierfacht. Bedroht sind vor allen Nationen und Bevölkerungen in Bergregionen.

💸 Teile des Energiecharta-Vertrags aus dem kalten Krieg, der damals zur Einbeziehung der Ostblock-Staaten in den europäischen Energiemarkt beschlossen wurde, ermächtigen Energie-Unternehmen zu Klagen gegen Regierungen aufgrund ihrer Klimapolitik.

💵 Die spanische Energiewirtschaft schickt Lobbyisten nach Madrid und sponsort die Klimaverhandlungen mit Millionen von Euro. Aktivisten beschuldigen die Klimakonferenz nun des Greenwashings und die Unternehmen der Unterwanderung und Verzögerung der Verhandlungen.

🤘 Der englische Kraftwerksbetreiber Drax hat Pläne vorgestellt, laut denen seine Kraftwerke innerhalb der nächsten zehn Jahre mit Carbon-Storage kohlenstoffnegativ werden sollen. Es wäre das erste kohlenstoffnegative Unternehmen der Welt. Carbon-Storage gehört zu den Schlüsselelementen einer kohlenstoffneutralen Wirtschaft, wie eine neue Studie jüngst feststellte.

💊 Bayer will bis 2030 klimaneutral werden.

🌾 Der Klimawandel bedroht die fruchtbarsten Gegenden der Welt und mehrere gleichzeitige Extremwettervorkommen wie Dürren in Amerika und Waldbrände in Brasilien könnten Schocks in internationalen Nahrungsmittel-Wirtschaftssystemen auslösen, die wiederum politische Unruhen auslösen können. Gleichzeitig hat eine neue Studie Veränderungen in den Jet-Streams festgestellt, die die Nahrungsmittelbestände noch weiter gefährden. Auch diese werden durch den Klimawandel verstärkt.

In a study published in the journal Nature Climate Change, IIASA researcher Franziska Gaupp and colleagues looked at the risk of simultaneous breadbasket failures due to climatic extremes, and how the risk has changed over time. “Climatic connections between global phenomena such as the El Niño Southern Oscilliation (ENSO) and regional climate extremes such as Indian heatwaves, or flood risks around the globe pose a risk to the global food system,” notes lead author Gaupp. “Climatic shocks to agricultural production contribute to food price spikes and famine, with the potential to trigger other systemic risks, including political unrest and migration. This analysis can provide the basis for a more efficient allocation of resources to contingency plans and strategic crop reserves that would enhance the resilience of the global food system.”

🌊 Florida säuft laut neuester Projektionen bis 2120 ab, der Meeresspiegel steigt dort bis 2070 um 1,5 Meter, bis 2120 um dreieinhalb. Der Anstieg ist nicht mehr zu verhindern und dazu kommt die berüchtigte „Hurricane-Season“ mit regelmäßigen Stürmen. Miami kämpft bereits jetzt mit den Auswirkungen eines steigenden Grundwasserspiegels, erste Bezirke werden dort bereits umgesiedelt und die Immobilienpreise fallen ins bodenlose. Kiss Florida goodbye.

At the annual meeting of the four southeast Florida counties, they raised the upper planning scenario for rising sea level, by another five inches over the coming century. As shown on their chart above, that brings the outlook for the year 2120 to 136 inches, just over 11 feet (3.5 meters).

Even looking ahead to the shorter 50-year planning horizon for construction – the year 2070 – the recommendation is 54 inches, 4 1/2 feet (1.4 meters). It will be difficult for many low-lying areas to adapt to that.

💦 Phys.org: New projection: Faster rising seas forecast in South Florida

New scientific projections released Wednesday predict that ocean levels will rise even faster than previously forecast over the next four decades in low-lying southeastern Florida, which is already prone to frequent flooding even on sunny days.

Compared with estimates made in 2015, the new prediction is for about 5 inches (12 centimeters) in additional sea level rise under a moderate outlook by 2060. The projection was released as part of a meeting of the Southeast Florida Climate Leadership Summit, which covers densely populated Miami-Dade, Broward, Palm Beach and Monroe counties.

About 3 inches (7 centimeters) of rising seas have already occurred between 1992 and 2019 in the region, according to the new study. It’s become common at high tides—especially the most robust king tides—to flood roads, parks, yards and structures as the water continues to creep upward. Sometimes the water pushes up through inland stormwater systems.

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Climate Justice durch Reperationszahlungen für langfristige klimaphysikalische Effekte des Kolonialismus

9. Dezember 2019 11:11 | #Klimawandel #Politik #Wirtschaft

Ein Teil des Pariser Abkommens, über den derzeit in Madrid gestritten wird, behandelt Ausgleichzahlungen für die Kosten des Klimawandels an Entwicklungsländer, die aufgrund ihrer geographischen Lage unproportional und zuerst von den Auswirkungen getroffen werden.

BBC: Climate change: UN negotiators ‘playing politics’ amid global crisis

UN negotiators meeting in Madrid have been accused of “playing politics” while the climate crisis grows. […] the talks are stuck on two tricky, technical issues – one about the question of loss and damage, the other about carbon markets. […] The question of loss and damage sees developing countries looking for a new facility in the UN talks that would deal with the impacts of events like sea level rise or major storms that have a climate component. They argue that the poorest are the ones feeling the impacts of a climate they didn’t create.

Rich countries have long resisted the idea feeling they will be on the hook for billions of dollars for centuries to come. Up to now these discussions have been led by civil servants, but the arrival of ministers will likely clarify if both can be resolved by political horse trading.

Die Geschichte hat einen sehr seltsamen Gerechtigkeitssinn. Denn ist es nicht so, dass aufgrund der Ausbeutung armer Nationen im 19. Jahrhundert erst die gigantischen Absatzmärkte geschaffen und Rohstoffe erbeutet wurden für genau die Industrialisierung, die uns nun mit CO2-Emissionen über Bande in den Arsch beisst? Fusst die Entwicklung der Industrialisierung nicht auf der Kolonisierung Indiens und die Öffnung des Subkontinents für die englische Textilindustrie und das dadurch geschaffene Monopol der East-India Company? Ich verwette meinen Allerwertesten, dass man das messen kann, wenn man Entwicklungen der Bruttosozialprodukte mit Klimadaten abgleicht und das Ergebnis historisch-geographisch strukturiert. Kein Wunder, dass reiche Nationen das Thema bei Klimaverhandlungen meiden wie Butze die Wahrheit.

Von den von Sturmfluten betroffenen Inselstaaten und den verarmten Nationen Südamerikas, die von den Spaniern verwüstet wurden, bis zu den OPEC-Ländern, die mittelfristig vor einem totalen Ausfall ihrer einzigen Resource und der völligen Verödung ihrer Länder stehen. Oder denkt wirklich jemand, in 50 Jahren bei 5°C heißeren Temperaturen kauft noch jemand eine Wohnung auf der billig aufgehäuften Kunstinseln in Dubai?

Diese Klausel im Pariser Abkommen ist deshalb derzeit in Madrid so heftig umkämpft und reichere Nationen sträuben sich deshalb mit allen Mitteln, weil sie völlig zurecht befürchten, aufgrund der auf hunderte wenn nicht tausende Jahre andauernden Effekte des Klimawandels zu massiven, praktisch ewigen Ausgleichszahlungen in ungeahnter Höhe verpflichtet zu werden.

Freilich, Indien ist heute eine aufstrebende Wirtschaftsmacht und die OPEC-Staaten gehören zu den reichsten Ländern der Welt, die langfristigen Folgen des Kolonialismus wirken treffen auf völlig ungleiche Entwicklungen. Während Staaten wie Venezuela oder ressourcenschwache Gebiete in Afrika darben, setzte in anderen Nationen eine rasante Entwicklung ein. Eine Aufgabe der klimapolitischen Reparationszahlungen ist es, hier einen Ausgleich zu schaffen. Indien als aufstrebender Tigerstaat hat andere Ansprüche und Verpflichtungen, als das von Hurrikanen heimgesuchte Haiti. Reiche Nationen werden sich nicht lange gegen diesen historischen Ausgleich wehren können, es sei denn mit despotischen Mitteln auf dem internationalen Parkett.

Und genau das ist die langfristige Quittung der Geschichte für jahrhundertelange Ausbeutung technologisch unterentwickelter Staaten, für die unmenschlichen Mechanismen früher westlicher Eroberungspolitik, die unsere Industrialisierung und rasanten Fortschritt ermöglichten. Die Rache der physikalischen Erd-Systeme serviert man am besten kalt wie Gletschereis.

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Podcast: Klimanotstand und Kapitalismus – Brauchen wir eine neue Wirtschaftsordnung?

8. Dezember 2019 15:42 | #Klimawandel #Politik #Wirtschaft

Hochinteressantes Gespräch einer Klima-Aktivistin, eines Gemeinwohl-Ökonoms und eines Wirtschafts-Philosophen über Klimanotstand und Kapitalismus – Brauchen wir eine neue Wirtschaftsordnung?, hier als MP3: „In der EU gilt der Klimanotstand. Aber müssen die freien Märkte fallen, um das Klima zu retten? Darüber streiten der Philosoph Wolfram Eilenberger, der Gemeinwohl-Ökonom Christian Felber und Alexandra Gavilano von Extinction Rebellion.“

Der Wiener Autor und Mitbegründer von Attac Österreich, Christian Felber, sieht den Notstand an anderer Stelle. Er macht als Kern der Klimakrise einen „ökonomischen Bildungsnotstand“ aus: „Wir sollten nicht weiterhin an den Universitäten und Business Schools lehren, dass menschliche Bedürfnisse unbegrenzt sind, dass Unternehmen profitorientiert sein sollen, und dass die Wirtschaft immer weiter wachsen soll“, so Felber. Die Wirtschaftswissenschaft brauche dringend ein anderes Menschenbild, neue Maßstäbe und Rahmenbedingungen.

Wie zwischen Klimagerechtigkeit und Verteilungsgerechtigkeit vermittelt werden müsste, wie eine pragmatische Umsetzung der Klimaziele durch „Ökokonten“ aussehen könnte, ob Fortschritt im Verzicht liegt, und was ganz konkret im Alltag zum Schutz von Klima und Umwelt getan werden kann

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[Klimalinks 8.12.2019] Proteste während der Klimakonferenz in Madrid; Eisbären in Russland; Tagesschau über die Klimakonferenz 1979

8. Dezember 2019 12:41 | #Klimawandel #Politik #Protest #Umwelt

💧 In Russland fallen mal wieder Eisbären in nördlich gelegene Dörfer ein, diesmal ein ganzes Rudel von 54 Bären. Während es nicht ungewöhnlich ist, dass einzelne Bären in Nähe von Ryrkaypiy gesehen werden, ist ein solches Ausmaß beispiellos. Verantworlich ist das schmelzende Polareis und die damit veränderten Lebensbedingungen der Bären.

🌦 Netter Simulator der Klima-Stellschrauben von technologischen Durchbrüchen bis Subventionen von Erneuerbaren Energien, der die politischen Entscheidungen direkt in Temperatur-Erhöhungen umrechnet. Ich habe alle Entscheidungen mal realpolitisch auf „ein bisschen Fortschritt“ gedreht und lande bei einer Erderwärmung von 2,5°C. Klimatische Kipppunkte dürften in dieser Simulation nicht einberechnet sein, da sie diese Systeme in chaotischer Weise verändern (also nicht mehr in so ‘nem Browsergame simulierbar machen).

☀️ Während Politiker in Madrid grade verhandeln, um die Erhöhung des Meeresspiegels auf 2 Meter zu begrenzen, ist die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre bereits so hoch, dass die Meere sicher um 20 Meter ansteigen werden, sollten wir nicht jede Menge CO2-Sucker installieren und gigantische Wälder anpflanzen, die diese Konzentration senkt. „The Coast is toast“: With Sea Level Rise, We’ve Already Hurtled Past a Point of No Return.

💦 Während die Politik über längst geklärte Sachverhalte verhandelt, gehen in Madrid hunderttausende Menschen auf die Straße und fordern eine realistische Klimapolitik.

In der spanischen Hauptstadt wird seit Montag auf der Klimakonferenz über Maßnahmen debattiert, um den Klimawandel aufzuhalten. Doch die Aktivisten, die aus vielen Ländern zum Protest und zum Gegengipfel angereist sind, der am heutigen Samstag in der spanischen Hauptstadt beginnt, glauben nicht daran, dass die Staats- und Regierungschef ernsthaft um Lösungen bemüht sind, um den “Krieg gegen die Natur” zu beenden, wie der UN-Generalsekretär António Guterres und Gastgeber der 25. Klimakonferenz dies zu Beginn der COP25 gefordert hatte.

“Die politischen Führer betrügen uns”, erklärte dann auch die Klimaaktivistin Greta Thunberg vor den versammelten Menschen. “Wir werden es nicht zulassen, dass sie damit durchkommen”, fügte sie am Platz der Neuen Ministerien an. “Es reicht”, sagte die junge Schwedin, die in Spanien wie ein Rockstar behandelt wurde.

🌤 Dazu passend, ein Tagesschau-Bericht von 1979 über die erste Weltklimakonferenz in Genf. Die Fakten liegen seit 40 Jahren auf dem Tisch.

🌏 Berliner Gazette: „Im MORE WORLD-Interview spricht die in Bangkok lebende Forscherin Sara Vigil über die in Afrika und Asien vom Klimawandel ausgelöste Migration, die räuberische Aneignung von Land im Namen des Naturschutzes („green grabbing“) und die Rolle der Festung Europa in diesem Kontext.“

🌧 Apokalyptischer Vierteiler auf Telepolis:
Teil 1: Verhinderung der Katastrophe ist kaum noch vorstellbar
Teil 2: Was wandelt sich im Klimawandel?
Teil 3: Zukunft des Klimas: Vom Wandel über die Katastrophe ins Chaos
Teil 4: Leben im Klimawandel: Die Zeit der Zerstörung

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[Klimalinks 5.12.2019] Deutschland wird zum Klima-Risiko-Land; wie der Klimawandel Vögel verändert; US-Militär warnt vor Kollaps

• Durch die Dürre im Jahr 2018 rutschte Deutschland auf Platz 3 der international am meisten vom Klimawandel betroffenen Ländern der Welt: Deutschland wird zum Klima-Risiko-Land: In Mitteleuropa wähnte sich Deutschland weit weg von den Auswirkungen der Klimakrise. Nun ändert sich das drastisch: Die Bundesrepublik klettert auf Platz drei im globalen Klima-Risiko-Index von Germanwatch.

Climate change is forcing one person from their home every two seconds, Oxfam says: Climate-fueled disasters have forced about 20 million people a year to leave their homes in the past decade — equivalent to one every two seconds — according to a new report from Oxfam.

Studie mit 70.000 Tieren – Wie der Klimawandel die Vögel verändert: 40 Jahre lang haben Forscher in Chicago tote Vögel gesammelt und vermessen. Ihre Studie zeigt, dass sich die Tiere dem Klimawandel anpassen – ihre Flügel werden größer, ihre Körper kleiner.

An Extinction Rebellion protester dressed as a bee has glued himself to the Liberal Democrats’ battlebus, as the environmental group intervenes in the general election. The group said it was “buzzing around” political parties’ campaign battlebuses on Wednesday “demanding the climate and ecological emergency is top of the agenda this election”.

Staatliche Förderung für Klimawandelleugnung: Ausgerechnet der Verein “Pro Lausitzer Braunkohle” soll in Brandenburg über den Klimawandel informieren. Informationen des SPIEGEL zufolge fördert der Staat die Leugner der Erderwärmung mit Zehntausenden Euro.

• Tja. Umweltbundesamt: Sprit muss bis zu 70 Cent teurer werden: „Ein internes Papier des Umweltbundesamtes legt dar, welch drastische Einschnitte wirklich nötig wären, um die deutschen Klimaziele im Verkehr zu erreichen. Die Steuer auf Diesel müsste bis 2030 um gut 70 Cent steigen, die Pendlerpauschale wegfallen. Mit den bislang angestrebten Maßnahmen bliebe laut Umweltbundesamt eine Klimaschutzlücke von 20 bis 30 Millionen Tonnen Treibhausgasen.“

Selbst fünfzig Jahre alte Klimamodelle sagen die globale Erwärmung korrekt voraus: „Most of the models accurately predicted recent global surface temperatures, which have risen approximately 0.9°C since 1970. For 10 forecasts, there was no statistically significant difference between their output and historic observations, the team reports today in Geophysical Research Letters.“

Ein neuer Bericht im Auftrag des Pentagons warnt vor einen Zusammenbruch der amerikanischen Zivilgesellschaft durch einen Ausfall der Energieversorgung und Seuchen innerhalb der nächsten 20 Jahre. Das US-Militär sollte sich laut Bericht umgehend auf die Auswirkungen des Klimawandels vorbereiten, anderenfalls drohe Kollaps durch Überlastung, da das Militär die Sicherheit des Landes aufgrund veränderter Bedingungen nicht mehr gewährleisten könne. Hier der Bericht als PDF.

• der sogenannte Warschauer Mechanismus soll für Ausgleichszahlungen für Kosten des Klimawandels an Entwicklungsländer durch reiche Nationen sorgen. Beim Klimagipfel hat Australien nun erstaunlicherweise argumentiert, auch dort würden vom Klimawandel betroffene Menschen leben, vor allem die australischen Ureinwohner. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Als nächstes beantragt Trump Ausgleichsmittel, weil Schwarze und Ureinwohner im Durchschnitt mehr vom Klimawandel betroffen sind (da sie durchschnittlich in gefährdeteren und deshalb billigeren Gebieten leben, ihre Häuser im Schnitt älter und anfälliger sind und so weiter).

New words for a new world: An interview with Matthew Schneider-Mayerson, co-editor of ‘An Ecotopian Lexicon.’

Historian William Cronon argued that the very concept of “wilderness” prevents us from living with nature, since it defines the wilderness as something distant, far from the corrupting influence of humans. The idea of “wilderness” doesn’t offer a way for humans to live with nature without destroying it.

Electric buses charge up quickly using new wireless systems

Climate change to steer all New Zealand government decisions from now on

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[Klimalinks 3.12.2019] Eröffnung des Klimagipfels; die Sounds von Klima-Katastrophen; eine Formel für die Dringlichkeit der Klima-Krise

• Wissenschaftler haben eine Formel für die Dringlichkeit der Klimakrise formuliert: Scientist’s theory of climate’s Titanic moment the ‘tip of a mathematical iceberg’.

Rather than being something abstract and open to interpretation, Schellnhuber says the climate emergency is something with clear and calculable risks that you could put into a formula. And so he wrote one.

Emergency = R × U = p × D × τ / T

In a comment article in the journal Nature, Schellnhuber and colleagues explained that to understand the climate emergency we needed to quantify the relationship between risk (R) and urgency (U). Borrowing from the insurance industry, the scientists define risk (R) as the probability of something happening (p) multiplied by damage (D).

For example, how likely is it that sea levels will rise by a metre and how much damage will that cause. Urgency (U) is the time it takes you to react to an issue (τ) “divided by the intervention time left to avoid a bad outcome (T)”, they wrote.

Fast alle europäischen Versicherungen haben sich aus Geschäften mit Kohlekraftwerksbetreibern zurückgezogen und ihnen folgen nun auch amerikanische Versicherer. In Europa gibt es mit Lloyd nur noch eine einzige Versicherung, die mit Kohlekraftwerksbetreibern arbeitet und auch die zieht sich langsam aber sicher zurück, da man die Risiken durch die Klimakrise mittlerweile mit einrechnet.

The number of insurers withdrawing cover for coal projects more than doubled this year and for the first time US companies have taken action, leaving Lloyd’s of London and Asian insurers as the “last resort” for fossil fuels, according to a new report.

The report, which rates the world’s 35 biggest insurers on their actions on fossil fuels, declares that coal – the biggest single contributor to climate change – “is on the way to becoming uninsurable” as most coal projects cannot be financed, built or operated without insurance.

• Die durchschnittliche Temperatur der Erde steigt schneller als gedacht und die World Meteorological Organization prognostiziert einen Anstieg zwischen 3° und 5° bis Ende des 21. Jahrhunderts: Global Warming Prediction Sounds Alarm for Climate Fight.

The world’s average temperature is rising faster than previously thought, headed for a gain that may be triple the goal almost set by almost 200 countries.

The findings by the World Meteorologic Organization suggest an increase of 3 degrees to 5 degrees Celsius (5.4 to 9 degrees Fahrenheit) by the end of the century. It’s another indication of how far off track the planet is in meeting its target to contain global warming to 1.5 degrees Celsius since the dawn of the industrial revolution.

Klimaforscher Stefan Rahmstorf – Jung & Naiv: Folge 447

Wir sprechen über die Ozeane und die Abschwächung des Golfstroms: Was hat das mit dem Klimawandel zu tun? Betrifft der Golfstrom uns überhaupt? Wieso droht ein Domino-Effekt? Lässt sich der Anstieg des Meeresspiegels überhaupt aufhalten? Sind ein paar Zentimeter Anstieg eigentlich so schlimm? Wie viele Meter Meeresanstieg drohen uns, wenn das Eis auf Grönland und in der Arktis schmilzt?

Außerdem geht’s um Klimawandelleugner und -verleugner, Kompensation von Flugreisen sowie die Bedeutung von „Klimaneutralität“.

Text-Version eines Vortrags von Sighard Neckel, Professor für Gesellschaftsanalyse und sozialen Wandel im Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Hamburg, über die „Great Transformation: Die Zukunft moderner Gesellschaften“ und die Soziologie des Anthropozäns. Neckel redet unter anderem über ein Paradox innerhalb linker Theorie: Die Bekämpfung globaler Ungleichheit und eine Anhebung der Lebensstandards in aller Welt bedeutet gleichzeitig faktisch einen Anstieg der CO2-Emissionen.

Soziopolis: Scholastische Irrtümer? Rückfragen an das Anthropozän
Piqd: Klimaverträglich und nachhaltig – eine Weltwirtschaftsordnung für das Zeitalter des Anthropozän?

Die Vorstellung einer handlungsfähigen Weltbürgerschaft, die im Auftrag der gesamten Menschheit die Erde advokatorisch verwaltet, entspringt einem Akteursidealismus, der in der gesellschaftlichen Wirklichkeit keine Entsprechung hat. Sie übersieht alle tiefgreifenden ökonomischen, kulturellen, religiösen und politischen Fragmentierungen, durch welche die Weltgesellschaft gekennzeichnet ist. Das Bild eines globalen politischen Subjekts ist die normative Überdehnung eines Wunschbildes, das aus den Befunden einer globalen Bedrohung die Konstitution eines globalen Akteurs ableitet, ohne zu reflektieren, dass – wie die Soziologie weiß – die Herausbildung kollektiver Akteure keine einfache Funktion ihrer Notwendigkeit ist. Aufgabe der Soziologie wäre es, einen solchen normative overstretch zu analysieren, anstatt sich von ihm die Richtung vorgeben zu lassen.

Die Europäische Zentralbank macht sich fit für die Zukunft und berücksichtigt den Klimawandel in ihren ökonomischen Prognosen: „In a strong hint that as president she would move the ECB beyond its traditional remit of controlling inflation, Lagarde said the bank would incorporate the climate threat into both its economic forecasts and in its capacity as watchdog of the financial system. The ECB, like all central banks, uses models to forecast how the eurozone economy will work. ‘These models need to incorporate the risk of climate change,’ said Lagarde. ‘That’s the very least, I think, we should expect.’“

Eröffnung des Klimagipfels – Frustrierter Weltenlenker: So richtig diplomatisch war der oberste Weltdiplomat nicht mehr: „Was mich frustriert, ist das langsame Tempo des Wandels, wo wir doch alle Techniken und Mittel haben“, sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres am Montag bei der Eröffnung der 25. UN-Klimakonferenz (COP25) in Madrid. Die Menschen müssten den „Krieg gegen die Natur stoppen“. Und er forderte, „alle Regierungen müssen sich jetzt zu neuen Klimaplänen verpflichten“.

Neuer Anlauf für globalen Zertifikatehandel – CO₂-Märkte sollen Kosten für Klimaschutz senken: „Bei der Weltklimakonferenz, die am Montag beginnt, stehen die CO2-Märkte im Mittelpunkt. Durch den Handel mit Treibhausgaszertifikaten soll Klimaschutz billiger werden. Damit das Klima auch etwas davon hat, müssen aber die Marktregeln stimmen. Diese richtig hinzubekommen ist schwierig, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt.“

Neuer Emissionsrekord: Warum nur protestieren hilft: „Nur wenn wir die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ändern, nur wenn klimafreundliche Gesetze unseren Alltag regeln, nur dann bekommen wir das Problem in Griff. Deshalb heraus auf die Straße, auf zum Klimastreik!“

Klimaaktivistin Thunberg erreicht Europa: Klimaprotestler gen Madrid: „Greta Thunberg schafft es, pünktlich zur Klimakonferenz wieder über den Atlantik zu segeln. Auch aus Deutschland reisen Aktivistinnen an.“

• Gutes Interview mit Klimaforscher Reto Knutti: Sind wir noch zu retten?

An einer Stelle sagt Knutti, er verstünde nicht, weshalb sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit innerhalb eines Jahres so gewandelt habe. Dafür gibt es zwei einfache Gründe: Ständige Hitzerekorde in Folge und Greta Thunberg. Wie ich grade im neuesten Hitzerekord-Posting aufgeschrieben habe, schaffen die konstanten Rekordmeldungen eine gesellschaftliche Realität. Das alleine reicht aber noch nicht, es braucht erst ein Kind, das alleine vor dem Parlamentsgebäude steht. Die Seltsamkeit der Meldung löst einen Viraleffekt aus, die Rekord-Fakten schaffen eine wissenschaftlich begründete und konstante Dringlichkeit.

«Man hat kein einziges der Umwelt­probleme durch Eigen­verantwortung gelöst, durch den freien Markt, durch spontane Innovation», sagt Knutti jetzt.

«Nennen Sie irgendwas», sagt er.

«Den Katalysator?», sage ich.

«Es ist egal, welches Beispiel Sie wählen: Katalysator, Partikel­filter, Klär­anlagen, FCKW: Veränderungen gab es nur, wenn der Staat Regeln aufgestellt hat. Früher hat man den Abfall in den Wald geworfen, die Munition in den See und den Atommüll ins Meer. Heute muss der Abfall gesammelt, verbrannt oder recycelt werden. Früher liess man das Abwasser einfach in unsere Seen fliessen. Heute braucht jedes Haus Abwasser­leitungen. Wer würde Klär­anlagen infrage stellen? Gegen die schlechte Luftqualität, das Wald­sterben, den sauren Regen wurden Partikel­filter und Katalysatoren eingeführt. Es gibt Luftreinhalte­verordnungen, Schadstoff­tests für Autos. Man kann nicht mehr einfach einen grossen Kamin aufstellen und Rauch rauslassen. Man hat FCKW verboten wegen des Ozonlochs, und Atom­kraftwerke dürfen die Wasser­temperatur des Flusses, den sie zum Kühlen brauchen, nicht über einen Grenzwert erwärmen, weil sonst die Fische sterben. Man kann argumentieren: Es kann ja auch nicht jeder bauen, wie er will. Oder es kann auch nicht jeder fahren, wie er will. Für die Gesellschaft ergeben diese Regeln durchaus Sinn: Freiheit, solange nicht andere dadurch zu Schaden kommen. Wie man das jetzt immer bewerten will, eine Sache ist mit Blick in die Vergangenheit klar: Ohne Anreize oder Zwang ist im Umwelt­bereich selten etwas passiert. Wenn die Fossilen wenig kosten, die Schäden vom Steuer­zahler übernommen werden und der Staat nicht lenkend eingreift, gehen die Emissionen rauf, rauf, rauf.»

Open Water: Greenlanders on the climate crisis

A glimpse into the lives of three Greenlanders: a hunter, a ship’s captain and a fisherman, individuals whose very existence and heritage is intertwined with the Arctic Ocean. Like many who live in the polar north, their fortunes straddle the extremes of summer and winter. Faced with a drastically changing environment, these seafarers reflect on their past, their present and uncertain future with a complex mix of emotions.

Handfestes im ‘Paradies’: Wie im Pazifik gegen die Folgen des Klimawandels gekämpft wird: „Viele der Gruppen in den pazifischen Inselstaaten, mit denen ich zusammengearbeitet habe, verstehen Umweltgerechtigkeit als eine Frage der Menschenrechte. Der Zugang zu ihrem Land, ihren Gewässern und ihre Ressourcen ist ihr unveräußerliches Recht. Dieses Recht werden ihnen aufgrund von Umständen entzogen, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen. Gerade in nationalen und internationalen Steuerungsgremien ist es sinnvoll, Umweltgerechtigkeit als Menschenrecht zu benennen.“

• Die Haltung der rechten Regierungen in den ehemaligen Ostblock-Staaten in a nutshell: „Why should we decide 31 years ahead of time what will happen in 2050?“ Ansonsten haben die Rechten eher wegen Flüchtlingen die Hosen voll, wie immer: Migration v climate: Europe’s new political divide: „In Hungary and elsewhere, activists are demanding climate action but politicians say biggest threat comes from migration.“

Mosquitoes bring ‘mystery illness’ to the mountain villages of Nepal: „Rising temperatures linked to outbreaks of dengue fever high in the Kathmandu Valley, experts say“

‘Unprecedented’ Rains in East Africa Offer a Glimpse of the Climate Emergency: „As world leaders gather in Madrid to come up with solutions to the climate crisis, the people of East African nations such as South Sudan, Kenya, and Somalia are feeling the effects firsthand. Incessant rains throughout the region have spurred flash floods, affecting millions across the region as families are displaced and killing more than 250 people“.

• Erneuerbare Energien aus den Methan-Emissionen von Essensabfällen: Farmers Are Using Food Waste To Make Electricity

• Es gibt Sounds, die eine Art Klima-PTSD bei Menschen auslöst, die Flut-Katastrophen oder Hurrikane überlebten, also starke Wind-Geräusche, heftiger Wellengang und peitschender Sturmregen und so weiter: The Sounds That Trigger Trauma.

• Die Trump-Regierung veröffentlicht ihre schlechte Klima-Nachrichten an Feiertagen, wenn es keiner mitbekommt weil na klar tut sie das: A Grave Climate Warning, Buried on Black Friday: „In a massive new report, federal scientists contradict President Trump and assert that climate change is an intensifying danger to the United States. Too bad it came out on a holiday.“

Podcasts:

HR2 Der Tag: Mehr Kohle fürs Klima – Was kostet das gute Gewissen? (MP3)

“Auf Grund eines Ablassbriefes das Heil zu erwarten, ist eitel”, urteilte schon vor über 500 Jahren der Reformator Martin Luther. Jetzt trifft sich die Welt in Madrid, um genau ihn wieder aufleben zu lassen: den Ablasshandel. Dieses Mal geht’s nicht um das fiktive Seelenheil einzelner Gläubiger, sondern um das konkrete Überleben aller Menschen. Aber irgendwie ist der Handel mit Erderwärmungszertifikaten, der bei der Klimakonferenz in Madrid verhandelt wird, doch sehr ähnlich dem Ablasshandel, den Martin Luther in seiner 52. These gegeißelt hat. Und vielleicht wird dann demnächst ein Reformator seine Thesen an die Pforte der UNO nageln und den ganz großen Wandel einläuten, der die bisherige Weltordnung ins Wanken bringt. Oder er funktioniert doch, der Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten. Und die Welt wird von einem neuen Markt gerettet, nachdem der Kapitalismus sie zerstört hat.

NDR Feature: Greta bringt die Welt in Ordnung (MP3, Info)

Im Sommer 2018 begann die damals 15-jährige Stockholmer Schülerin Greta Thunberg mit ihrem „Schulstreik für das Klima“. Mit einem selbstgemalten Pappschild hockte sie sich vor das schwedische Parlament. Die kleine Tat zeigte bald enorme Wirkung. Hunderttausende Schüler sind heute weltweit bei #fridaysforfuture aktiv. Sie engagieren sich vehement dafür, dass die Mächtigen endlich aufwachen. Manche aber reagieren auf den Protest mit Hohn und offenem Hass. Politiker und Publizisten plädieren dafür, den Klimawandel den „Profis“ zu überlassen.

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2010er sind die heisseste Dekade, ever

3. Dezember 2019 16:31 | #Klimawandel #Wissenschaft

Neuer Eintrag in meine Sammlung der Hitzerekorde: Die 2010er werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die heisseste Dekade seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und 2019 dürfte entweder das zweit- oder drittheisseste Jahr werden, was die letzten 5 zu den wärmsten Jahren seit metreologischer Datensammlung macht.

Ich erachte diese Hitzerekorde als das planetare „Houston, we have a problem“ unserer Zeit und die Rekordmeldungen illustrieren das Problem äußerst trefflich, vielleicht grade weil sie den langsamen aber stetigen Temperaturanstieg wie in Zeitlupe alle paar Monate und Jahre immer und immer wieder ins Gehirn hämmern, weshalb ich meiner kleinen Rekord-Sammlung auch gerne immer wieder viel Platz einräume. Die nächste Generation wird nicht so zimperlich mit uns umgehen, wie Frau Thunberg.

WMO: 2019 concludes a decade of exceptional global heat and high-impact weather

The year 2019 concludes a decade of exceptional global heat, retreating ice and record sea levels driven by greenhouse gases from human activities. Average temperatures for the five-year (2015-2019) and ten-year (2010-2019) periods are almost certain to be the highest on record. 2019 is on course to be the second or third warmest year on record, according to the World Meteorological Organization.

Guardian: Decade of ‘exceptional’ heat likely to be hottest on record, experts say

Temperatures for the years from 2010 to 2019 were about 1.1C above the average for the pre-industrial period, showing how close the world is coming to the 1.5C of warming that scientists say will cause dramatic impacts, extreme weather and the loss of vital ecosystems. The preliminary findings of the State of the Global Climate, an annual publication by the WMO, show that this year is on course to be the second or third warmest since records began.

The latest WMO figures showed the pattern of warming was growing stronger, warned Keith Shine, regius professor of meteorology and climate science at the University of Reading.

“Each of the past four decades has been 0.1 to 0.2C warmer than the decade before. Carbon dioxide levels have continued their relentless rise, and methane levels have grown much more rapidly than in the previous decade. Unless things start to change markedly, it is going to get harder and harder to meet the goals of the Paris agreement.”

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[Klimalinks 29.11.2019] Weltweiter Klimastreik mit Protesten in der Arktis; schmelzender Eisblock als Platzhalter für Boris Johnson; Massive Attack über den Klima-Impact der Musik-Industrie

29. November 2019 13:48 | #Klimawandel #Politik #Protest #Umwelt #Wirtschaft

Liveblog des Tagesspiegels von den Klimaprotesten in Berlin heute: Aktivisten springen in Berlin in die Spree. Heute finden wieder weltweit Proteste gegen die Untätigkeit der Politik angesichts einer drohenden Klima-Katastrophe statt. Alleine in Berlin sind zehntausende Leute auf der Straße und am Brandenburger Tor, Demos gibt es in praktisch allen größeren Städten weltweit. Schön.

• spOnline: “Polarstern”-Forscher gehen für Klimaschutz aufs Eis: Hunderte Protestaktionen für den Klimaschutz sind weltweit an diesem Freitag angekündigt. Auch deutsche Wissenschaftler demonstrieren mit – in der Arktis und in der Antarktis.

Guter Kommentar auf Übermedien über den Umgang von Journalisten mit unwissenschaftlichen Aussagen von Politikern und fachfremden Wichtigtuern, die alleine deshalb scheinbaren Nachrichtenwert erhalten, weil sie eben von Politikern oder Wichtigtuern geäußert werden: „Am 29. November gehen wieder ‘Fridays for Future’ auf die Straßen. Die Medien werden sich wieder mit Berichten über diese junge Protestbewegung aus dem Nichts überschlagen. Dabei stünde uns Journalisten ein bisschen professionelle Demut bei diesem Thema ganz gut. Denn anstatt zwischen seriöser Forschung und abseitigen Einzelmeinungen zu unterscheiden, verlieren sich die Berichte immer noch oft im Einerseits-Andererseits.“

• Davon abgesehen zeigt eine Studie, dass Kategorien wie Skeptiker nichts über die Bereitschaft zu Änderungen des eigenen Lebensstils aussagen. Das Paper versucht insgesamt zu ermitteln, welches Kommunikationsverhalten optimalen Klimaschutz in der Bevölkerung aktiviert: Understanding (and Reducing) Inaction on Climate Change.

Die Studie erteilt zum Beispiel der verbreiteten Haltung eine Absage, negative und apokalyptische Botschaften würden zur Paralyse führen. Das Gegenteil ist der Fall: Negative Botschaften, die gleichzeitig Lösungansätze transportieren, führen zu einem Gefühl von persönlicher, individueller Effizienz („Wir sind zwar am Arsch, aber noch geht was.“) Diese Studie bestätigt also Greta Thunbergs Kommunikationsansatz („I want you to be afraid“, „You have to keep Fossil Fuels in the ground“).

Die Studie schlägt zur Verringerung von „Climate Inaction“ drei Strategien vor:
1. Negatives Framing bei gleichzeitigen Lösungsvorschlägen (s.o.)
2. In-Group-Messenger, die schlechte Nachrichten für die eigene politische Peergroup „übersetzen“. Konservative ignorieren ökologische Botschaften so lange sie von links kommen, hören aber sehr wahrscheinlich auf die eigenen Leute, die ihnen die Kosten vorrechnen. Auch deshalb verlinke ich hier vorwiegend Meldungen auf dem Finanz-Sektor.
3. Klimaschutz normaliseren und die neuen Normen entsprechend kommunizieren, also einen neuen Standard etablieren (Car-Sharing zum Normalfall im Bekanntenkreis machen etwa, im Büro für die Nutzung von ÖPNV werben und so weiter).

• Boris Johnson hatte als einziger Parteivorsitzender keine Lust auf eine Klimawandel von Channel 4, weshalb die Redaktion der Sendung seinen Platz kurzerhand mit einem schmelzenden Eisblock besetzten. Jetzt ist die konservative Partei tatsächlich angepisst, weil Journalisten einen bissigen symbolischen Kommentar auf die Arbeitsverweigerung ihres Vorsitzenden abgaben. Konservatismus in a nutshell.

Globale Studie: Klimawandel bedroht seltene Pflanzen: „Die gute Nachricht: Auf der Erde gibt es viel mehr Pflanzen als vermutet, so Forscher in einer neuen Studie. Die schlechte Nachricht: Klimawandel, Landwirtschaft und Städtebau könnten viele von ihnen verschwinden lassen.“

Australien steht das Schlimmste noch bevor: „Die Brandsaison auf dem fünften Kontinent begann dieses Jahr ungewohnt früh und heftig. Dabei steht die wirklich kritische Jahreszeit noch bevor.“

• Massive Attack im Guardian über ihren Carbon-Footprint und ihre Teilnahme an einer Studie über den Impact der Musikindustrie: We’ve toured the world for years. To help save the planet we’ll have to change: „As a band that has toured globally for several years, we’ve had cause to reflect on this. Concerns over our own carbon impact and those of our wider industry aren’t new to us, but the urgency is. Last year, the UN Intergovernmental Panel on Climate Change called for “rapid, far-reaching and unprecedented changes in all aspects of society” and said carbon emissions were harmful, regardless of the fun had in their generation. In other words, what goes on tour doesn’t stay on tour.“

Vor COP25 und Globalem Klimastreik: Umweltverbände fordern mutiges Handeln statt mutloses Vertagen – mit Prof. Dr. Kai Niebert, Präsident DNR; Jörg-Andreas Krüger, Präsident NABU; Michael Schäfer, Leiter Klima WWF; Verena Graichen, Stellv. Bundesvorsitzende BUND; Martin Kaiser, Geschäftsführer Greenpeace

Is Net Zero Emissions an Impossible Goal? What it would take to suck more carbon dioxide out of the air than we put in:

Totaling up some of the options I’ve listed, we could draw down 1 billion tonnes of carbon dioxide by planting trees, 1.5 billion by better forest management, 3 billion by better agricultural practices, and up to 5.2 billion by biofuels with carbon capture. This adds up to over 10 billion tonnes per year. It’s not nearly enough to cancel the 37 billion tonnes we’re dumping into the air each year now. But combined with strenuous efforts to cut emissions, we might squeak by, and keep global warming below 2 degrees Celsius.

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